Festgeld statt Tagesgeld: Jetzt höhere Zinsen abstauben

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Wie sichere ich mir für meine Ersparnisse die höchste Rendite? In Zeiten niedriger Zinsen waren Aktien und ETFs sehr stark gefragt. Doch jetzt gewinnen Tagesgeld und Festgeld wieder stärker an Bedeutung. Besonders Festgeldkonten werden immer attraktiver.
Sparschwein steht auf und zwischen gestapelten Euro-Münzen.
Festgeld wird immer attraktiver.Bildquelle: Romolo Tavani / ShutterStock.com

Die hohe Inflation im Euro-Raum hat dazu geführt, dass die Europäische Zentralbank ihren Zinskurs drastisch verändert hat. In mehreren Schritten wurde der europäische Leitzins bereits auf 3,0 Prozent angehoben und eine weitere Zinserhöhung im kommenden Jahr ist alles andere als ausgeschlossen. Was für Kreditnehmer schlechte Nachrichten sind, sind für Sparer umso bessere. Denn sie dürfen sich nicht nur über steigende Kosten beim Tagesgeld freuen, sondern auch beim Festgeld.

Festgeld: Was ist das eigentlich?

Anders als beim Tagesgeld, das dir bei einer Einzahlung auf ein entsprechendes Tagesgeldkonto jederzeit zur freien Verfügung steht, ist Festgeld für einen bestimmten Zeitraum auf einem Festgeldkonto angelegt. Es ist dann für bis zu zehn Jahre nicht mehr verfügbar. Für diese finanzielle Einschränkung erhältst du auf einem Festgeldkonto aber auch eine deutlich höhere Verzinsung als auf einem Tagesgeldkonto. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Während du beim Tagesgeld derzeit eine Verzinsung von bis zu 2,30 Prozent p.a. erhältst, sind es beim Festgeld bei einer Direktanlage bis zu 3,5 Prozent p.a. – abhängig vom von dir gewählten Anlagezeitraum.

Sowohl Tagesgeld- als auch Festgeldkonten gelten als eine der momentan sichersten Anlageformen für persönliche Ersparnisse. Die Verzinsung gleicht den Geldwertverlust durch die momentan sehr hohe Inflation zwar lange nicht aus, sie dämpft sie aber ab. Und bis zu einem Betrag von 100.000 Euro pro Konto sind deine Einlagen über die Einlagensicherungsfonds der jeweiligen EU-Länder, in denen die von dir gewählte Bank heimisch ist, geschützt. Tipp: Solltest du mehr als 100.000 Euro auf der hohen Kante liegen haben, teile dein Geld auf Konten bei verschiedenen Banken auf.

Wie hoch sind die Zinsen beim Festgeld?

Klar ist: Der Zinssatz auf Festgeldkonten fällt in aller Regel höher aus, als bei Tagesgeldangeboten. Wie hoch der Zinssatz am Ende tatsächlich ist, hängt aber nicht nur von der von dir favorisierten Bank ab, sondern auch von der gewählten Laufzeit. Je länger du dein Geld bei einer Bank anlegst, desto höher ist in der Regel die Verzinsung. In jedem Fall solltest du nicht das erstbeste Angebot nutzen, sondern verschiedene Festgeld-Angebote miteinander vergleichen.

Aktuell liegt der Zinssatz bei einem Jahr Laufzeit in der Spitze bei 2,90 Prozent p.a. (Crédit Agricole Festgeld / Frankreich). Bei zwei Jahren Laufzeit kannst du dich schon über eine Verzinsung von bis zu 3,30 Prozent p.a. freuen (ebenfalls Crédit Agricole Festgeld / Frankreich). Eine längere Anlageform ist derzeit nicht empfehlenswert. Denn die Zinsen für Festgeld-Angebote steigen aktuell bei vielen Banken weiter und du solltest dir die Flexibilität wahren, zeitnah zu einem besseren Angebot wechseln zu können.

Legst du also beispielsweise 10.000 Euro für ein Jahr bei Klarna an, bekommst du dafür in Summe eine Zinsgutschrift in Höhe von 281 Euro. Eine Anlage des gleichen Betrags über einen Zeitraum von zehn Jahren bei der pbb direkt Bank beschert dir unter Berücksichtigung der jährlichen Zinsgutschrift einen Zinsertrag von bis zu knapp 4.106 Euro.

Kniffe bei der Versteuerung von Zinsen

Achtung: Wenn du dich für ein Festgeldkonto bei einer ausländischen Bank entscheidest, solltest du in jedem Fall beachten, dass es zu Kniffen bei der Versteuerung kommen kann. Verfügt die von dir gewählte Bank nämlich nicht über einen deutschen Sitz, ist es häufig so, dass deine Kapitalerträge in Form von Zinsen nicht direkt versteuert werden.

Die sogenannte Abgeltungssteuer – oder teilweise auch die Quellensteuer für ausländische Zinserträge – wird dann nicht von der Bank an den deutschen Staat abgeführt. Stattdessen musst du deine Kapitalerträge selbst bei der nächsten Steuererklärung angeben und nachträglich versteuern. Das ist unter Umständen mit deutlich mehr Aufwand verbunden.

Hinzu kommt: Auch einen Freistellungsauftrag kannst du bei derartigen Banken in aller Regel nicht hinterlegen, was deine Steuererklärung unter Umständen nochmals komplizierter macht. Es kann sich deswegen von Fall zu Fall lohnen, einen niedrigeren Zinssatz bei einer Bank mit Sitz in Deutschland zu nutzen.

Fazit: Festgeld lohnt sich wieder – mit Einschränkungen

Wer Ersparnisse auf der hohen Kante liegen hat und sicher gehen kann, den gewählten Anlagebetrag in den kommenden Jahren nicht zu benötigen, kann über die Eröffnung eines Festgeldkontos nachdenken. Denn beim Festgeld winken deutlich höhere Zinsen als beim Tagesgeld.

Du solltest aber auch bedenken, dass die Zinsrallye aktuell in vollem Gange ist. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht verschiedene Banken die Konditionen für Festgeldkonten nach oben schrauben. Empfehlenswert ist es deswegen, sich derzeit eher für eine kürzere Laufzeit zu entscheiden, um später von noch besseren Konditionen profitieren zu können.

Teil der Wahrheit ist aber auch, dass mit ETFs und Aktien in einem Wertpapierdepot potenziell noch deutlich höhere Renditen zu erzielen sind. Während du beim Festgeld aber eine garantierte Verzinsung erhältst, ist die Rendite bei Wertpapieren volatil.

Das heißt: Mit Glück fällt deine Rendite in einem Wertpapierdepot deutlich höher aus. Bei unvorhersehbaren Krisen und Konflikten wie dem Ausbruch einer Pandemie oder eines Krieges kann sich der Anlagebetrag bei Wertpapieren aber auch schnell ins Negative entwickeln. Deswegen ist ein Wertpapierdepot Chance und Risiko zugleich.

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