PEPP-PT: So funktioniert die Corona-App

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Apps sollen helfen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Im Mittelpunkt dabei: Die geplante Corona-App der Bundesregierung. Wir zeigen dir, wie die App funktionieren soll und was du sonst dazu wissen musst.
Schutz gegen das Coronavirus
Schutz gegen das CoronavirusBildquelle: Pixabay

PEPP-PT: Diese Bluetooth-App soll Corona bekämpfen und tracken

Die Hoffnung der Bundesregierung bei der Bekämpfung von Corona ist eine Tracking-App – auch als Corona-Tracing-App bezeichnet. Mehrere Plattfomen für eine solche App waren im Gespräch, letztlich hat sich Gesundheitsminister Jens Spahn jetzt für das Projekt PEPP-PT entschieden. Das ist eine technische Plattform, auf der Apps der einzelnen Länder aufsetzen können. PEPP-PT ist also nicht die App, sondern eher der Motorenraum. Er erlaubt es, anonymisiert Daten von Nutzern auszutauschen und nachzuvollziehen, ob du dich in den vergangenen 14 Tagen in der unmittelbaren Nähe von jemandem aufgehalten hast, der erst danach positiv auf Corona getestet wurde.

Europaweiter Standard als Grundlage für nationale Apps

Das internationale Team von PEPP-PT bestand aus mehr als 130 Mitgliedern, die in mehr als sieben europäischen Ländern arbeiten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Technikerinnen und Techniker sowie Expertinnen und Experten aus bekannten Forschungseinrichtungen und Unternehmen arbeiteten zusammen. Zuletzt hatten sich mehr und mehr Institutionen aus dem Projekt zurückgezogen. Der Grund: Man war von einer einst dezentralen Speicherung der Tracking-Daten abgerückt und wollte alle Daten doch zentral speichern. Davon hat man nun jedoch wieder Abstand genommen.

Im Kern basiert die Plattform auf Bluetooth. Bluetooth hat den Vorteil, dass es ein Kurzstreckenfunk ist. Zum Vergleich: Ein Mobilfunk-Sendemast sendet selbst innerstädtisch oftmals mehrere hundert Meter weit, tausende Kunden nutzen dieselbe Antenne. Die Aussagekraft, wie nah sich einzelne Nutzer tatsächlich waren, geht gegen null. Anders bei Bluetooth LE. Hier reichen die Verbindungen nur wenige Meter weit.

Die Funktionsweise

Die Funktionsweise scheint einfach: Die App soll im Hintergrund erkennen, welche Bluetooth-Geräte sich in der Nähe befunden haben. Das wird protokolliert. Aufgrund dessen kann dann eine Nachverfolgung stattfinden.

In einen Twitter-Thread hat der Diplom-Informatiker und Software-Entwickler Henning Tillmann die Funktionsweise erklärt.

Demnach dienen die Signalstärken von Bluetooth dazu, den Abstand einzuschätzen. Apple und Google arbeiten an Schnittstellen für ihre Betriebssysteme. Die App gibt jedem Gerät einen sogenannten Tagesschlüssel. Die App generiere daraus alle 15 Minuten einen Kurzschlüssel.

Haben nun zwei Geräte sich nah genug angenähert, tauschen sie den Kurzschlüssel aus. Auch der Zeitpunkt wird festgehalten. Gibt nun einer der Personen an, dass er positiv auf Corona getestet wurde, lädt die App seine Tagesschlüssel der vergangenen Tage auf einen zentralen Server. Diese Corona-Tagesschlüssel überträgt der Server anschließend an alle Nutzer.

Die App ist jetzt in der Lage, aus den fremden Tagesschlüssel wieder Kurzschlüssel zu generieren. Diese entsprechen denen, die auch das Handy des infizierten generiert hat. Ist einer dieser Kurzschlüssel also lokal gespeichert, bestand ein Kontakt zwischen dem Infizierten und dem anderen Handy. Auf dem Display erscheint der ungefähre Zeitpunkt des Kontaktes und der Nutzer soll sich bevorzugt testen lassen können.

Dass man positiv getestet wurde, muss übrigens belegt werden. So sollen Fake-Alarme ausgeschlossen werden.

So hilft Vodafone bei der Entwicklung

Vodafone Deutschland unterstützt die Entwicklung der Technologie. Der Netzbetreiber berät das Projekt, damit die anonymen Daten, die die Smartphones untereinander austauschen, künftig sinnvoll genutzt werden können.  Damit möglichst viele die Technologie künftig im Alltag nutzen können, macht Vodafone sie nach eigenen Angaben aktuell in seinem Test- und Zertifizierungs-Labor bereit für den großflächigen Einsatz. Vodafone testet und konfiguriert alle gängigen Smartphones für den Einsatz der Technologie zur Abstandsmessung per Bluetooth-Sensorik.

Das ist wichtig, weil die Bluetooth-Sensorik, die ermittelt, ob und wie lange sich andere Telefone in der Nähe befinden, durch modellspezifische Eigenschaften eines Smartphones beeinflusst wird. Zum Beispiel durch das Antennen-Design sowie das Gehäuse eines Smartphones. Die Technologie muss also für die Nutzung mit den verschiedenen Smartphones technisch angepasst werden. Ebenso erprobe Vodafone die Funktionalität der Technologie zwischen unterschiedlichen Smartphone-Modellen mit Hilfe umfangreicher Labortests.

Wichtig ist Vodafone dabei zu betonen: Bei der Entwicklung der Technologie übermittelt Vodafone keine personenbezogene Kunden- oder Bewegungsdaten. Ziel der Zusammenarbeit sind Beratung und Tests.

Corona-Datenspende-App vom RKI

Das Robert Koch-Institut (RKI) stellt eine App zur Verfügung. Dabei handelt es sich nicht um eine Tracking-App. Vielmehr soll die neue App ergänzende Informationen dazu liefern, wo und wie schnell sich das Coronavirus (SARS-CoV-2) in Deutschland ausbreitet. Die App ist unter dem Namen „Corona-Datenspende“ für iOS und Android-Geräte verfügbar. Großer Nachteil: Sie funktioniert nur in Kombination mit Fitnessarmbändern und Smartwatches verschiedener Hersteller. Die Nutzung der App ist freiwillig und pseudonymisiert. Das RKI habe zu keiner Zeit Kenntnis über persönliche Informationen wie Name oder Anschrift der App-Nutzer.

‎Corona-Datenspende
‎Corona-Datenspende
Entwickler: Robert Koch-Institut
Preis: Kostenlos
Corona-Datenspende
Corona-Datenspende
Entwickler: Robert Koch-Institut
Preis: Kostenlos

Das Ziel der Corona-Datenspende-App

Nutzt du die App, so übermittelt sie Daten an die Wissenschaftlern des Robert Koch-Instituts. Das soll einen genauere Einblicke in die Verbreitung des Coronavirus bieten. Die App diene ausdrücklich nicht der Nachverfolgung von Kontaktpersonen, sondern soll ergänzend zu weiteren Datenquellen dabei helfen, Infektionsschwerpunkte besser zu erkennen. Die Wissenschaftler wollen damit ein genaueres Bild über die Wirksamkeit der Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 gewinnen.

Die Daten, die  Smartwatches oder Fitnessarmbändern aufzeichnen sind beispielsweise Ruhepuls, Schlaf und das Aktivitätsniveau. Bei einer akuten Atemwegserkrankung ändern sich diese Vitalzeichen in den meisten Fällen deutlich. „Daher können auch typische COVID-19-Symptome wie Fieber durch die App erkannt werden“, heißt es vom RKI. Mit Hilfe der Corona-Datenspende-App könne der Nutzer diese Daten an das RKI übermitteln.

Bereits ein Prozent Beteiligung wäre hilfreich

Die Corona-Datenspende-App benötigt die Postleitzahl des Nutzers. Der Grund laut RKI: Die  Daten werden wissenschaftlich aufbereitet und fließen im Anschluss in eine Karte mit regionaler Verbreitung potenziell Infizierter ein. Sie soll auf www.corona-datenspende.de veröffentlicht werden.

„Wenn in einer ausreichend großen Stichprobe die Anzahl der symptomatischen Patienten erfasst werden kann, könnte uns das dabei helfen, früher Rückschlüsse auf Infektionsgeschehen, Verbreitung und auch auf die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen zu ziehen“, sagt Lothar H. Wieler, der Präsident des Robert Koch-Instituts. Nach Angaben des RKI gibt es 10 Millionen Nutzer von kompatiblen Geräten in Deutschland. Würde nur ein Prozent der Nutzer mitmachen, wäre das bereits enorm hilfreich, heißt es vom RKI.

Der Chaos Computer Club hat übrigens auch an dieser App einiges zu kritisieren.

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