Entwicklung katastrophal: Mercedes scheitert auf breiter Front

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"Dieser Weg wird kein leichter sein. Dieser Weg wird steinig und schwer", sang einst Xavier Naidoo. Auch Mercedes ist mit seiner auf Luxus fokussierten Strategie auf einen steinigen Weg abgebogen. Das Ergebnis: Die einstige Renditeperle der deutschen Wirtschaft steckt in schweren Turbulenzen.
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Mercedes hat ein schlimmes Jahr hinter sich – und verdient mit seinen Autos immer weniger. Bildquelle: Mercedes-Benz

Noch vor Kurzem galt die Strategie von Konzernchef Ola Källenius – „Luxury First“ – als Garant für zweistellige Renditen. Doch die Realität des Geschäftsjahres 2025 hat diesen Ambitionen einen herben Dämpfer versetzt. Mit einer bereinigten Umsatzrendite von lediglich 5 Prozent (nach 8,1 Prozent im Vorjahr und 12,6 Prozent im Jahr 2023) ist Mercedes in Regionen abgerutscht, die man eher von Volumenherstellern als von einer Luxusmarke erwartet. Der Gewinn von Mercedes ist im vergangenen Jahr um knapp die Hälfte (49 Prozent) eingebrochen – auf nur noch 5,3 Milliarden Euro.

Ein toxischer Mix aus Belastungsfaktoren

Der dramatische Rückgang der Profitabilität ist das Ergebnis mehrerer Faktoren, die zeitgleich auf das Ergebnis drückten. Ein zentraler Punkt sind die massiven Sondereffekte. Allein für das laufende Stellenabbauprogramm musste der Konzern rund 1,6 Milliarden Euro zurückstellen. Hinzu kamen negative Wechselkurseffekte durch den schwachen US-Dollar, die das Pkw-Ergebnis mit rund 1,5 Milliarden Euro belasteten. Und auch zusätzliche Kosten durch US-Zölle in Höhe von einer Milliarde Euro wirkten sich negativ aus.

Doch auch das operative Kerngeschäft schwächelt. Der Absatz in China, dem wichtigsten Markt für die margenstarken Top-End-Modelle wie die S-Klasse, brach um 19 Prozent ein. Der intensive Preiskampf und die lokale Konkurrenz im Reich der Mitte führen dazu, dass der Glanz des Sterns dort mehr und mehr verblasst. Insgesamt sank der weltweite Pkw-Absatz um 9,2 Prozent auf rund 1,8 Millionen Fahrzeuge, was den Umsatz um 9 Prozent auf 132,2 Milliarden Euro drückte.

Vorsichtiger Ausblick: 2026 bleibt ein Übergangsjahr

Die Botschaft für das laufende Jahr 2026 ist wenig ermutigend für Aktionäre, die auf eine schnelle Erholung hoffen. Mercedes kalkuliert für die Pkw-Sparte erneut nur mit einer bereinigten Marge zwischen 3 und 5 Prozent. Das bedeutet im Klartext: Das aktuelle Niveau von fünf Prozent ist bereits das obere Ende der Erwartungen. Erst für das Jahr 2027 peilen die Stuttgarter wieder eine Rückkehr zur Zweistelligkeit an – wenn alles nach Plan verläuft. Und das mit den Plänen ist bei Mercedes so eine Sache. Zu früh wurde, auch durch Druck von der EU, darauf gesetzt, die eigene Flotte bis zum Jahr 2030 konsequent auf E-Autos umzustellen. Diese Marschroute wurde bereits abgebrochen. Doch der Weiterbau von bereits in die Jahre gekommenen Verbrenner-Modellen ist ebenfalls teuer.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Källenius auf radikale Kostensenkungen. Bis 2027 sollen die Fix- und Produktionskosten um jeweils zehn Prozent sinken. Ob dieses Sparprogramm ausreicht, um gegen den globalen Gegenwind und die Schwäche im Elektrosegment anzukommen, bleibt abzuwarten. Klar ist auch: Bis 2027 sind noch zahlreiche neue und überarbeitete Fahrzeuge geplant. Für die Aktionäre gibt es vorerst jedoch eine bittere Pille: Die Dividende wird von 4,30 Euro auf 3,50 Euro gekürzt – ein deutliches Zeichen für die angespannte Lage beim Erfinder des Automobils.

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