Grund für diese Maßnahme ist ein Vorfall vor wenigen Wochen. Bei einer Maschine der A320-Reihe kam es Ende Oktober bei einem Flug der US‑Gesellschaft JetBlue Airways zu einem dramatischen Vorfall: Während des Fluges kippte das Flugzeug unvermittelt in einen steilen Sinkflug – ohne Steuerbefehl der Piloten. Über 15 Passagiere wurden verletzt, und die Maschine musste in Florida notlanden.
Airbus-Jets haben ein Steuerproblem
Die Ursachenforschung ergab: Der Fehler liegt in der Software des Steuerungssystems – genauer gesagt im Computer „ELAC‑B“ (Elevator & Aileron Computer), der für die Höhenrudersteuerung zuständig ist. Unter bestimmten extremen Bedingungen, so warnt Airbus, könnte es zur Verfälschung von Daten kommen – offenbar durch starke, kosmische Strahlung. In Kombination mit der Softwareversion L104 bestehe ein Risiko, dass das Höhenruder unkontrolliert angesteuert werde. Ein Zustand, der im “Worst Case” die strukturelle Belastbarkeit des Flugzeugs überschreiten könnte.
Als Sofortmaßnahme hat Airbus gemeinsam mit der europäischen Luftfahrtbehörde European Union Aviation Safety Agency (EASA) eine dringliche Anweisung herausgegeben. Alle betroffenen A320-Flugzeuge, dazu gehören auch die Modelle A319 und A321, müssen vor dem nächsten Start eine Überprüfung durchlaufen. Die Software im ELAC‑B ist in diesem Zusammenhang auf eine als sicher geltende ältere Version (L103+) zurückzusetzen.
Welche Folgen hat das?
Die Dimension des Problems ist enorm: Es trifft schätzungsweise mehr als die Hälfte der weltweit eingesetzten A320‑Flotte. Für viele Airlines heißt das: Maschinen bleiben am Boden, Flüge werden verschoben oder abgesagt – zumindest kurzfristig. Einige Fluggesellschaften, darunter Lufthansa und Swiss, warnen ausdrücklich, dass es noch das gesamte Wochenende zu vereinzelten Verspätungen und Ausfällen kommen kann.
Andere Stimmen dagegen versuchen zu beruhigen: Bei vielen betroffenen Maschinen reiche der Downgrade der Software – und dieser könne schnell umgesetzt werden. Die meisten Airlines haben dem Vernehmen nach bereits begonnen, das Update aufzuspielen.
Airbus betont unterdessen, dass die Sicherheit der Passagiere oberste Priorität habe. „Wir entschuldigen uns für die entstandenen Unannehmlichkeiten und werden eng mit den Fluggesellschaften zusammenarbeiten“, heißt es von dem Hersteller. Man sei sich bewusst, dass die eigenen Empfehlungen an die Airlines zu betrieblichen Beeinträchtigungen für Passagiere und Kunden führen werden.
