Illegale Produkte und Tricks? EU geht gegen beliebten Onlinehändler vor

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Unsichere Produkte, eine suchterzeugende Gestaltung und intransparente Empfehlungssysteme: Chinesische Handelsplattformen stehen in der EU seit längerem in der Kritik. Doch jetzt könnte der Bogen überspannt sein.
Ein Paket auf dem Schoß einer Frau
Illegale Produkte und Tricks? EU geht gegen beliebten Onlinehändler vorBildquelle: fizkes / shutterstock.com

Die chinesischen Shopping-Plattformen Shein und Temu erfreuen sich mit ihren günstigen Preisen großer Beliebtheit. Gleichzeitig ist die Kritik jedoch enorm. Sie beginnt bereits bei der oft zweifelhaften Qualität. Viele der angebotenen Produkte entsprechen nicht den europäischen Sicherheitsstandards und würden vor hiesigen Prüfstellen kaum eine Chance haben.

Doch nicht nur die Qualität ist ein Problem: Aufgrund der enormen Menge an Sendungen, die insbesondere von Shein und Temu versandt werden und vorrangig per Luftfracht auf europäischen Flughäfen für Engpässe sorgen, ist eine effektive Kontrolle durch die zuständigen Behörden kaum noch möglich. Diese Umstände werden von der Europäischen Kommission seit Langem kritisiert. Als erste Konsequenz wurde in der EU die Zollfreigrenze für Waren mit einem Wert von unter 150 Euro abgeschafft. Ab Juli 2026 wird eine pauschale Zollabgabe je Artikel von 3 Euro erhoben.

Sexpuppen sorgen für neue Untersuchung gegen Shein

Doch auf Shein könnten noch weitere Forderungen zukommen: Die Kommission hat nun ein weiteres, formelles Verfahren gegen die Plattform eingeleitet. Dabei soll unter anderem untersucht werden, wie die Einhaltung der europäischen Standards in Bezug auf Qualität und Sicherheit gewährleistet wird. Zudem wird das Design der Shein-Plattform auf manipulative Elemente – sogenannte Dark Patterns – hin geprüft. Diese Design-Elemente stehen im Verdacht, bei Nutzern unbewussten Druck auszuüben und sogar Suchtverhalten zu fördern. Außerdem soll das Bewertungssystem hinsichtlich seiner Transparenz überprüft werden.

Der konkrete Auslöser für die aktuelle Untersuchung ist jedoch ein bestimmter Vorfall: Im November 2025 wurden auf Shein Sexpuppen angeboten, die mit einem Teddybären im Arm eher an Kinder erinnerten und deshalb in der EU als kinderpornografisch und somit als illegal eingestuft wurden.

Damit hat Shein gegen geltende Gesetze verstoßen, wie Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin für die Bereiche technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie, betont: „In der EU sind illegale Produkte verboten – unabhängig davon, ob sie sich in einem Ladenregal oder auf einem Online-Marktplatz befinden. Das Gesetz über digitale Dienste hält Käufer sicher, schützt ihr Wohlbefinden und gibt ihnen Informationen über die Algorithmen, mit denen sie interagieren.“

Was bedeutet das Verfahren für Shein in Europa?

Die jetzt angekündigte Untersuchung der Europäischen Kommission hat für Shein zunächst keine direkten Konsequenzen, ein Zeitrahmen wurde nicht genannt. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um die erste Untersuchung gegen den chinesischen Handelskonzern. Auch die Verbraucherschützer der EU sowie die für die Produktsicherheit zuständigen Überwachungsorgane ermitteln bereits wegen Verstößen gegen das Gesetz über digitale Dienste. Obwohl deren Ergebnisse noch ausstehen, scheint der Druck auf Shein zunehmend zu wachsen.

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