Viele machen es so: Sie gehen in den Laden um die Ecke, probieren etwas an, lassen sich beraten, bedanken sich freundlich und kaufen später online. Bei Amazon oder irgendeinem anderen Shop. Weil es dort ein paar Euro billiger ist. Das ist längst kein Geheimnis mehr, sondern Alltag. Und für viele Geschäfte ein Problem. Denn der Einzelhandel steht sowieso schon unter Druck. Hohe Mieten, wenig Personal, Konkurrenz aus dem Netz. Jetzt kommt noch etwas dazu: Kunden, die Beratung wie eine kostenlose Dienstleistung behandeln. Eine Stunde Zeit im Laden, Fachwissen inklusive, und am Ende ein Klick im Internet. Damit ist jetzt Schluss. Eine neue Gebühr ist da.
Händler führen neue Gebühr ein
Erste Händler haben jetzt eine Gebühr eingeführt. Sie verlangen Geld fürs Beraten. Wer nicht kauft, zahlt trotzdem. Ein Beispiel ist das Familienunternehmen Schulranzen Kranz. Dort kostet die Beratung 25 Euro. Die Kunden buchen dafür einen Termin. 45 bis 60 Minuten nimmt sich eine Verkäuferin Zeit. Ranzen anpassen, Gewicht prüfen, Rücken kontrollieren. Am Ende entscheidet der Kunde. Kauft er, werden die 25 Euro verrechnet. Kauft er nicht, bleiben sie im Laden. Inhaberin Stefanie Kranz nennt das Kind beim Namen: „Wir dulden nicht mehr diesen Beratungsklau. Wir haben die Kunden eine Stunde beraten und dann wird parallel nach günstigeren Ranzen gegooglet. Da haben wir uns einfach maßlos geärgert!“
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Ein Einzelfall? Nicht mehr ganz. In Berlin verlangt auch das Fachgeschäft Skate & Glide eine Beratungsgebühr. Dort geht es um Eissport und Inline Skating. Also um Produkte, bei denen man nicht einfach irgendeine Größe aus dem Regal ziehen sollte. Füße sind kompliziert. Beratung kostet Zeit. Zeit kostet Geld. Auch dort heißt es: 25 Euro, wenn man sich beraten lässt und nicht kauft.
25 Euro: Erst der Anfang?
Der Handelsverband NRW sagt: Das ist eine individuelle Entscheidung. Gerade Branchen mit viel Beratungsbedarf müssten genau überlegen, ob sie sich so eine Gebühr leisten können. Bei Fahrrädern etwa, besonders bei E-Bikes, sei der Verkauf zuletzt zurückgegangen. Wenn dann noch eine Beratungsgebühr dazukommt, könnten Kunden ganz wegbleiben. Die Angst: Wer zahlen muss, geht lieber gleich ins Internet.
Gleichzeitig zeigen die Zahlen etwas anderes. Über 90 Prozent der Kunden kaufen nach intensiver Beratung auch im Laden. Viele akzeptieren die Gebühr. Vielleicht, weil sie merken, dass Beratung keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Und weil es Dinge gibt, die Amazon nicht kann: Ranzen nachjustieren. Ersatz geben. Einen Leihranzen aus dem Regal holen, wenn etwas kaputtgeht.
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Noch sind solche Gebühren die Ausnahme. Aber sie häufen sich. Heute 25 Euro. Morgen vielleicht 10. Oder 15. Eine Art Eintrittspreis für Fachwissen. Ob das dem Einzelhandel hilft oder ihn weiter schwächt, ist offen. Vielleicht schützt es die Läden vor Ausnutzung. Vielleicht vertreibt es die letzten Unentschlossenen. Klar ist nur: Kostenlose Beratung war gestern.
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