Tödliches Geschäft: Diese 5 alltäglichen Branchen verursachen 31 Prozent aller Todesfälle

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Oft suchen wir die Ursache für körperliche Beschwerden bei unseren eigenen täglichen Entscheidungen. Zu wenig Bewegung, ungünstige Ernährung oder mangelnder Schlaf gelten als klassische Auslöser. Ein neuer Forschungsansatz lenkt den Blick nun jedoch auf völlig andere, systemische Faktoren.
Einkaufswagen mit einer Vielzahl an Lebensmitteln darin
Tödliches Geschäft - Diese 5 alltäglichen Branchen verursachen 31 Prozent aller TodesfälleBildquelle: monticellllo/Adobe Stock

Die Debatte um Ursachen für Zivilisationskrankheiten bekommt eine neue Richtung. Statt nur über Bewegung, Ernährung oder Schlaf zu sprechen, rückt eine aktuelle Übersichtsstudie, die in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine erschien, die Rolle großer Unternehmen in den Fokus. Forscher der University of Sydney fordern darin ein komplettes Umdenken. Anstatt die Schuld bei sogenannten Lifestyle Factors zu suchen, identifiziert das Team große Konzerne in fünf Branchen als primäre Vektoren für den globalen Anstieg nicht übertragbarer Krankheiten wie Typ 2 Diabetes oder Krebs. Laut den Autoren geht es nicht allein um problematische Produkte, sondern vor allem um die Strategien, mit denen ihre Folgen verharmlost werden.

Wie Konzerne Risiken kleinhalten

Um diese These zu untermauern, wertete das Forschungsteam umfangreiche epidemiologische Daten sowie interne Industriedokumente aus. Das Resultat ist eindeutig. Konzerne aus spezifischen Sektoren stellen schädliche Produkte nicht nur her, sondern nutzen ausgeklügelte Methoden, um Regulierungen systematisch zu umgehen. Dazu zählen die gezielte Manipulation von Studien, die Verharmlosung von Risiken und das aktive Blockieren von gesetzlichen Vorgaben. Die aktuelle Studie belegt, dass diese Taktik bis heute branchenübergreifend Anwendung findet und maßgeblich zur globalen Krankheitslast beiträgt.

Diese fünf Branchen stehen im Mittelpunkt

Die Publikation benennt fünf spezifische Industriezweige, die laut der Datenbasis für 31 Prozent aller weltweiten jährlichen Todesfälle mitverantwortlich sind. Neben der Herstellung von Tabak und Alkohol stehen die Produzenten von fossilen Brennstoffen sowie die Hersteller hochverarbeiteter Lebensmittel im Zentrum der Kritik. Ergänzt wird diese Liste durch Unternehmen aus dem Bereich der Chemie, speziell in der Landwirtschaft und der industriellen Nahrungsmittelproduktion. Diese fünf großen Industriezweigen werden laut Studie als Hauptverantwortliche für beinahe ein Drittel aller weltweiten Todesfälle gelistet:

  1. Fossile Brennstoffe
  2. Tabak
  3. Hochverarbeitete Lebensmittel
  4. Chemie (speziell in der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion)
  5. Alkohol

Die Praktiken dieser Branchen ähneln sich frappierend. Die Forschenden fordern daher, die Marketingstrategien und Lobbyarbeiten dieser Sektoren künftig als eigenständige Risikofaktoren in der medizinischen Forschung zu klassifizieren. Hierfür prägen sie den neuen Begriff der „Corporate Health Impact Research“. Diese Disziplin soll die gesundheitlichen Auswirkungen und damit das Gesundheitsrisiko Industrie methodisch erfassen und quantifizieren.

Tipp der Redaktion: Willst du genauer wissen, wie die Konzerne uns manipulieren? In seinem Bestseller „Die Ernährungslüge“ deckt Hans-Ulrich Grimm detailliert auf, mit welchen Tricks die Industrie unsere Gesundheit aufs Spiel setzt. Wer hingegen eine neuere Lektüre zu dem Thema bevorzugt, wird mit „Die Ernährungslügen“ von Fabian Kowallik fündig. Beide kannst du im Übrigen auch gebraucht bei medimops finden.

Im Alltag bemerken wir die Auswirkungen häufig nicht

Wie heftig die Unterschiede zwischen verarbeiteten Lebensmitteln aus der Industrie zu anderen Produkten sind, ist mir erst kürzlich an einem Beispiel zufällig ins Auge geschossen. Ich trinke meinen Kaffee bevorzugt mit Hafermilch, aber meine Lieblingssorte einer Eigenmarke ist meistens schon ausverkauft oder kämpft regelmäßiger mit Lieferschwierigkeiten. Darum bekam ich zum letzten Weihnachten einen Milchmaker geschenkt, mit dem ich mir den Hafer nun selbst in meine Milch verwandeln kann. Natürlich habe ich gleich viel damit herumexperimentiert, da es eine nette Möglichkeit ist, auch mal neue Variationen auszutesten.

Kaffee mit Hafermilch und Zuckerwürfel daneben die circa 52g Zucker entsprechen
Wie viel Zucker in einem Liter industrieller Hafermilch steckt ist erschreckend Image source: KI-generiert

Womit ich jedoch nicht gerechnet habe: Ich konnte die Milch nicht auf die gleiche Art „süß“ bekommen, wie sie in der Supermarktpackung schon ist, wenn ich sie in die Tasse fülle. Tja, die Antwort fand sich auf der Packung selbst. Während in den unbehandelten Haferflocken, die ich benutze nur 0,8 Gramm Zucker auf 100 Gramm enthalten sind, ist in der verarbeiteten Hafermilch stolze 5,2 Gramm Zucker auf 100 Gramm enthalten. Mehr als fünfmal so viel also, obwohl kein Zucker künstlich hinzugegeben wird. Wie geht das? Nun, in der Industrie wird der Hafer enzymatisch fermentiert (aufgespalten). Dabei wandelt sich die natürliche Stärke in reinen Zucker (Maltose) um. Auf einen Liter industriell verarbeiteter Hafermilch sind das durch diesen Lebensmittelindustrie-Trick also stolze 52 Gramm purer Zucker im Getränk. Und die gehen dir beim Trinken dann direkt ins Blut über, anstatt langsam im Magendarmtrakt aufgespalten zu werden.

Der Gewöhnungseffekt ist dabei besonders kritisch

Früher hab ich zu der Hafermilch aus dem Karton noch zwei Löffel Zucker hinzugetan. In der selbstgemachten wanderte diese zwei Löffel auch in die Tasse, aber das steht in keinem Verhältnis zum Industrieprodukt. Das bittere daran ist: Unsere Zuckerrezeptoren gewöhnen sich dank Zucker-Gewöhnungseffekt daran. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung in Köln in Zusammenarbeit mit der Yale University aus dem Jahr 2023 belegt genau diesen Mechanismus. Die Forscher konnten nachweisen, dass der regelmäßige Konsum von stark zuckerhaltigen, industriellen Lebensmitteln unser Gehirn buchstäblich umprogrammiert. Das Belohnungssystem gewöhnt sich an die extremen Zucker-Reize und verlangt zunehmend danach. Gleichzeitig sinkt messbar die Vorliebe für natürliche, weniger süße Lebensmittel: sie schmecken uns schlichtweg nicht mehr intensiv genug

Wenn ich jetzt die gleiche Milch wie davor in meine Tasse kippe, schmeckt sie für mich extrem süß, weil ich mich davon ungeplant entwöhnt habe. Da wandern keine zusätzlichen Zuckerlöffel mehr hinein. Die Menge auf die selbstgemachte Milch, habe ich deutlich weiter unten eingependelt im Verhältnis. So geht es uns vermutlich mit einer Menge Produkte aus dem Supermarkt an die wir uns gewöhnt haben. Der krasse Kontrast fällt einem so im Alltag kaum auf.

Der neue Blick auf öffentliche Gesundheit

Die Benennung dieser Treiber zieht unweigerlich Forderungen nach strengeren politischen Rahmenbedingungen nach sich. Die Autoren verweisen auf Erfolge bei der Eindämmung des Tabakkonsums durch hohe Steuern und Werbeverbote. Eine ergänzende Analyse stützt beispielsweise auch die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, Kinder effektiver vor Werbung für ungesunde Nahrungsmittel zu schützen. Dennoch lässt die Übersichtsarbeit eine wichtige Frage offen. Sie beziffert nicht präzise, wie groß der individuelle Eigenanteil an der Gesundheitsprävention letztlich bleibt. Die Grenze zwischen persönlichem Verhalten und systemischer Beeinflussung lässt sich kaum sauber ziehen. Genau darin liegt aber auch die Stärke der Arbeit: Sie verschiebt die Debatte weg von reiner Eigenverantwortung hin zu den Strukturen, die Gesundheit im Alltag tatsächlich mitbestimmen.

Wie entkommst du der Falle der hochverarbeiteten Lebensmittel? Ein erster Schritt ist der bewusste Verzicht auf Supermarkt-Fertigprodukte. Anbieter wie etepetete liefern dir unbehandeltes Bio-Gemüse direkt vom Feld nach Hause, während du bei KoRo naturbelassene Grundnahrungsmittel ohne versteckte Chemie-Zusätze findest. Von KoRo beziehe ich selbst einige meiner Milchzutaten und war mit der Qualität bisher immer zufrieden.

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