Der Engpass trifft dem Insider zufolge nicht nur Server und Rechenzentren. Er erreicht auch Hardware für dein Heimnetz. Konkret kann das spätere Produktstarts, höhere Preise und kurzfristige Modelländerungen bei WLAN-Routern bedeuten. Der Insider, der weder namentlich noch im Namen seines Arbeitgebers in Erscheinung treten möchte, ist seit mehr als zehn Jahren in der Routerbranche tätig. Auf der ANGA COM in Köln bestätigten uns Router-Hersteller Teile seiner Aussagen. Interessant dabei: Die Krise scheint, so ist zu hören, jeden Hersteller in gewisser Hinsicht anders zu treffen.
Das steckt dahinter
Im Kern geht es um eine Entwicklung, die in der Technikbranche gerade viele Hersteller beschäftigt. Sehr viel Kapital fließt in KI-Unternehmen. Diese Firmen bauen Rechenzentren auf. Dafür brauchen sie Speicher, RAM, Prozessoren und weitere Bauteile. Eingekauft wird demnach vor allem in Asien.
Für Router-Hersteller wird das zum Problem. Denn in vielen Geräten stecken ähnliche Grundkomponenten. Auch ein Mesh-System braucht Speicher. Darauf liegen etwa Firmware, Passwörter und Basiskonfigurationen. Nach einem Stromausfall soll das Gerät wieder starten. Auch dafür braucht es Speicher.
„Geld regiert die Welt. Das merkt man jetzt sehr deutlich“, heißt es vom Insider. Seine Aussage: Finanzstarke KI-Firmen können bessere Preise bieten. Lieferanten folgen dann dem besseren Geschäft. Selbst Vertragsstrafen schrecken sie demnach nicht immer ab.
Ein Beispiel nennt er sinngemäß aus Gesprächen mit Speicherherstellern: „Hier war Firma XY aus dem Silicon Valley. Die brauchen Speicher für ihre Serverfarmen, und sie haben uns einen deutlich besseren Preis geboten.“ Für klassische Hardwarehersteller heißt das: Sie müssen warten oder Ersatz suchen. Es gäbe sogar Fälle, in denen man heute einen Vertrag schließe und es schon am nächsten Tag heißt, man könne doch nicht liefern.
Warum ein fehlendes Bauteil alles verzögert
Doch Ersatz zu suchen, ist nicht ganz so einfach. Ein Hersteller kann nicht irgendeinen Speicher in einen Router setzen. Passt ein Ersatzteil technisch nicht exakt, beginnt zusätzliche Arbeit. Die Firmware müsse angepasst werden. Ohne sie läuft kein Router sauber. Danach folgen Tests. Teils braucht es sogar eine neue EMV-Prüfung. EMV steht für elektromagnetische Verträglichkeit. Dabei wird geprüft, ob ein Gerät andere Geräte nicht stört und selbst störfest bleibt. Für Kunden klingt das nach einem Detail. Für Hersteller kann das Wochen kosten.
„Wenn der Speicher fehlt, kannst du das Produkt nicht fertig bauen“, so der Insider. Danach gebe es zwei Möglichkeiten: warten oder über Broker Ersatzteile suchen. Beides kostet Zeit. „Dann musst du gegebenenfalls die Firmware anpassen, und dadurch verzögert sich alles.“ Besonders deutlich wird das bei neuen Produkten. Der Marktstart von Geräten wird teils mehrfach verschoben. Für manche Teile seien die Produktionskapazitäten einiger Hersteller bereits für 2027 komplett belegt. Auch geplante Produkte für Ende dieses Jahres oder das kommende Jahr müssten deshalb früh abgesichert werden.
WLAN-Router: Wie stark die Preise steigen können
Hinzu kommen steigende Kosten. Unser Insider spricht von Preissteigerungen bei einzelnen Komponenten von bis zu 3.000 Prozent. „Das sind eigentlich Cent-Komponenten“, sagt er. In einem weiteren Beispiel nennt er ein Bauteil, das früher 3 Dollar gekostet habe. Jetzt liege es bei 70 Dollar.
Das heißt nicht automatisch, dass ein WLAN-Router plötzlich mehrere Hundert Euro teurer wird. Hersteller suchen Alternativen. Sie ändern Bauteile. Sie verhandeln neu. Doch auch das kostet Geld. Und es kostet Zeit. „Es führt zu Verzögerungen bei Produktlaunches. Und es führt auch dazu, dass Produkte teurer werden.“ „Das wird auch bei Notebooks noch richtig hart werden“, sagt er. Der Grund: Auch Notebooks brauchen DDR-RAM, Flash-Speicher und ähnliche Bauteile. Wenn KI-Rechenzentren diese Komponenten binden, spüren das auch andere Produktgruppen.
Auch Lieferketten sind ein Problem. Wenn Bauteile oder fertig zusammengeschraubte Router schon mit Verspätung unterwegs sind, ist es undenkbar, dass diese dann noch per Schiff transportiert werden und weitere Monate unterwegs sind. Die Ware zu fliegen geht bedeutend schneller, ist aber auch deutlich teuer.
Sowohl für die Verteuerungen als auch für die Verzögerungen gibt es aktuelle Beispiele. So hat Fritz! für viele seiner Geräte nach einem Bericht von digitalfernsehen.de binnen weniger Monate nun zum zweiten Mal die unverbindliche Preisempfehlung angehoben. devolo wiederum hat zur IFA im vergangenen Jahr einen WiFi-7-Triband-Router für Anfang 2026 angekündigt, der bis heute nicht verfügbar ist.
Was Kunden jetzt wissen müssen
Wer aktuell einen Router oder ein Mesh-System kaufen will, sollte genauer vergleichen. Manche Modelle könnten später kommen. Andere könnten teurer werden. Gleichzeitig bleiben vorhandene Geräte oft völlig ausreichend. Der beste Zeitpunkt für einen Wechsel hängt deshalb nicht vom Hype ab, sondern von deinem Anschluss, deiner Wohnung und deinen Geräten. Im Zweifel gilt: Never touch a running system.
Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. „Ich glaube schon, dass uns dieses Thema dieses und nächstes Jahr noch begleiten wird“, sagt er. Gleichzeitig entstehen laut seinen Angaben neue Fabriken in China. Das kann später helfen. Es kann aber auch zu neuen Verschiebungen führen, wenn Hersteller Produktionslinien erneut umrüsten.
Unklar bleibt, wie stark der Effekt am Ende im Handel ankommt. Nicht jede Preissteigerung bei Bauteilen landet eins zu eins beim Kunden. Hersteller können Lagerbestände haben. Sie können ältere Komponenten nutzen. Sie können günstigere Modelle mit WLAN 6 anbieten. Das ist ein Grund, warum WiFi-7-Router mit Tri-Band so schleppend auf den Markt kommen.
