TV-Rechte der Bundesliga: Der große Verlierer ist nicht Sky

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Es ist entschieden, wer ab der Saison 2021/2022 die Spiele der Fußball Bundesliga übertragen darf. Und es gibt einen großen Verlierer - der nicht Sky heißt, findet inside digital Redakteur Hayo Lücke. Ein Kommentar.
Symbolbild Kamera beim Fußball
Bildquelle: Adobe Stock

Eigentlich ist die Vergabe der DFL-Medienrechte alle vier Jahre ein richtig großes Thema. In Zeiten der Coronakrise ist die Vergabe der Free- und Pay-TV-Rechte von Spielen der Fußball Bundesligen aber ziemlich in den Hintergrund gerückt. Auch wegen der (wirtschaftlich) erzwungenen Saison-Fortsetzung in den deutschen Profiligen. Und doch lohnt sich ein genauerer Blick auf das Ergebnis der Versteigerung der Bundesliga-TV-Rechte. Denn auch wenn man auf den ersten Blick Sky als großen Verlierer darstellen könnte, so ist es unter dem Strich ein ganz anderer im Vorfeld favorisierter Medienpartner.

Sky konnte nur verlieren

Schaut man sich nämlich die von der DFL ausgeschriebenen TV-Rechtepakete genauer an, wird schnell klar: Sky hatte gar keine Chance, ab Mitte 2021 in gleichem Umfang von der Bundesliga zu berichten wie bisher. Denn die DFL folgte nicht nur der Auflage des Bundeskartellamts, dass keinesfalls nur ein TV-Sender die Live-Spiele der Bundesliga übertragen darf. Im Vergleich zu jenem in der kommenden Saison noch gültigen Medienvertrag erweiterte die DFL die Rechte eines potenziellen Sky-Wettbewerbers vielmehr spürbar.

Hintergrund: Das ausgeschriebene Paket D umfasst nach Willen der DFL alle (!)  Bundesliga-Spiele, die freitags und sonntags stattfinden. Bislang ist es für Sky hingegen noch möglich, auch von einzelnen Spielen zu berichten, die am Sonntag stattfinden. Im Rahmen der nun abgeschlossenen Ausschreibung zu den Bundesliga-Medienrechten musste der größte deutsche Pay-TV-Sender also mindestens eine Kröte schlucken. Entweder auf das Topspiel am Samstagabend verzichten (zum Beispiel Bayern München gegen Borussia Dortmund) oder lieber (vermutlich) weniger attraktive Begegnungen zusätzlich der Konkurrenz überlassen.

Man entschied sich für die zweite Variante, auch wenn man dadurch ab Mitte 2021 insgesamt weniger von der Bundesliga berichten darf als bisher. Eine richtige Entscheidung, denn nun ist klar geregelt: Die Bundesliga am Samstag siehst du für mindestens vier weitere Jahre nur bei Sky, für die Spiele am Freitag und Sonntag brauchst du ein zusätzliches Abo von DAZN.

Ob es bei 11,99 Euro pro Monat für das DAZN-Abo bleibt? Noch unklar. Denn die DFL verrät nicht, wie viel für die einzelnen TV-Pakete bezahlt wurde. Und auch welchen Betrag jeder einzelne Medienpartner an die DFL überweist, ist streng vertraulich. „Sponsors“ berichtet von 595 Millionen Euro, die Sky pro Saison zahlt und 300 Millionen Euro, die von DAZN auf die Konten der DFL fließen. Klar ist: Im Durchschnitt kassiert die DFL laut neuem Medienvertrag 1,1 Milliarden Euro pro Saison. Das ist etwas weniger als bisher.

DFL Medienrechte Fußball Bundesliga
Kein anderer Sender berichtet auch ab 2021 mehr von der Fußball Bundesliga als Sky.

Bundesliga bei Amazon? Nix iss!

Für mich der viel größere Verlierer ist aber nicht Sky, sondern Amazon. Denn der Internet-Riese muss die Bundesliga ab der Saison 2021/2022 komplett aus dem eigenen Prime-Angebot streichen. Im Vorfeld galt Amazon als interessierter und durchaus aussichtsreicher Kandidat für oben genanntes Rechtepaket D. Doch am Ende sicherte sich Amazon nicht ein einziges der DFL-Pakete. Nicht einmal die Bundesliga-Audioübertragungen im Internet sind künftig noch Teil des Prime-Angebots. Hier darf in Zukunft die ARD alle Übertragungen im Internet realisieren. Genauso natürlich die UKW-Übertragungen auf Sendern wie WDR 2, NDR 2 oder Bayern 1.

Warum Amazon nicht mehr dabei ist? Dazu gibt es von dem Unternehmen keine offiziellen Informationen. Vielleicht waren Amazon die Rechtepakete am Ende schlicht und ergreifend zu teuer. Möglicherweise sprachen sich im Zuge von Kundenbefragungen auch zu wenige Menschen für ein Interesse an der Bundesliga im Rahmen eines dann teureren Prime-Premium-Abos aus. Und eventuell musste Amazon in den vergangenen Wochen sogar feststellen, dass das Interesse an sogar kostenlosen Bundesliga-Spielen bei Prime Video deutlich unter den eigenen Erwartungen lag.

Der finanzielle Spielraum wird kleiner

So oder so: Das Aus von Amazon bei Bundesliga-Übertragungen zeigt, dass die Bäume für die DFL nicht in den Himmel wachsen. Viel mehr als die durchschnittlichen 1,1 Milliarden Euro pro Saison sind gegenwärtig mit Bundesliga-Medienrechten für den deutschsprachigen Raum offenbar nicht zu erzielen. Corona hin oder her. Auch in anderen Ländern wie England oder Italien waren die Einnahmen aus Fußball-TV-Rechten zuletzt rückläufig.

Und das hat Folgen. Denn der eine oder andere Bundesligist wird seine Gürtel zukünftig etwas enger schnallen müssen. Gleiches gilt für gierige Spielerberater und wohl auch für so manche Bundesliga-Kicker selbst. Deren Gehälter sind in den zurückliegenden Jahren fast schon explosionsartig in die Höhe geschnellt. Daran dürfte sich nun etwas ändern. Und zumindest das kann eigentlich nur eine vernünftige Entwicklung im Milliardengeschäft Fußball Bundesliga sein.

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7 KOMMENTARE

  1. Der erste durchdachte Kommentar, denn es zur Rechtevergabe gibt. Ja – Sky konnte nur Spiele verlieren. Selbst wenn Sky alle Pakete zu einen hohen Preis ersteigert hätte, wären wieder 2 davon günstiger auf dem Markt gelandet – d.h. noch mehr Spiele bei der Konkurrenz und weniger Exklusivität und mehr Kosten. Die Konferenz und die Einzelspiele am Samstag hätte man nicht abgeben können, denn dann hätte ein Konkurrent auch alle Spiele der englischen Wochen zeigen können (Konferenz oder Einzelspiel). In der Clickbait getriebenen Zeit, daher ein vernünftiger und Kommentar.

    • Der Kommentar ist überhaupt nicht durchdacht, insbesondere weil Amazon als Verlierer dargestellt wird. Die werden nämlich gar nicht an der Bundesliga interessiert gewesen sein, weil diese insgesamt kein gutes und ertragreiches Produkt ist – eine Liga ohne Wettbewerb. Man sieht das doch bei Sky, die mit der Bundesliga nur Miese machen, während die Abonnentenzahlen stagnieren, teilweise sogar zurückgehen.

      • Wenn Amazon kein Interesse hat, wie du es vermutest, ist es schon verwunderlich, dass sie genau zu diesem Thema ihre Kunden befragen, oder? Und dass sie in der vergangenen Saison für Eurosport eingesprungen sind…

      • Und auch hier halte ich nochmals dagegen: Woher ziehst du deine Infos? Warum behauptest du Amazon habe kein Interesse, wo doch über Kundenumfragen und Übertragungen zum Ende der Saison das allgemeine Interesse belegt ist?

  2. Guten Tag.Also ich finde es gut das Sky die Bundesliga hat.Weil die Übertragung funktioniert.Bei Dazn Championslige kucken werd ich mir verkneifen.Scheiss Empfang.Laufend Aussetzer.Standbild usw.Und wenn man dort anruft kriegt man nur pampige Antworten.Ich werde Sky die Treue halten.Und Dazn wird von mir kein Geld sehen.Für das Geld krieg ich 2Abos bei Sky.Ich hoffe viele Sky Nutzer sehen es genauso.mfg Üwchen

  3. Ich wundere mich immer wieder, wenn ich von schlechtem Empfang bei DAZN lese. Ich hatte noch nie Probleme.
    Und das Programmangebot ist unübertroffen, und im Verhältnis zum Preis erst recht!

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