Neues Banking-Verfahren angekündigt – Darum kann es für dich teuer werden

6 Minuten
Grundsätzlich ist jeder einzelne Service, der eine Verbindung zum Internet erfordert, nicht gänzlich sicher. Daher arbeiten Banken fortlaufend daran, ihre Sicherheitsverfahren zu verbessern. Eine neu angekündigte Banking-Methode könnte unachtsame Kunden jedoch um ihr Erspartes bringen.
Phishing
Neues Banking-Verfahren angekündigt – für Bankkunden kann es teuer werdenBildquelle: New Africa / shutterstock.com

Die Verbraucherzentrale NRW listet im Rahmen ihres Phishing-Radars kontinuierlich die neuesten Phishing-Mails auf. Selbstverständlich ist die Liste nicht erschöpfend; auch andere Mails sind im Umlauf. Sie zeigt allerdings, bei welchen E-Mails man als Nutzer derzeit auf jeden Fall ein Auge offen halten sollte. In der laufenden Woche gehören dazu die folgenden Unternehmen und Organisationen:

  • Comdirect
  • Postbank
  • ING
  • PayPal

Aktuelle Phishing-Lage – Drei Banken und PayPal

Comdirect

Ausnahmslos alle digitale Konten können gehackt werden. Dabei spielt der Sicherheitsgrad im Grunde eine sekundäre Rolle. Denn es existiert ein entscheidender Unsicherheitsfaktor: der Mensch respektive der Kontoinhaber. Mittels sogenanntem Social Engineering, also der direkten menschlichen Beeinflussung, versuchen Kriminelle, dieses Einfallstor zu öffnen. Und diesmal stehen in erster Linie Kunden der Comdirect Bank im Fokus von Cyberkriminellen.

Konkret sind derzeit Phishing-Mails im Umlauf, in denen im Namen von Comdirect ein neues Sicherheitsverfahren angekündigt wird: „photo Tan Card“. Dieses soll den Aktivierungsbrief dauerhaft ersetzen und einfachere sowie schnellere Mobile-Aktivirungen ermöglichen. Und das kostenlos sowie unverbindlich. Zur Aktivierung müssen die Empfänger lediglich auf eine hinterlegte Verlinkung klicken. Diese führt allerdings erfahrungsgemäß zu einer gefälschten Bankseite, auf der persönliche Informationen des Kunden abgefragt werden. Mit ihrer Hilfe können die Betrüger schlimmstenfalls das Bankkonto des Opfers übernehmen und sich an dem Ersparten des Opfers gütlich nun. Damit dies nicht geschieht, empfiehlt es sich, besagte Banking-Ankündigung ungeöffnet in den Spam-Ordner zu verfrachten und sich bei weiteren Fragen an den Comdirect-Kundenservice zu wenden.

Postbank

Auch Kunden der Postbank müssen sich aktuell einer neuen Phishing-Mail stellen. Darin ist in gebrochenem Deutsch von aktualisierten Nutzungsbedingungen die Rede, aufgrund derer das Kundenkonto eingeschränkt wurde. Um dieses wieder freizuschalten, müssen die eigenen Informationen aktualisiert werden. Allerdings wirkt die E-Mail sowohl optisch als auch inhaltlich wenig vertrauenerweckend. Und eine direkte Kundenansprache fehlt ebenfalls. Daher sollten Empfänger auf keinen Fall auf den hinterlegten Button klicken, sondern auch diese Mail in den Spam-Ordner befördern.

ING

Bei der letzten Bank der Woche handelt es sich um ING. In einer entsprechenden Phishing-Mail berufen sich die Cyberkriminellen auf DSGVO-Richtlinien, die angeblich eine regelmäßige Legitimation seitens der Bankkunden erfordern. Da die Nutzerdaten des Empfängers jedoch nicht aktualisiert respektive bestätigt wurden, wurde der Zugang zum Bankkonto gesperrt. Nun sollen die potenziellen Opfer ihr Versäumnis nachholen und ihre Daten über eine hinterlegte URL aktualisieren. Doch auch hiervon solltest du absehen und mit der E-Mail genauso verfahren, wie schon mit denen der Postbank und von Comdirect.

PayPal

Abseits von Banken steht aktuell auch PayPal im Phishing-Rampenlicht. Eine E-Mail, welche im Namen des Bezahldiensts verschickt wird, informiert den Empfänger über eine Einschränkung seines PayPal-Kontos aufgrund verdächtiger Aktivitäten. Man habe sich auf einem unbekannten Gerät angemeldet und es seien Versuche unternommen worden, die E-Mail-Adresse zwangsweise zu löschen. Beides entspricht selbstverständlich nicht der Wahrheit, hört sich jedoch durchaus plausibel an. Und auch das Äußere der Phishing-Mail befindet sich auf einem hohen Niveau. Dennoch solltest du die hinterlegte Verlinkung zunächst ignorieren und dich stattdessen eigenständig mit deinem PayPal-Konto anmelden – etwa im Web-Browser oder der PayPal-App. Sollte dies problemlos funktionieren und dein Posteingang leer sein, handelt es sich bei der zuvor erwähnten E-Mail höchstwahrscheinlich um Phishing. Ferner lohnt sich oftmals auch ein Blick auf die E-Mail-Adresse des Absenders.

Phishing 2023 – Bisherige Fälle

Die Liste an Phishing-Versuchen in Deutschland wird immer länger. Klar zu erkennen ist, dass es vorwiegend große Unternehmen betrifft. Sie haben viele Kunden und damit viele potenzielle Opfer von Phishing. Diese Liste zeigt, welche Unternehmen im Jahr 2023 schon von Phishing-Betrügern genutzt wurden, um deine Daten oder dein Geld zu stehlen:

  • Amazon
  • Bitcoin-Erpressung
  • Comdirect
  • DKB
  • ING
  • LBB
  • PayPal
  • Postbank
  • Sparkasse

Was ist Phishing eigentlich?

Wenn man an Cyberkriminelle denkt, kommen einem automatisch Hollywood-Bilder von Unbekannten in Kapuzenpullis in den Sinn, die in einem Keller vor fünf Bildschirmen sitzen und ihren Blick auf das Pentagon richten. Die Wahrheit sieht allerdings oftmals ganz anders aus. Denn man braucht weder fünf Bildschirme noch große Kenntnisse über Sicherheitssoftware, um an das Geld von Internetnutzern zu gelangen. Sogar ein Kapuzenpulli ist dafür nicht zwingend erforderlich. Viele Anwender verraten ihre Zugangsdaten nämlich freiwillig, wenn man sie darum bittet.

Alles, was dazu benötigt wird, ist eine E-Mail im beispielsweise Amazon-Look, die Empfänger über ungewöhnliche Kontoaktivitäten oder eine AGB-Änderung unterrichtet. Anschließend wird das Opfer dazu aufgefordert, eine Autorisierung durchzuführen, indem er einen Link anklickt und sich in seinem Account anmeldet. Nur führt der Link nicht zur Amazon-Website, sondern zu einer Kopie. Die hier eingetragenen Login-Daten landen direkt bei den Cyberkriminellen. Mittlerweile steckt hinter Phishing eine regelrechte Industrie.

Weitere Betrugsmaschen & Schutzmechanismen:

So erkennst du Phishing-Mails

Sobald die Betrüger deine Nutzerdaten erbeutet haben, können sie diese beispielsweise zum Identitätsdiebstahl verwenden. Sollten die Anmeldedaten zu einem mit dem Bankkonto verknüpften Dienst gehören, könnte auch dein Portemonnaie darunter leiden. Darum solltest du auf E-Mails im Allgemeinen und auf Nachrichten der oben genannten Anbieter im Besonderen achten. Weist die E-Mail Rechtschreibfehler auf? Wie sieht es mit direkter Kundenansprache aus? Handelt es sich bei dem Absender respektive bei der E-Mail-Adresse des Absenders im Kopf der E-Mail tatsächlich um PayPal? Gehört die verlinkte Webseite dem Online-Bezahldienst, oder ist die URL eher kryptisch? Alle diese Fragen können eine Phishing-Mail enttarnen.

Eine weitere, gute Selbstschutz-Maßnahme stellt die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) dar. Dabei handelt es sich um einen doppelten Anmeldeschutz, bei dem neben den Anmeldedaten eine zweite Anmeldeschranke eingerichtet wird – etwa in Form eines Codes, der auf eine zuvor hinterlegte Telefonnummer zugestellt wird. Diesen können Cyberkriminelle in der Regel nicht so einfach ergattern. Obwohl auch diese Schutzlinie nicht unüberwindbar ist. Weitere Informationen zu dem Thema erhältst du in unserem Phishing-Ratgeber.

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1 KOMMENTAR

  1. Fuchs

    Mit der zwei Faktor Autorisierung ist Physhing eigentlich nicht mehr möglich. Sowohl ING als auch Paypal bitten per Handy um Bestätigung, das Handy besitze aber nur ich.

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