Deutschlandweit wurde viele Jahre fĂŒr die InternetĂŒbertragung per Kabel ausschlieĂlich der Standard DOCSIS 3.0 â genauer EuroDOCSIS 3.0 â verwendet. DOCSIS steht fĂŒr die sperrige Bezeichnung âData Over Cable Service Interface Specificationâ. Der Standard ermöglicht rein theoretisch Gigabit-Datenraten â allerdings nur als KapazitĂ€t fĂŒr alle Kunden in einem Netzsegment. An einem solchen Netzsegment sind aber stets mehrere Haushalte angeschlossen. Je nach GröĂe dieses Clusters können es einige hundert oder noch mehr Haushalte sein. Deswegen kommt es auch an besonders groĂen Clustern mit vielen Internetkunden abends zu Ăberlastungen â das PhĂ€nomen des Shared Medium. Inzwischen kommt mit DOCSIS 3.1 ein Nachfolgestandard zum Einsatz, der deutlich mehr leistet. Aber auch bei ihm kann es zu Ăberlastungen kommen.
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So kommt das Internet per TV-Kabel nach Hause
Technisch funktioniert Internet per Kabel â einfach beschrieben â so: Auf einem Sendekanal im Kabel finden mehrere digitale Sender auf einer Frequenz Platz. FrĂŒher war es alternativ ein analoger TV-Sender. Es ist aber auch möglich, auf einer solchen Kabelfrequenz Daten zu ĂŒbertragen. Bei DOCSIS 3.0 sind es etwa 50 MBit/s im Downstream, die auf einem Kanal Platz finden â also etwa so viel, wie ein Kunde per VDSL bekommen kann. Anders als bei VDSL sind diese 50-Mbit/s-KanĂ€le dabei nicht einem Kunden explizit zugeteilt. Vielmehr gibt es eine dynamische Verteilung der Last auf alle vorhandenen KanĂ€le, allerdings auch von allen Kunden.
Bei einem schlechten Netzausbau konnte es daher sein, dass ein Kunde in seinem Haushalt beispielsweise nur sechs KanĂ€le empfangen konnte â also 300 MBit/s. Zur Erinnerung: Das ist die Bandbreite des gesamten Clusters. Diese Datenrate bekommt daher nicht ein Kunde exklusiv. Er muss sie mit allen Kunden in seinem Netzsegment teilen. Vermarktet der Anbieter nun aber AnschlĂŒsse mit 100 oder 200 MBit/s und versorgt pro Netzsegment 100 Kunden, reicht das bei Weitem nicht aus, um alle Kunden mit der gebuchten Datenrate zu versorgen. Die Netzbetreiber sind daher bemĂŒht, nicht nur die Segmente zu verkleinern (Segmentierung), sondern auch mehrere DatenkanĂ€le anzubieten.
In einem TV-Kabel-Netz sind bis zu 32 DOCSIS-KanĂ€le möglich. Ăblich sind bis zu 24 KanĂ€le. Bei 50 Mbit/s pro Kanal bringt es das Kabelnetz damit auf eine GesamtkapazitĂ€t von etwas mehr als 1,2 GBit/s. Allerdings sind diese 24 KanĂ€le nur nutzbar, wenn das Modem des Kunden auch alle 24 KanĂ€le unterstĂŒtzt. Das ist gerade bei Ă€lteren oder gĂŒnstigeren GerĂ€ten nicht unbedingt der Fall. Bildlich gesprochen wĂ€re der Effekt eines 8-Kanal-Modems in einem 24-Kanal-Netz so wie eine Autobahn mit 24 Spuren. Auf den rechten acht Spuren dĂŒrfen alle Autos fahren. Es ist entsprechend eng dort. Nur wer alle 24 Spuren nutzen kann, kommt entsprechend schneller voran und kann hĂ€ufiger die Spur wechseln.
Die QualitÀt des Kabelnetzes bemisst sich am Cluster
FĂŒr den Upload waren ĂŒbrigens lange Zeit maximal acht KanĂ€le vorgesehen â und das auch nur mit jeweils 30 MBit/s. Mehr als 240 MBit/s sind also in einem Cluster nicht möglich â eine ErklĂ€rung, warum sich Kabelnetzbetreiber mit hohen Datenraten im Upstream so schwertun. Erst, wenn DOCSIS 3.1 auch im Upstream eingesetzt wird und mehr Frequenzen bereitstehen, kann das anders werden. Technisch denkbar wĂ€ren 1 bis 2 GBit/s pro Cluster. Vodafone ist heute bei maximal 75 Mbit/s pro Kunde â und ist damit der schnellste Kabelnetzanbieter in Deutschland.
Ein Cluster besteht wie erwĂ€hnt aus einer unterschiedlich groĂen Anzahl an angeschlossenen Haushalten. Diese Haushalte in einem Cluster sind alle per TV-Kabel (Koaxialkabel) angebunden. Der VerstĂ€rkerpunkt fĂŒr den Cluster allerdings ist per Glasfaser mit der Kabelvermittlungsstelle (CMTS) verbunden.
Die CMTS ist das eigentliche Gegenmodem zum Kabelmodem daheim. Je nĂ€her das Glasfaserkabel zu den Kunden rĂŒckt, desto besser ist die Datenrate fĂŒr jeden einzelnen Kunden. Anders als bei der Kupferdoppelader der Telekom und der eingesetzten DSL- und VDSL-Technik ist es beim Kabel technisch nicht relevant, wie lang das KupferstĂŒck zwischen Kunde und Glasfaserleitung ist. Bis zu 160 Kilometer Reichweite sind theoretisch kein Problem. Langsam werden die Leitungen nur durch die Anzahl der Kunden.
Zeitenwende: Internet wird die Haupt-Aufgabe des Kabels
Die TV-Ăbertragung ist bei Kabelnetzen fast nur noch schmĂŒckendes Beiwerk. Die analogen Sender sind lĂ€ngst abgeschaltet. Damit haben die Netzbetreiber weitere KapazitĂ€t fĂŒr DatenĂŒbertragungen, also Kabel-Internet. Gleichzeitig wurde ein neuer Ăbertragungsstandard eingefĂŒhrt, der weitaus effizienter ist als der bislang verwendete DOCSIS-Standard. Auch wenn der Name DOCSIS 3.1 vermuten lĂ€sst, dass sich nicht viel getan hat, so hat sich tatsĂ€chlich doch eine ganze Menge geĂ€ndert. Kunden, die DOCSIS 3.1 nutzen wollen, brauchen daher auch ein neues Modem beziehungsweise einen neuen Router.
DOCSIS 3.1 vs. DOCSIS 3.0: Das Gigabit wird möglich
Nur mit der Abschaltung analoger KanĂ€le beim Kabel-TV hatte man noch keinen neuen Standard. Daher gibt es noch weitere Stellschrauben. Beispielsweise zusĂ€tzliche Frequenzen. Der DOCSIS-3.1-Standard sieht Frequenzen bis 1,7 GHz vor. In den meisten deutschen Kabelnetzen ist das aber erst einmal nicht möglich, weil die verwendete Technik diese Frequenzen nicht unterstĂŒtzt. Zudem gibt es einige Ungewissheiten fĂŒr die Anbieter, die ihre Netze nicht selbst gebaut, sondern von der Telekom beziehungsweise dem VorgĂ€nger, der Deutschen Bundespost, ĂŒbernommen haben. Nicht jeder Baustein im Netz ist bekannt. Daher haben sich die Kabelanbieter vorerst auf Frequenzen bis 1218 MHz beschrĂ€nkt. Bis dato kamen Frequenzen bis 862 MHz zum Einsatz.
DOCSIS 3.1 nutzt auĂerdem mit OFDM (Orthogonal Frequency-Division Multiplexing) ein Multi-Carrier-Modulationsverfahren. So ist es dem Netzbetreiber möglich, besser auf die Begebenheiten eines Clusters oder sogar jedes einzelne Modem einzugehen. Mittels UntertrĂ€ger-UnterdrĂŒckung können Einstrahlungsfehler beseitigt werden. Mit anderen Verfahren wird die Leitung immun gegen Interferenzen und auch ein leistungsfĂ€higerer Fehlerschutz verbessert die StabilitĂ€t. AuĂerdem kommen weitere DOCSIS-Spezifikationen wie eine deutlich stĂ€rkere Modulation der einzelnen TrĂ€ger zum Einsatz, die die Datenrate pro Kanal massiv erhöhen. Mit der Modulation 4KQAM sind pro Kanal 84 MBit/s möglich. Denkbar ist aber auch, dass die Kabelnetzbetreiber die Modulation noch weiter erhöhen. Bis zu 16KQAM sind im GesprĂ€ch, was die Performance noch weiter erhöhen wĂŒrde.
Wo gibt es Gigabit-Internet?
Die Netzbetreiber bringen mit DOCSIS 3.1 im ersten Schritt AnschlĂŒsse mit 1 GBit/s in die Haushalte. SpĂ€ter sollen â unter anderem durch die weiter optimierte Modulation â sogar 10 GBit/s möglich sein. Das wĂ€re dann DOCSIS 4.0. Mit einer deutschlandweiten Verbreitung von DOCSIS 4.0 wird aber nicht mehr gerechnet.
Unitymedia â inzwischen von Vodafone ĂŒbernommen â war der erste Anbieter mit diesem DOCSIS-3.1-Standard, Vodafone selbst hat kurz danach nachgezogen. Damals gehörte nur das ehemalige Kabel-Deutschland-Gebiet zu Vodafone. Inzwischen sind die beiden Unternehmen zu einem Anbieter fusioniert. Vodafone könnte nach eigenen Angaben mehr als 24 Millionen Haushalte mit 1 GBit/s versorgen.
