Langzeit-Test beweist: Nicht nur OLEDs leiden unter Burn-in-Effekt

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Ein Langzeit-Test untersucht bereits seit Monaten, welche Auswirkungen eine langjährige Fernsehnutzung auf verschiedene Displaytechnologien aufweist. Nun konnte die Studie beweisen, dass nicht nur OLEDs unter einem Burn-in-Effekt leiden. Eine Displaysorte ist sogar schlimmer betroffen.
Langzeit-Test beweist - Nicht nur OLEDs leiden unter Burn-in-Effekt
Langzeit-Test beweist - Nicht nur OLEDs leiden unter Burn-in-EffektBildquelle: Foto von Jonas Leupe auf Unsplash

Mithilfe eines besonderen Langzeit-Tests konnte RTings.com bereits viele Erkenntnisse über Fernsehdisplays und die Auswirkungen des gefürchteten Burn-in-Effekts bei OLEDs liefern. Mittlerweile konnte die Studie neue Erkenntnisse zutage fördern, die überraschende Erkenntnisse bescherte. Sie fanden nicht nur Burn-in-Effekt in einer anderen Displaytechnologie. Die Effekte bei diesen Technologien fallen sogar verheerender aus als bei zahlreichen OLEDs.

Was ist der Burn-in-Effekt?

Als Burn-in-Effekt bezeichnet man das Phänomen, wenn sich der Bildschirm mit der Zeit verfärbt, als würden stetig „Bildreste“ einer anderen Darstellung auf den Pixeln hängen. Besonders gefürchtet ist der Bildeffekt bei OLEDs, die durch ihre selbstleuchtenden Pixeln vor allem in den ersten Generationen als besonders anfällig dafür galten. Moderne OLEDs besitzen mittlerweile viele Sicherheitsmechanismen, um diesen Bildproblemen entgegenzuwirken, darunter auch eine Selbstreinigung des Displays. Dennoch ist das Problem nicht vollständig gebannt. Gerade bei Displays, die sehr häufig statische Elemente anzeigen, ist das Risiko deutlich höher.

Studie simuliert jahrelange Nutzung von Fernsehern

Die Untersuchung von RTings.com ist ein besonderer Langzeit-Test. Fernseher werden hier bewusst extremen Bedingungen ausgesucht. Über viele Stunden hinweg bleiben Fernsehbildschirme hier auf dem Nachrichtensender CNN eingeschaltet, um eine langjährige Fernsehnutzung zu simulieren. Der Test basiert dabei auf Berücksichtigungen der durchschnittlichen Anzahl an Stunden pro Tag, die ein Mensch den Fernseher einschaltet. Im Schnitt geht RTings.com dabei im Vergleich von einer durchschnittlichen Nutzung von 2 Stunden täglich aus. Innerhalb von 2 Monaten liefen die Fernseher jedoch bereits 1.200 Stunden, was einer ungefähren echten Nutzung von 10 Monaten entspricht. Nach über 10 Monaten erreichte der Test 6.000 Betriebsstunden für die Fernseher, was ungefähr einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 4 Jahren und 2 Monaten entspricht.

Dabei unterscheidet sich das Testsetup jedoch von der normalen Verwendung eines Fernsehers. Normale Haushalte würden nicht dauerhaft stets den gleichen News-Sender an jedem einzelnen Tag einschalten. Durch den Wechsel von unterschiedlichen Inhalten mit weniger starren Bildelementen ist das reale Burn-in-Risiko im Alltag deutlich geringer. Moderne OLEDs besitzen zusätzliche Schutzmaßnahmen dagegen, wie eine automatische Anpassung der Helligkeit bei starren Bildern oder festgelegten Bildelementen wie Benutzeroberflächen von Videospielen. Auch eine automatische Variation von Pixeln, die unbemerkt stattfindet, sind hier üblich. Zusätzlich verwenden OLEDs sowohl eine Bildschirmpflege nach dem Ausschalten als auch eine Selbstreinigung, die je nach Modell etwa alle sechs bis zwölf Monate erfolgen sollte. Dadurch verhindern die Fernseher, dass sich die Bildreste zu schnell in den Displays „einbrennen“ und das Fernseherlebnis beeinträchtigen.

Dass OLEDs unter den erschwerten Bedingungen des Tests somit noch immer Burn-in-Effekt aufweisen, ist nicht verwunderlich. Erfreulicher hingegen ist, dass die Auswirkung und Stärke der Effekte in den neueren TV-Geräten zurückgegangen ist. Im Vergleich zu OLEDs untersuchte RTings.com jedoch auch weitere Fernsehdisplays auf ihre Schwachstellen. Eine weit verbreitete Displayart, nämlich LCD-Fernseher, wies dabei deutlich stärkere Beeinträchtigungen als OLEDs auf.

LCDs offenbaren starke Schwächen im Tests

LCD-TVs arbeiten mit einer Hintergrundbeleuchtung und besitzen im Gegensatz zu OLEDs keine selbstleuchtenden Dioden. So würde niemand erwarten, dass auch bei diesen Displays ein „Einbrennen“ stattfinden könnte. Tatsächlich handelt es sich beim Burn-in-Effekt in LCDs weniger um den klassischen Burn-in-Effekt von OLEDs, sondern eher in eine nachhaltige Veränderung in der Ausleuchtung des Fernsehdisplays. Gleichförmigkeit ist hier das Stichwort, denn für ein gutes Fernsehbild, muss der Bildschirm gleichmäßig ausgeleuchtet sein. Mancher wird sich nun an die Edge-LED/LCD-Fernseher zurückerinnern, die hier besondere Schwächen aufweisen. Dadurch, dass sie nur am Rande ausgeleuchtet werden, leiden sie schnell an Unregelmäßigkeiten in der Beleuchtung. Das Phänomen, dass Teile des Bildschirms unverhältnismäßig dunkler bleiben, wird auch häufig als „Clouding-Effekt“ bezeichnet, da die Stellen an Wolken erinnern.

Auch Markenmodelle betroffen

Bei vielen von RTings.com untersuchten LCD-TVs handelt es sich nicht um besonders günstige TVs mit Randbeleuchtung, sondern auch um Markenmodelle, die über eine gleichmäßige Hintergrundbeleuchtung verfügen. Trotzdem zeigt sich bei ihnen allen eine Negativ-Entwicklung in der Ausleuchtung der Displays im Laufe des Tests. Besonders auffällig war hier etwa der LG NANO90 mit Nanotechnologie aus dem Jahr 2021, bei dem sich ein immer stärkerer, dunklerer Bildteil abzeichnete, der von der oberen linken Ecke ausging. Ebenso deutliche Auffälligkeiten waren in dem Insignia F50 QLED sowie dem Samsung TU8000 zu finden. Doch auch bei vielen anderen der getesteten LCD-Fernseher zeigen sich dunkle Ränder oder Streifen, die im Laufe der simulierten Nutzungsdauer auftraten. Viele der Effekte zeichnen sich dabei stärker ab als bei den getesteten OLEDs. Hier zeigten vor allem die älteren Panelgenerationen wie der LG CX OLED und der Sony A8H deutliche Probleme.

Die Testergebnisse werfen die Frage auf, ob eine Implementierung von ausgleichenden Prozessen, wie wir sie in OLEDs heute sehen, auch für LCD-Fernseher eine größere Rolle spielen sollte. Wer von einem OLED abgesehen hat, aus Sorge, dass der Burn-in-Effekt den Fernseher zu einem kurzfristigen Vergnügen macht, muss zukünftig womöglich umdenken. Ein gewisser Rückgang der Helligkeit bei Hintergrundbeleuchtungen in LCD-Fernsehern ist ein Teil des normalen Alterungsprozesses. Bei einer normalen Nutzungsdauer würde der Fernsehbildschirm auch wesentlich gleichmäßiger dabei beansprucht. Dennoch ist der Vergleich zwischen LCD- und OLED-TVs bei dieser Langzeitstudie ein auffälliges und überraschendes Ergebnis.

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