Doch genau das soll sich bald ändern. Das erste Bundesland hat beschlossen, einen neuen Typ von Einkaufsmöglichkeit rechtlich zu ermöglichen: den sogenannten Smart Store. Das sind kleine, vollautomatisierte Mini-Supermärkte, die komplett ohne Personal auskommen und rund um die Uhr geöffnet sein sollen.
Was ist ein Smart Store?
Damit das funktioniert, muss allerdings erst ein Gesetz geändert werden. Und genau dieser Prozess ist gerade in vollem Gange. Wie aber soll ein solcher „Smart Store“ aussehen? Im Grunde ist es ein kleiner Supermarkt ohne Kassierer, ohne Verkäufer, ohne irgendein Personal. Man betritt den Laden, nimmt sich, was man braucht, und bezahlt an einer SB-Kasse oder per App. Die Technik im Hintergrund erkennt automatisch, welche Waren aus den Regalen genommen werden. Das klingt nach Science-Fiction, ist in Brandenburg aber bereits Realität. Unter dem Namen „Tante Enso“ gibt es solche Läden zum Beispiel schon in Freyenstein und in Wustrau bei Fehrbellin.
Das Problem bisher: Das geltende Ladenöffnungsgesetz in Brandenburg erlaubt Läden, von Montag bis Samstag rund um die Uhr zu öffnen, an Sonn- und Feiertagen jedoch nur in Ausnahmefällen an sechs Tagen im Jahr. Für einen vollautomatisierten Laden, der gar kein Personal hat und theoretisch niemandem Sonntagsarbeit zumuten würde, macht das eigentlich wenig Sinn. Genau deshalb hat das Kabinett jetzt einen Gesetzentwurf zur Änderung des Ladenöffnungsgesetzes beschlossen, der Smart Stores erlaubt, an sieben Tagen pro Woche bis zu 24 Stunden zu öffnen. Der Landtag muss dem noch zustimmen, mindestens zwei Lesungen und eine Ausschussrunde stehen noch an.
Was die neue Regelung bedeutet
Wer jetzt denkt, in Brandenburg entstehen bald riesige personallose Einkaufszentren, der irrt. Die geplante Gesetzesänderung sieht klare Grenzen vor. Smart Stores dürfen maximal 250 Quadratmeter groß sein. Das ist etwa so groß wie eine mittelgroße Wohnung, also wirklich kein Großmarkt. Außerdem sollen die Kommunen vor Ort ein Mitspracherecht bekommen. Die zuständigen Ordnungsbehörden können entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen ein Smart Store in ihrer Gemeinde überhaupt während der Ladenschlusszeiten öffnen darf. So soll verhindert werden, dass die neue Regelung irgendwo missbraucht wird oder den klassischen Einzelhandel aushöhlt.
Der Grundgedanke dahinter ist die Nahversorgung. Auf dem Land sterben klassische Supermärkte seit Jahren langsam aus, weil sie sich finanziell schlicht nicht lohnen. Zu wenig Einwohner, zu weite Wege, zu hohe Personalkosten. Ein vollautomatisierter Smart Store braucht kein Personal und kann deshalb auch dort wirtschaftlich betrieben werden, wo ein normaler Supermarkt scheitern würde. Sozialminister René Wilke von der SPD hat das klar auf den Punkt gebracht: Wo klassische Supermarktangebote unter Druck geraten, sollen vollautomatisierte Verkaufsstellen einspringen und für gleichwertige Lebensverhältnisse in Brandenburg sorgen. CDU-Wirtschaftspolitiker Frank Bommert nannte das Ganze einen ersten Schritt in die richtige Richtung, machte aber auch deutlich, dass man beim Thema Ladenschluss langfristig noch weiter gehen möchte.
