Günstige Elektroautos? Das Drama geht weiter!

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Der Umweltbonus soll die Anschaffung eines Elektroautos fördern. Tut er auch, allerdings häufig im hochpreisigen SUV-Segment. Preiswerte Elektroautos gibt es hingegen selten. Und das liegt kurioserweise wohl auch an der staatlichen Subvention.
Front eines Mustang Mach-E im Sonnenlicht.
Preiswerte Elektroautos sind noch Mangelware, trotz Förderung - und die soll wie geplant auslaufen.Bildquelle: Adrian N / Unsplash

Wer sich gegenwärtig für ein neues Elektroauto entscheidet und mit einer schnellen Zulassung des erworbenen Fahrzeugs rechnen kann, darf mit der sogenannten Innovationsprämie kalkulieren. Diese Förderung, auch bekannt als Umweltbonus, teilt sich in einen staatlichen Anteil und einen Hersteller-Anteil auf. In der Spitze reduziert der Bonus den Neuwagenpreis um bis zu 6.750 Euro. Allerdings läuft die Subvention spätestens im Jahr 2025 aus und es sieht nicht so aus, als würde es nochmals eine Verlängerung geben. Und das, obwohl das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 rund 15 Millionen Stromer auf deutschen Straßen verkehren zu lassen, krachend zu scheitern droht.

Günstige Elektroautos müssen her

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Bernd Reuther, sagte laut eines Berichts des „Handelsblatt“: „Ich sehe da die Hersteller in der Pflicht, günstigere Elektroautos anzubieten.“ Reuther argumentiert: Wenn der Staat die Preise dauerhaft subventioniere, seien Preissenkungen durch die Automobilkonzerne nicht zu erwarten. Ähnlich sieht es der verkehrspolitische Sprecher der Grünen. Es müsse darum gehen, mit den Herstellern verstärkt in den Dialog zu treten, damit die nicht mehr nur große E-Autos bauen, „sondern eben auch kleine und mittlere Pkw zu günstigen Preisen.“

Die gibt es auch schon. Fahrzeuge wie der Renault Zoe, der Fiat 500 Electric, der Peugeot e-208 oder der Opel Corsa Electric erfreuen sich bei einer preissensiblen Kundschaft großer Beliebtheit. Zum Teil wurde das Ende der kleinen Stromer aber auch bereits wieder eingeläutet. Das trifft zum Beispiel auf den Renault Zoe zu, aber auch auf den Zweisitzer Smart Fortwo oder den BMW i3. Umso wichtiger ist es, dass andere Hersteller mit günstigen Elektroautos die Lücken schließen. Insbesondere Hersteller aus Asien lassen hier bisher aber auf sich warten. Aus gutem Grund: Mit SUVs und größeren Elektroautos ist eine höhere Rendite zu erzielen. So stellte beispielsweise Kia jüngst den Preis für den neuen Kia EV9 vor. Grundpreis: 83.190 Euro. Für Otto-Normal-Bürger kaum zu finanzieren; auch wenn es sich zum Verkaufsstart nur um das Modell mit Top-Ausstattung handelt.

Bundesregierung hält an eigenen Zielen fest

Dennoch ist man laut „Handelsblatt“-Recherchen in Berliner Regierungskreisen überzeugt, die im Koalitionsvertrag beschlossenen Elektroautos-Ziele noch zu erreichen. Dabei gehe es nicht nur darum, möglichst viele E-Autos auf deutsche Straßen zu schicken, sondern auch um den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Hier hinkt nicht nur der Bund hinterher, auch in viele Kommunen sind speziell Schnellladesäulen ein eher seltenes Gut. Schon heute kommt es an den wenigen Schnellladepunkten zum Teil zu langen Wartezeiten. Würden mehr E-Autos auf den Straßen verkehren, wäre der Unmut über die mangelhafte Verfügbarkeit in der Bevölkerung vorwiegend zu Stoßzeiten am Wochenende noch sehr viel größer.

Teil der Wahrheit ist aber auch, dass es zwar Interessenten gibt, die mehr öffentliche Schnellladesäulen bauen möchten, die Genehmigungsverfahren aber oft viel zu lange dauern. Zum Teil müssen Ladesäulenbetreiber ein Dreivierteljahr auf einen Anschluss ihrer Infrastruktur bei den örtlichen Stadtwerken warten. Wenn sich an diesem Flaschenhals nichts ändert, wird der Unmut an Fahrern von Elektroautos schon bald stark zunehmen. Die Bundesregierung möchte zwar mit einem eigens ins Leben gerufenen Masterplan gegensteuern, aber selbst dort kommt es zu Verzögerungen. Wie man das Blatt auch dreht und wendet: Bezüglich des Ausbaus der E-Mobilität ist in Deutschland noch viel zu tun.

Bildquellen

  • Brandgefährlich: ADAC warnt vor Ladeanschluss an Elektroauto: GWM
  • Günstige Elektroautos? Das Drama geht weiter!: Adrian N / Unsplash

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