Rundfunkbeitrag: Die abwegigste Lösung ist gar nicht mal so abwegig

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ARD, ZDF und Co. sind derzeit bestrebt, den monatlichen Rundfunkbeitrag um 86 Cent zu steigern. Derweil hegen viele Bürger den Wunsch, sich gänzlich von dem Beitrag zu verabschieden. Doch sind das wirklich die beiden einzigen möglichen Lösungsansätze? Nein, es geht auch anders. Ein Kommentar.
Das Logo des ZDF ist an einem Haus befestigt, rechts ist ein Baum zu sehen
Bildquelle: Pixabay

Der Rundfunkbeitrag ist gerade in aller Munde. Zum ersten Mal seit etwa 11 Jahren soll der Beitrag wieder steigen. Die Rundfunkanstalten – also ARD, ZDF und das Deutschlandradio – wollen den zu zahlenden Betrag von monatlich 17,50 auf 18,36 Euro anheben. Doch das ist gar nicht mal so einfach. Erst vor Kurzem hatten Sachsen-Anhalt und dessen Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die Erhöhung blockiert. Und nun hat auch das Bundesverfassungsgericht einen Eilantrag zur Erhöhung des Rundfunkbeitrags abgelehnt. Eine Entscheidung, die laut ARD-Vorsitzendem Tom Buhrow Folgen nach sich zieht: „Wir müssen nun unsere Finanzplanungen anpassen. Ein Ausbleiben der Beitragsanpassung wird gravierende Maßnahmen erfordern, die man im Programm sehen und hören wird.“ Doch wäre eine Änderung im Programm wirklich etwas Schlechtes? Oder ist es vielleicht sogar genau der richtige Ansatz?

Der Rundfunkbeitrag hat sein Ziel verfehlt

In den sozialen Medien tun viele Nutzer ihren Unmut über den Rundfunkbeitrag schon seit Jahren kund. Einige verlangen sogar dessen Abschaffung. Im Grunde ist diese Reaktion auch nicht sonderlich überraschend, da der Beitrag an eine Wohnung geknüpft ist. Selbst Bürger, die nicht einmal wissen, wie das ZDF-Logo ausschaut, müssen monatlich 17,50 Euro zahlen (der daraus resultierende Gesamtertrag betrug 2019 8.068.117.965,12 Euro).

Doch eine komplette Abschaffung wäre so ziemlich die schlimmste mögliche Vorgehensweise. Denn der Rundfunkbeitrag gewährleistet nicht nur die Unabhängigkeit der Presse, sondern trägt auch zur (politischen) Bildung der Bürger bei. Doch leider sind das nicht die einzigen beiden Bereiche, in die das Geld aus dem Rundfunkbeitrag fließt. Ein kurzer Blick in das Programm von ZDF und schon entdeckt man Sendungen wie „Die Küchenschlacht“ und „Bares für Rares“ – nicht unbedingt die Musterbeispiele für unabhängigen Journalismus. Und auch Skispringen oder Konzerte lassen sich mit der Grundidee des Rundfunkbeitrags nur bedingt vereinbaren.

Verteilung des Rundfunkbeitrags (17,50 Euro):

  • ARD: 12,31 Euro
  • ZDF: 4,36 Euro
  • Deutschlandradio: 0,50 Euro
  • Landesmedienanstalten: 0,33 Euro

Abschaffung oder Preissteigerung? Es geht auch anders!

Eine YouGov-Untersuchung aus dem Jahr 2018 präsentierte ein eindeutiges Bild: 44 Prozent der Befragten empfanden den Beitrag als zu hoch. 30 Prozent sehen sich nicht als Zielgruppe für die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und 23 Prozent nutzen besagtes Angebot überhaupt nicht. Kein Wunder also, dass 76 Prozent der Befragten darüber abstimmen wollten, ob es den Rundfunkbeitrag in Deutschland weiterhin geben soll. Dabei ist – wie bereits angedeutet – nicht der Beitrag selbst das Problem, sondern die Inhalte der Rundfunkanstalten.

Der Infotainment-Ansatz hat in diesem Fall offensichtlich versagt, doch dafür ist die potenzielle Lösung grundsätzlich recht simpel: Wenn ZDF, ARD und Co. eine Reform durchführen und ihr Programm auf Nachrichten, Dokumentationen, politische Sendungen und Ähnliches beschränken, muss der Rundfunkbeitrag nicht mehr erhöht werden. Stattdessen dürfte er sich sogar spürbar reduzieren – und die Unabhängigkeit der Presse wäre dennoch gewährleistet.

Rundfunkbeitrag
Rundfunkbeitrag-Untersuchung

Selbstverständlich haben sämtliche andere Sendungen ebenfalls ihre Zuschauer und diese dürften über eine solch radikale Änderung alles andere als erfreut sein. Doch andererseits: Ist es wirklich gerecht, dass alle anderen Bundesbürger gezwungen sind, ihre Unterhaltung mitzufinanzieren? Zumal es ja nicht so ist, dass private Sender keine Alternativen parat hätten. Und deren Anzahl könnte sich deutlich steigern, falls die Rundfunkanstalten tatsächlich eine Reform durchführen und diesen Bereich künftig nicht mehr abdecken.

Zwischen den Zeilen kann man bereits rauslesen, dass der vorgeschlagene Ansatz zurzeit noch viel Angriffsfläche bietet und durchaus ausbaufähig ist. Beispielsweise könnte man sich darauf festlegen, nur einen Teil an nicht informativen Sendungen aus dem Programm zu streichen. Allerdings sollte man zumindest dessen Umsetzbarkeit und Sinnhaftigkeit prüfen, bevor man den Reduktionsansatz zu den Akten legt. Denn wie unter anderem die YouGov-Studie gezeigt hat, ist ein großer Teil der Bürger mit dem aktuellen Status quo unzufrieden. Und eine Steigerung des Rundfunkbeitrags wird daran sicherlich nichts ändern.

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24 KOMMENTARE

  1. Für mich ist der Zwangsbeitrag schon längst pervers. Hier wird der Bürger vergewaltigt. Das Programm ist mieß. Ich schau schon längst kein ZDF oder ARD mehr. Zahlen muss ich aber trotzdem. Am Programm kann viel gespart werden. Aber auch an den enormen Gehältern. ( Bühlov) . Diese sind viel zu hoch. Also, am Besten, abschaffen und nur Zahlen, was man sieht.

  2. Es ist ja in Schweden anders gemacht worden als in Deutschland. Jeder volljährige Schwede bezahlt als
    Beitrag 1% seines Einkommens als
    Beitrag. Würde man das bei uns
    machen, würden noch viel weniger
    Bürger ein Interesse daran haben

  3. Das Fernsehprogramm ist der größte Mist,wenn ich was ordentliches sehen möchte,muss ich Amazon Prime oder Netflix zusätzlich buchen. Dieser Zwangsbeitrag gehört abgeschafft.Wo ist die Demokratie,wenn wir nicht selber bestimmen können.

  4. Es ist schon ein Affront, Magazinsendungen wie Kultur, Wirtschaft etc. immer weiter nach uhrzeitmäßig nach hinten zu schiben, die unsäglichen blöden Quizshows in das Hauptprogramm zu nehmen etc. Um dann noch zu behaupten, der Zuschauer hätte es so gewollt. Auch die unsäglichen Talk- bzw. Quatschrunden sind mir zu viel und gehen auf die Nerven.

    Und kann mal jemand erklären, warum ich als freie Jpournalistin für die Pensionen der ARD-, ZDF und DLF-Angestellten, das hohe Honorar plus Auto plus Fahrer von Buhrow aufkommem muss? Ich bezale mein Dienstauto auch selbst, bei miesen Honoraren, lieber Herr Buhrow! Sie waren schon als US.-Korrespondent unsäglich schlecht und sind als Intendant nicht besser.

    MfG

    • Genau! Auf Sat1, RTL und Co. sind qualitativ hochwertige Sendungen zu sehen. Allein die US-Dauerserien, dann GZSZ usw. Das ist Qualitätsfernsehen!

      • Aber Tatort, Wetten dass?, Rote Rosen und das Musikantenstadl sind Qualitätsfernsehen?

        Wer es will kann sich seine Vorstellung von Qualitätsfernsehen heute in Form von Streamingdiensten dazukaufen, gemäß dem Prinzip der freien Marktwirtschaft, was auch im Journalismus sehr gut funktioniert.

        Bei den ÖR hingegen haben wir ein System mit geradezu patriarchalisch-fürsorglichen Charakter, dass sich einstmals einem höheren Ziel verschrieben hat aber gleichzeitig sich heutzutage selbst Gehälter bezahlt, die weit über denen der höchsten Würdenträger Deutschlands liegen. Das ist kein System das zu einem Staate der sozialen Marktwirtschaft passt sondern spiegelt eine Entkoppelung des Hilfsmittels von der Basis wieder, dessen Existenz zum Selbstzweck verkommen ist und dessen gesamtes Schaffen sich nur noch um Erhalt und Finanzierung dessen dreht und eben nicht, um Qualität abzuliefern oder seinen Auftrag zu erfüllen und auch nur den.

        Dabei gibt man sich bewusst Zeitgeist- und Technologieverweigernd. Statt On-Demand Kanäle einzuführen, wo jeder Bürger das buchen kann was er auch wirklich in Anspruch nehmen möchte wurde die Finanzierung bequemerweise zur Steuer erhoben während den ÖR immer wieder mangelnde Distanz zur Politik angekreidet und nachgewiesen wird, was den einstigen Auftrag der unabhängigen, kritischen Medien völlig ad absurdum führt. Zeitgemäß sieht anders aus.

  5. Ich sehe es so: Die unsägliche Ignoranz unser heutigen Politiker ist es zu verdanken, dass wir diese Zustände haben. Wo ist eigentlich da die Demokratie geblieben? Die wurde wohl in dem Fall, so um 2009 – 2013 in aller Stille beerdigt!? Ein Schelm wer böses dabei denkt!? Es sollte doch wohl zumindest selbstverständlich sein, dass man es bei Menschen die an der 1000€ Grenze kratzen (im Monat natürlich!) (z.B. viele Rentner u.a.) gänzlich wegfällt und ohne wenn und aber! Leute die darüber entscheiden, haben das zum Teil am Tag zur Verfügung.

  6. Wer derartige Sender, wie ARD und ZDF schauen will, soll selbst für zahlen! Wir haben zwar ne Sat-Schüssel auf dem Dach, aber schauen vielleicht 2mal im Monat noch über Sat TV! ARD und ZDF gehören nicht in unsere Sender Kategorie! Aber wo ist ARD und ZDF unabhängig und berichtet neutral? Wenn das ZDF von einer reißerischen Berichterstattung von Arte zum Thema Corona warnt, stellt man sich die Frage über Sinn und nutzen, derartiger Sender! Überhaupt, das man die Frechheit besitz gegen das Votum Einspruch zu erheben, und vor Gericht zu ziehen, verkörpert die abartige Arrogant der Öffentlich Rechtlichen! Wenn hier mal jemand Einspruch erheben kann, dann sind es die Zuschauer oder nicht Zuschauer, da man Programme abseits bestimmter Generationen führt! Der Rundfunhbeitrag gehört längst auf den Prüfstand! Sinn und nutzen sind in derartige Art und Weise nicht mehr zeitgemäß! Wer es will und brauch, soll selbst für zahlen!

    • Genau das finde ich auch, andere Länder wie UK zeigen, welche Einnahmen den Privaten durch die ÖR verloren gehen. Nach dem Wegfall der ÖR lassen sich pro Haushalt sicherlich 100-200€ pro Monat erzielen.

  7. Wenn es denn nur ARD und ZDF wären. Nein, jedes Bundesland braucht noch mehrere Landes- und Lokalfernsehprogramme und dazu noch etliche Spartenprogramme sowie dutzende Radiosender. Klar dienen viele auch der Zweitverwertung vorhandenen Materials, sind also von der Produktion her kostengünstig, aber dennoch brauchen sie Chefs, Mitarbeiter, Büros, Dienstwagen… Hier ließe sich deutlich einsparen, einfach indem man das Angebot „strafft“.

  8. Ist doch ein „Selbstbedienungsladen“. Immer mehr Kanäle und in allen Medien. Wenn das Geld nicht reicht? Was soll’s. Beiträge erhöhen und gut ist. Kann ja keiner was dagegen machen. Gesetz halt. Wenn ich dann noch von diesen Preiverleihungen lese, dreht sich mir alles um. Von den Sendungen habe ich noch nie was gehört. Da macht sch doch jemand selber glücklich. ’ne Witznummer.

  9. Es wird Zeit, dass der Öffentlich-Rechtliche fällt. Schließlich warten schon Anbieter wie Sat1,RTL,netflix und Co darauf endlich kostendeckende Angebote am Markt etablieren zu können. Ich denke 100-200€/ Haushalt und Monat sollten für Medien am Markt erzielbar sein – vorausgesetzt die Billigangebote der ÖR sind endlich weg! Leider schaffte es die CDU bisher nicht, dies durchzusetzen. Solange die Sozis und nicht die FDP an der Regierung ist, wird es schwierig.
    Erste Erfolge sind aber schon sichtbar, so werden die meisten Regierungsinfos bereits über die Funke-Medien-Gruppe veröffentlicht, hier scheint es entsprechende Vereinbarungen zu geben. Entsprechend günstig wird durch diesen Konzern auch die öffentliche Meinung gesteuert!

    • Billigangebote der ÖR ? 1.500.000,00 Eur pro Tatortfolge
      und ca. 200.000,00 pro Kommissar und Folge zeigen wirklich unendlichen Sparwillen.

  10. ARD und ZDF sind das Sprachrohr der großen Parteien. Da ist von Neutralität und Pressefreiheit nicht mehr zu reden. Deshalb wird weiterhin Geld aus dem Volk gepresst werden. Das die GEZ verfassungswidrig ist spielt dabei keine Rolle. Für mich ist das nichts anderes als Schutzfelderpressung.

  11. Mein Vorschlag wäre, die durchschnittlichen Kosten jedes ÖR-Senders zu ermitteln und dann dem Bürger die Auswahl geben, wofür er gerne zahlen möchte. Mich zum Beispiel widert spätestens seit der Corona-Geschichte ARD und ZDF an.
    Mir gefallen dafür viele Programme von Funk. Ein einfaches Schreiben: Sie möchten nur Funk? Hier ankreuzen, kostet 3 Euro im Monat. Danke. Radio dazu? Hier nochmal nen Euro.
    Und Sender, die wenig Kreuze bekommen, müssten am Ende ihr Programm verbessern, wenn sie mehr Geld wollen.

  12. I moved from the Netherlands to Germany in 2009. I have never understood the public silence on Rundfunkbeitrag, which is absolutely not reflecting the demand for public transparency and OWNERSHIP. ARD/ZDF are not assuring informative independent sources as they may have done in prior century. With the finance which they are receiving they should be able to provide much more to the public, they have a monopoly which should be broken.

  13. Der Intendant Buhrow erhält aus den Gebühren ca. 380.000,00 Eur im Jahr. Die
    Münster-Tatort Kommissare Liefers und Prahl hatten „gedroht“, keine neuen Folgen mehr zu drehen, wenn ihre Gage nicht verdoppelt werde. Die ARD hat diese pro Schauspieler und Folge nun auf 190.000,00 Eur erhöht, so dass die
    ARD für 1 Tatortfolge allein für 2 Schauspieler so viel Gebühren ausgibt, wie der Intendant im Jahr. So viel zu dem „Finanzbedarf“ des ÖR.

  14. Als Tagesthemenmoderator war Tom Buhrow sehr gut. Aber als Intendant hat er wenig zu bieten, im Rahmen der Diskussion um die Beiträge noch weniger. Durch die Veränderung der Erhebung über alle Haushalte haben die ÖR in den letzten Jahren deutliche Steigerungen erfahren. Wenn er jetzt seine Erhöhung schon eingeplant hat, bevor sie rechtlich abgesegnet ist, würde ihn das in der freien Wirtschaft den Job kosten. Ziel muss doch eine Kostensenkung, nicht ein Qualitätsabbau sein.
    Wenn man dann von Schirach im 1. Programm und allen Dritten anbietet, scheint ja der Kostenansatz zu klappen. Aber warum braucht hier jedes Bundesland einen eigenen Sender?

  15. .. der Rundfunkbeitrag gewährleistet .. die Unabhängigkeit der Presse ..
    seit wann ist Presse unabhängig?? Bitte weiter träumen.

  16. Unabhängikeit der Presse? Was geht ab? Muss die unabhängige Presse im Mercedes vorfahren?
    Wie wäre es wenn ihr meine fucking Unabhängikeit bezahlt? Ich fordere hiermit 50€ im Monat von allen deutschen. Lachhaft ist das, mehr aber auch nicht.

  17. Kann dem Beitrag des Herrn Neptun vom 20.12.2020 at voll beipflichten. Dieser ZWANGSBEITRAG ist abzuschaffen. Ich schaue mir schon seit Jahren kein Fernsehen mehr an. Diese Verarschung tue ich mir nicht mehr an. Würde dafür sogar in den Knast gehen!

  18. Eine Frage zu den Aktivismus-Seiten gegen die GEZ.
    Welche Seiten sind vom Inhalt und dem Betreiber neutral?
    GEZ-Abschaffen wird z.B. von jemand betrieben, wo es wahrscheinlich reicht die Seite auf ein z.B. Tom-Buhrow-Hausverbot-Flyer (den sich Geschäftbetreiber in Köln an die Türe hängen können) zu drucken, und schon wird man mit Reichbürgern, Truthern etc. etc. etc. in einen Topf geworfen.
    Wichtig auch, es geht nicht um Abschaffen der ÖR, nur der Gebühr.
    Eine eigene Seite erstellen ist ja nicht nötig, wenn es eine Seite gibt, die man auch als Linker auf so ein Teil drucken kann.
    Die sich aber auch Menschen aller politischen Richtungen an den Laden hängen können.

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