Neue Lego-App im Check: Sind die Vidiyo-Sets wirklich ein Desaster?

4 Minuten
Bei Lego läuft es nicht so recht in den vergangenen Wochen und Monaten. Die Community ist sauer auf den eigentlich sehr beliebten Spielzeughersteller. Doch warum? Ein Grund sind Produkte wie Lego Vidiyo.
Lego Vidiyo App mit Kindern
Lego Vidiyo AppBildquelle:

Lego steht für Kreativität, universell zusammenbaubare Klemmbausteine und ein Spielvergnügen über alle Altersklassen hinweg. Das bestätigt auch das Ranking bei den beliebtesten Marken des Jahres. Doch der dänische Konzern verstrickt sich gerade in öffentlich wirksame Rechtsstreits mit Händlern, Youtube-Stars, wie dem Star der Szene „Held der Steine Inh. Thomas Panke“, und Konkurrenten. Dazu strebt man immer mehr in die digitale Spielewelt – wie mit Lego Vidiyo. Beides tut dem Unternehmen nicht gut. Zumindest, wenn man sich die Reputation und die Diskussionen im Netz ansieht. Dabei wird nicht selten die Meinung vertreten, Lego habe gewaltig Angst vor den gar nicht so neuen Konkurrenten. Die stellen nämlich mittlerweile oft eine hervorragende Alternative für Lego dar.

Lego Vidiyo – ein zweites Hidden Side?

Nachdem Lego die Technic-Reihe in die App-Welt geholt hat, hat man mit Hidden Side eine weitere Serie mit App-Zusatz eingeführt. Beides blieb nicht ohne Kritik und die AR-Sets sind mittlerweile sang- und klanglos aus dem Portfolio verschwunden. Gut für den App-freien Lego-Bauer, denn die Sets boten und bieten im Abverkauf mit heftigen Rabatten einige tolle Steine fürs Geld.

Das wird bei Lego Vidiyo nicht passieren. Es gibt einfach zu wenig Teile. Doch der Reihe nach. In der Lego Vidiyo Welt sind die „Sets“ mit gut 70 Steinen ausgestattet und nach dem Zusammenbau spielst du mit der App weiter. Denn: Die Sets sind praktisch nur ein Scann-Objekt für die App. Und mit ihr kannst du beziehungsweise Kinder ab 7 Jahren eigene Musikvideos erstellen. Das geschieht mittels Augmented Reality. Also der Vermischung von digitalem Videomaterial und der Realität aus der Smartphone-Kamera.

Ausbildung für Instagram, TikTok und Co.

Dass der Gegenwert der 20 Euro teuren Sets lächerlich gering ist, steht außer Frage. Eine Minifigur und ein paar Standardteile plus eine Handvoll bedruckter Fliesen kosten in der Produktion wohl keinen Euro. Doch das können Steine-Profis wie der Held der Steine besser bewerten. Wir schauen uns im Speziellen die App an und hier gibt es auch schon genug Kritikpunkte. Denn die App ist nicht nur voller Bugs und sehr langsam – Videos im „Social Feed“ laden ewig und werden dann doch nicht angezeigt.

Lego Vidiyo Bausteine
Lego Vidiyo Bausteine – Der haptische Gegenwert von 20 Euro

Sie ist vor allem eine Social-Media-Plattform für Kinder. Videos aus den Kinderzimmern werden gezeigt. Da kann schon einmal ein Elternteil im Hintergrund erscheinen oder der Bruder durchs Bild laufen. Andere Kinder können auf die Videos mit Emojis reagieren. Die App ist berechtigt auf die Medien des Handys zuzugreifen und die Kamera zu benutzen. Gut, dass zumindest Tonaufnahmen und Kontaktdaten nicht erforderlich sind. Das alles ist für Kinder ab 7 Jahren gedacht. Ob das das richtige Alter ist, um die zukünftige Generation auf Instagram, TikTok und Co. vorzubereiten, darf stark bezweifelt werden.

Nach dem Klick auf „Performen“ startet das Musikvideo und dein Kind tippt auf einer halb virtuellen Bühne auf de Beatbits genannten Kacheln. Die Kreativität erschöpft sich dann in Special-Effekts und vordefinierten Bewegungen der Spielfigur. Wenn das Kind fertig ist, wird es mit Münzen belohnt und kann sich dafür im Store Dinge für das nächste Video kaufen. Also ein Belohnungssystem, um dabei zu bleiben. Das hat starke Ähnlichkeiten mit vielen Online-Games – inklusive Suchtpotenzial.

Lego Vidiyo – das Fazit

Die Sets der Lego Vidiyo Reihe sind überteuert, bieten keinen analogen Spielspaß und die App dahinter ist fehlerhaft und eher ein Ausbildungslager für Online-Games und Social Media. Also praktisch eine Kreuzung aus Facebook-Spiel und TikTok-Unterhaltung. Das geht an der Idee von Lego meilenweit vorbei. Denn Kreativität entsteht nicht am Smartphone, sondern im Kopf. Speziell bei Kindern unter 10 Jahren. Oder wie Thomas Panke resümiert: „Böses Lego!“

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6 KOMMENTARE

  1. Avatar Mark

    Desaster ist korrekt. Es gab nervige Werbevideos – direkt auf der Amazon-Startseite. Die mit übelsten und falschen Imperativen beworbenen Produkte waren (in Kombination mit der beschissenen Werbung) so grauenhaft, dass Amazon die Bewertungen deaktivierte. So etwas habe ich noch nie gesehen. „Bei dem Produkt bestehen Beschränkungen für die Übermittlung von Rezensionen“. Ein paar fake Positiv-Bewertungen waren erlaubt, korrekte Bewertungen wurden verboten. Das ist nicht tragbar.

    Antwort
  2. Avatar Ole

    Das gleiche ist auf Amazon mit dem grauenvollen Ferrari passiert. Einige merkwürdig positive Bewertungen wurden aufgenommen und dann die Bewertungen deaktiviert. So ist eine realistische Bewertungs des Sets schlicht nicht gegeben!
    Lego scheint da auch Einfluss auf Amazon zu nehmen… Für ein paar Rabatte extra….

    Ein Schelm,wer böses denkt.

    Antwort
  3. Avatar markus

    es spielt ansich gar keine rolle ob die App gut oder schlecht ist. alleine das es die app gibt und das es ausschliesslich um die app geht, ist DAS desaster.
    auch ist es kein zweites hidden-side, denn dort gab es wenigstens noch steine aus denen man dann das bauen konnte was die eigene kreativität zu gelassen hat.

    Antwort
  4. Avatar SIAC

    Echter Journalismus.
    Ein guter Artikel, in dem Hinterfragt, mitgedacht und ehrlich präsentiert wurde.

    Nicht.
    Mal ehrlich- hier wird ein Spielzeughersteller dafür diskreditiert, auf Trends aufzuspringen, die schon wesentlich älter sind.

    Wie viele Eltern lassen ihre Kinder bereits in dem Alter mit Smartphone und Tablet alleine?
    Oft besitzen Kinder schon im Grundschulalter eigene Tablets!
    Und die meisten Apps, die es dafür gibt, sind bei weitem weniger Kinderfreundlich als diese LEGO App, die weder in App Käufe beinhaltet, noch nicht Jugendfreien Inhalt zulässt.

    Es ist Sache der Eltern, womit sie ihre Kinder spielen lassen möchten-
    Und heutzutage bieten diese ihren Kindern nunmal häufig Digitale Spielzeuge.
    Ob man das jetzt gut heißen will oder nicht.
    (Ich finds furchtbar)

    Und einen Geschäftspartner von Alternativ-LEGO als Expertenmeinung zu Zitieren, der damit Geld verdient dass Kunden diese Firma als schlechter sehen als günstigere Anbieter,

    Ist wie zu behaupten, Lobbyisten wollen Politikern doch nur zu guten Entscheidungen behelfen.
    Ernsthaft.
    Dieser Thomas Panke ist Geschäftspartner von Bluebrixx.

    Schonmal gewundert, warum Bluebrixx in seinen Videos kaum Kritik erhält, die Sets dann aber ernüchternd sind?
    Teile sind defekt, Farbunterschiede nicht zu übersehen…
    Ich bin kein Profi, aber mir fielen diese Dinge definitiv auf.
    Auch echte Tester, die kein Geld für ihre Meinung bekommen, haben ähnliches erlebt.

    Oh, und zum Preis-
    So eine App zu entwickeln kostet Zehntausende Euro.
    Diese App wird ausschließlich über den Verkauf dieser Sets finanziert.
    Somit sollte man beim Preis nicht nur über den Gegenwert in Steinen sprechen, sondern auch dafür.

    Wirklich, ein sehr trauriger Artikel, auch wenn ich eure Meinung im großen und ganzen Teile.

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  5. Avatar SIAC

    Und zu den anderen beiden Kommentaren hier, die Behaupten, LEGO würde Amazon Bewertungen Löschen, die den Ferrari schlecht finden und keine neuen zulassen-

    Habt ihr euch die Seite mal angeschaut?
    Da gibts einige schlechte Bewertungen, eine u.a. vom 16.03.
    (Also gerade 2 Tage her)

    Antwort
  6. Avatar Axel

    So wirklich trifft dieser Artikel die Sache nicht. Zum einen kostet das Set keine 20€, sondern 15€. Zum anderen kann ein Kind die Videos nicht einfach hochladen, sondern die Eltern müssen zustimmen, und Lego prüft die Videos vor der Freigabe. Es dürfen keine Personen im Video sein, das sind die Bedingungen.
    Kinder haben durchaus Spaß an der Sache, und dass das System geschlossen ist, macht die Sache ziemlich sicher.
    Das einzige was stimmt sind die vielen Bugs in der App, die gleichwohl sehr kindgerecht zu bedienen ist. Und der Support von Lego antwortet tatsächlich innerhalb einiger Stunde, das findet man weder bei Tictoc noch sonstwo.
    Ich kann Vidiyo als Einstieg für Kinder in die AR und Videoproduktion durchaus empfehlen. Und nein, ich arbeite nicht für Lego. Aber mein Kind hat Spaß daran und kann seine Kreativität ausleben.

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