Wegen Corona: So dürfen Telekom, Vodafone, O2 & Co. jetzt dein Internet drosseln

3 Minuten
Die Last im Internet steigt mit jedem Tag der Corona-Krise. Jetzt hat sich die deutsche Aufsichtsbehörde, die Bundesnetzagentur, zu Wort gemeldet. Der Grundtenor: Die Netze sind aktuell sicher und stabil. Dennoch gibt sie den Netzbetreibern ungewöhnliche Freiheiten.
Netzwerkkabel auf einer Tastatur
Bildquelle: Pixabay

„Die Netze sind derzeit stabil und gravierende Beeinträchtigungen werden aktuell nicht erwartet. Die Anbieter sind auf eine Zunahme des Datenverkehrs gut vorbereitet“, sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Die Netzbetreiber stehen der Herausforderung gegenüber, durch ungewöhnlich viel Homeoffice in Deutschland deutlich mehr Telefonate als üblicherweise abwickeln zu müssen – sowohl im Festnetz als auch per Handy. In den Abendstunden kommt dann eher überdurchschnittliches Videostreaming hinzu – zuletzt befeuert durch das neue Disney+. Auch Online-Gaming und große Downloads kommen deutlich häufiger vor.

Die Bundesnetzagentur steht in regelmäßigem Austausch mit der Telekommunikationsbranche. Die Unternehmen berichten der Bundesnetzagentur täglich über die Situation in den Netzen. Zur Bewältigung unerwarteter Überlastungen in den Netzen hat die Bundesnetzagentur jetzt einen Leitfaden mit Lösungen und Maßnahmen für ein zulässiges Verkehrsmanagement veröffentlicht.

Video-Dienste drosseln von sich aus

Sollte es wider Erwarten bei Anhalten der Corona-Krise zu einer Überlastsituation kommen, können die Netzbetreiber „im Einklang mit der Netzneutralitätsverordnung angemessene Maßnahmen“ ergreifen, heißt es. Das soll die Überlastung mindern. Das kann zum Beispiel die Reduzierung der Qualität einzelner Dienste beinhalten. Es gibt dazu jetzt einen Leitfaden mit Lösungen und Maßnahmen für ein zulässiges Verkehrsmanagement. Denn nicht alles, was möglich wäre, ist auch erlaubt.

In einem Punkt sind zahlreiche Anbieter von Inhalten schon vorgeprescht: Sie haben europaweit oder gar weltweit die Datenraten ihrer Dienste reduziert. Netflix, Youtube, Amazon und Facebook aber auch Disney+ haben auf Bitten der EU-Kommission ihre Streams angepasst. Im Schnitt geht es um Einsparungen von 25 Prozent. Das betrifft alle Nutzer aller Netzbetreiber.

Das dürfen die Internet-Anbieter – und das nicht

Aber auch die Netzbetreiber dürfen in ihren Netzen – also nur für ihre Kunden – Maßnahmen ergreifen, sollte es eng werden. So dürfen sie Telefondienste gegenüber anderen Diensten priorisieren. Auch andere hochperformante Dienste dürfen bevorzugt werden, heißt es – ohne diese näher zu definieren.

Wird es eng in einem Netz, dürfen die Netzbetreiber auch ganz offiziell einzelne Daten-Übertragungsarten drosseln. So könnte zum Beispiel das Videostreaming ganz allgemein eingeschränkt werden. Die Netzbetreiber dürfen hier keine bestimmten Anbieter drosseln, sondern nur die Übertragungsart an sich. Videokonferenzen wären eine andere Übertragungsart und würden nicht gedrosselt.

Netzbetreiber dürfen deine Datenrate drosseln

Denkbar auch, dass beispielsweise Downloads von Spielen, die einen hohen Peak verursachen, eingeschränkt werden. Denn Maßnahmen, die sich auf die Internetzugangsdienste als Ganzes auswirken, sind erlaubt. Als Beispiele nennt die Behörde die Begrenzung der maximalen Datenübertragungsrate oder von sonstigen Qualitätsparametern. Denkbar ist auch ein Aussetzen von Zero Rating wie bei Stream On oder eine Begrenzung von Datenvolumen.

Abschließend weist die Bundesnetzagentur noch darauf hin, das insbesondere Probleme, die beim Home-Office auftreten, nicht zwangsläufig auf die Netze zurückzuführen sind. So seien nicht in allen Unternehmen die Kapazitäten für ein Arbeiten im Home Office bereits so dimensioniert, dass sie für ein gesamtes Unternehmen ausreichen. Der Flaschenhals liegt hier dann beim Übergang vom Internet ins Firmennetz. Es könne zudem sein, dass einzelne Internetzugänge nicht über ausreichende Up- oder Downloadgeschwindigkeiten verfügen.

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17 KOMMENTARE

  1. Als nächstes wird dann der Strom, das Wasser und Gas/Fernwärme gedrosselt oder was? Diese Leitlinien klingen viel zu willkürlich und uneinheitlich… Jeder darf sein eigenes Süppchen kochen und durch 2 Jahre lange Vertragslaufzeiten kann man dieser Willkür nichtmal entkommen.

  2. Die Provider halten sich doch in den seltesten Fällen an das, was sie anbieten und verkaufen, und was der Nutzer bezahlt…Das ganze ist also eine gute Gelegenheit, Betrug zu legalisieren !!!

  3. Noch vor einer Woche wurde man angefeindet, wenn man sich gegen Drosselungen der einzelnen Anbieter aussprach – spätestens jetzt dürfte es auch dem letzten Zweifler klar werden, was ggf. alsbald Realität wird.

    Wenn die vertraglich zugesicherten Datenraten (minimal, durchschnittlich und maximal) nunmehr mit denselben fadenscheinigen Argumenten ausgehebelt werden, ohne gleichzeitig ein Sonderkündigungsrecht einzuräumen, hat das rein gar nichts mit rechtsstaatlichen Prinzipien mehr gemein – sondern legalisierter Betrug am Bürger, und Kunden.

    Keiner hat sicher etwas dagegen, eine zeitlang die minimal zugesicherten Datenraten hinzunehmen, aber weshalb sollte man es akzeptieren, einen Gigabit-Anschluss zahlen zu müssen, dafür vielleicht nur 100, 50 oder 25 Mbit/s – auf unbestimmte Zeit – nutzen zu können?!

    Oder wird jetzt jeder priorisiert, der behauptet, plötzlich einer der 30 Mio. Home-Office-Nutzer zu sein (*Ironie off*)?!

    Wenn kein schlüssiges Argument mehr herangezogen werden kann, folgt sicher die vorgeschobene Solidaritätsdebatte … einfach nur noch lächerlich.

  4. Es geht nicht um eine Überlastung des Internets. Es geht um unverantwortlicher DSL- und Kabel-Anbieter, die ihre Netze kaputtgespart bzw. gar nicht erst ausgebaut haben, weil sie gemerkt haben, dass man Kundenbindung auch erreicht, wenn das Angebot scheiße ist aber der Kunde keinen anderen Anbieter mit besserem Angebot findet.
    Also greift die unsichtbare Hand des Marktes ein und sorgt dafür, dass unsere Infrastuktur baufällig ist.

    Ganz toll.

    Wie wäre es, wenn wir mit dem Herumlügen aufhören, dass das Internet überlastet sei. Nicht das Internet ist überlastet. Unsere DSL-Anbieter haben unzureichende Netzkapazitäten. Weil es profitabler ist, neue Kunden mit unerreichbaren Zahlen zu ködern, als alten Kunden die versprochene Leistung zu liefern.

  5. Na super es geht schon jetzt bei mir fast nichts mehr ich streame nicht möchte nur telefonisch erreichbar sein oder auch selbst telefonieren können mich über neueste Nachrichten informieren was mir bei einer weiteren Drosselung insbesondere von Vodafone und O2 dann gar nicht mehr möglich ist denken die auch Mal über die Menschen nach welche durch den immer noch sehr schlechten Netzausbau hier total im Abseits stehen??? Ich gehöre zur Risiko Gruppe und mir wir hier das Leben noch schwerer gemacht!

  6. Ich glaube die wollen einen verarschen! Ich dachte wir sind ein fortschrittliches Land? Wo noch nicht Mal die doppelte Anzahl an Nutzern online gehen kann wie gewohnt. So lange kein Zwang und Druck von der Politik kommt so lange werden nur Ballungsgebiete ausgebaut und da ist jetzt das Problem. Wollen wir Mal hoffen das der Kapitalismus jetzt kaputt geht wo jeder nur eine Zahl ist

  7. Dann drossele ich auch mal meine Zahlungen, obwohl die eigentlich von selbst darauf kommen müssten, dass sie nicht für Leistungen kassieren können, die sie nicht liefern können.

  8. Wird meine Leitung gedrosselt bezahle ich bei der Telekom keine 44,95 Tacken mehr. Es kommt jetzt schon nicht an was ich bezahle und dann noch das jetzt

  9. Wenn ich hier die Kommentare lese, kann ich nur Kopfschütteln. Es geht nicht um die Drisselung der Leitung, sondern einzelner Dienste, damit andere Dienste mehr Kapazität haben. Eure vertraglich vereinbarten Geschwindigkeiten bleiben GLEICH! Nur anstatt von bspw. euren 100 Mbit 40 % für Videostreaming freizuhalten und nur 10% fürs Telefon, gehen dann z. B. 40% ins Telefon und 10% ins straming. Filme zu laden dauert dann länger, aber eure Telefonleitung läuft besser & stabiler. Eure 10% bleiben 100%! Warum sollte man deshalb bitte ein Sonderkündigungsrecht haben?!?

    „Hilfe mein Telefon funktioniert besser, ich kann arbeiten, ich will sofort aus meinem Vertrag raus!“

    *facepalm*

    Es gibt weiß Gott genug Leute die derzeit nicht arbeiten können und um ihren Job bangen. Die sind froh von Zuhause arbeiten zu können. Alle können das nicht! Und ihr regt euch auf nur weil ihr beim Filmegucken 2 Minuten länger braucht um den kompletten Film runterzuladen!?! Ihr kotzt mich echt an!!!

    Und mal so am Rande: Ob ein Film von 90 Minuten nur 2 oder 4 Minuten braucht bis ihr ihn komplett geladen habt beeinträchtigt euch 0! Laden kann man auch nebenher beim gucken!! Bis er komplett unten ist ist so oder so kaum der Vorspann vorbei also regt euch mal ab! Falls es bei euch nicht so ist habt ihr entweder so oder so eine zu lame Leitung gebucht, oder den mist zu 50% selbst verbockt. Guckt vielleicht mal, ob ihr euch eure 32 Mbit Leitung nicht mit 4 anderen Personen um Haushalt teilt. Das macht dann nämlich umgerechnet nur etwas über 6 Mbit für den einzelnen. Und ein Teeny im Haushalt das fleißig online-spiele spielt beansprucht meist davon allein schon 25 für sich allein. Dass da euer Seitenaufbau lam ist wundert dann gar nicht. Und genau dagegen soll das euch ja helfen. Eure Leitung wird also sogar besser!!! Mit der Änderung kotzt zwR dann der Zocker-Teeny aber die anderen im Haus können vernünftig surfen!!

    Aber bitte macht ihr nur: Regt euch auf, schickt eure Kündigungen, euch ist eh nicht mehr zu helfen!!!: Von der Materie keine Ahnung, aber sich aufregen und anderen die Schuld zuschieben… Vielleicht fangt ihr mal an richtig zu lesen: Die Änderung ist geht nämlich 1. nicht von euren so Verhassten Anbietern wie Vodafone, O2 und Co aus, sondern von den Behörden, und 2. Ist das nur vorübergehend während der Krise. Also knippst mal euer bisschen Hirn an und regt euch ab!!!

  10. Die Bundesnetzagentur bekommt den Hals nicht voll.die Netz betreiber können viel mehr unternehmen bloß untersagt die Bundesnetzagentur vieles. Warum drosselt man nicht alle Karten bis 1mbit denn 32mbit/sec ist praktisch null und nicht nutzbar. In Österreich bekommt man für 20 Euro unlimited und hier in Deutschland 5 oder 10 GB. Schaut mal bei hot.at das ist Alditalk Österreich und vergleicht mal Alditalk Deutschland dann wisst ihr was ich meine

  11. Das wäre eine Unverschämtheit!!!!
    Wir die Kunden zahlen für eine bestimmte Geschwindigkeit, wenn diese gedrosselt werden würde, dann drosseln wir natürlich auch den monatlichen Betrag. Man hat einen Vertrag abgeschlossen der von beiden Seiten erfüllt werden muss. Kann ja wohl nicht sein dass wir für Dinge zahlen müssen die wir nicht erhalten.

  12. Jetzt rächt sich das Schrottnetz in DE. Habe Glück in DE auf einer Empfangsinsel mit 150 Mbit zu leben. Komme ich aus Göteborg verwandelt sich das Netz auf Zeitlupe.

  13. Naja ich schließe mich meinen Vorrednern an, nicht das Internet selbst sondern der Netzausbau ist das Problem. Man hätte viel früher ausbauen sollen. Naja immerhin treibt die aktuelle Lage dann vielleicht doch endlich mal die Digitalisierung in Deutschland voran. Außerdem zu den Drosselung. Wenn ihr die Leute schon zu hause bleiben lasst, dann brauchen wir Internet um uns zu beschäftigen also lasst uns Netflix, Sky und Prime und das Zocken.

  14. Ich glaube diese Nachricht ist einfach nur fake. Ehrlich gesagt ist mir ca bei der Hälfte die Lust am Lesen vergangen.

    Punkt 1. Jemand der eine 20000er Leitung hat und Homeoffice betreibt kann logischer Weise nicht beweisen das er Homeoffice macht und hat lediglich eine 20000er leitung.

    Punkt2. Jemand der eine schnellere Leitung hat muss und wird auch schneller bedient.

    Da sind halt Eltern die die Internetleitung nicht als Priorität hatten, der Computer ist auch schon etwas älter, die Kinder gucken Netflix, prime, und hub. Denn müssen die halt am Zimmer der Kinder klopfen oder aufrüsten.

    Ich merkte nix von einer Drosselung und das liegt daran das die Seite hier mit Daten und Affiliate ihr Geld verdient.

    …ich habe gesprochen

  15. Es würde ja schon genügen sämtlichen 4K Kontent für diese Zeit zu eliminieren. 1080p genügt doch zu 99%. Hinterher kann man resümieren. Aktuell läufts doch… Sitzt doch eh immer nur einer vor einem Endgerät. Ist ja nicht wie in USA, wo in jedem Zimmer ein 4K TV mit einem anderen Streamingdienst laufen muss, weil die ja im ABO bezahlt sind und darum müssen wir die voll nutzen.

  16. Das ist ja alles wunderschön.Seit wievielen Jahren redet die Regierung schon vom netzausbau???? Und…. Nix. Ist schon traurig. Nicht geschäft, die letzten Jahre….. Aber immer bla bla bla

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