Experte ist sich sicher: Das Fahrrad interessiert niemanden mehr - der Grund ist verblüffend

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Das Fahrrad ist tot. Es wird auch nicht mehr lebendig. Das zeichnete sich bereits vor einigen Jahren ab. Die Verkäufe von Fahrrädern stagnierten. Doch dann veränderte sich etwas. Heute geht der Trend sogar zum Zweit- oder Drittrad. Also was nun, tot oder lebendiger als je zuvor?
Experte ist sich sicher: Das Fahrrad interessiert niemanden mehr - der Grund ist verblüffend
Experte ist sich sicher: Das Fahrrad interessiert niemanden mehr - der Grund ist verblüffendBildquelle: Jonny Kennaugh / Unsplash

Im Jahr 2014 hat die Fahrradindustrie in Deutschland 2,16 Milliarden Euro umgesetzt. Die Fahrradverkäufe stagnierten. Vor zwei Jahren dann, also 2020, verdreifache sich der Umsatz auf fast 6,5 Milliarden Euro. Was ist passiert? Nun, ein einfacher Elektromotor mit angehängter Batterie machten aus dem Fahrrad ein E-Bike. Das Rad war neu erfunden. Denn plötzlich waren Steigungen auch für Nicht-Profis kein Problem mehr. Auf einmal konnte man zur Arbeit radeln, ohne verschwitzt anzukommen. Hinzu kamen weitere Faktoren wie der Umweltschutz und immer weiter steigende Spritpreise. Und nun zeichnet sich etwas ab, das vorhersehbar war.

Für die Fahrrad-Branche ändert sich alles

„Der Trend zum E-Bike wird sich fortsetzen“, sagt der Chef des Onlinehändlers Bike24, Andrés Martin-Birner im Interview mit der Zeit. Zudem rechne er damit, dass bald fast alle neuen Fahrräder einen Motor haben. Das Fahrrad ist also tot. Hoch lebe das Fahrrad. Nur mit Motor und Akku. Also muss es richtigerweise heißen: Hoch lebe das E-Bike. Martin-Birner ist sich sicher: „Allein die besonders Sportlichen werden weiterhin ein Rad ohne Unterstützung kaufen.“ Für die Fahrrad-Branche ändere das alles.

Wer mit dem E-Bike hier lang fährt, muss 350 Euro zahlen

Denn: Wer früher etwa aufgrund seines hohen Alters eher aufs Auto zurückgegriffen hat, kommt mit einem E-Bike deutlich entspannter vorwärts als mit dem guten alten Fahrrad. Das weiß auch Bike24-Chef. „Ja, das E-Bike ändert alles. Früher hätten sich ältere Menschen eher keine Tour in den Alpen zugetraut. Jetzt machen ganze Familien Fahrradurlaub in den Bergen, die E-Bikes minimieren die Leistungsunterschiede“, erklärt Martin-Birner. So können auch schwächere Radfahrer mit sportlichen mithalten. Und umgekehrt müssen die sportlichen Radfahrer nicht ewig auf die weniger sportlichen warten.

Die Zukunft gehört dem E-Bike, selbst im Winter

Der plötzliche Anstieg der Fahrradverkäufe lässt sich also vor allem mit dem E-Bike erklären. „Alte Räder werden durch welche ersetzt, die technisch auf dem neusten Stand sind“, sagt Martin-Birner. Der Trend gehe sogar zum Zweit- und Drittrad. „Gerade in den Städten kaufen sich viele ein Rad zum Pendeln und ein Rad für sportliche Touren.“ Selbst im Winter fahren immer mehr Menschen mit dem Fahrrad. „Das sehen wir daran, dass mehr Winterbekleidung bestellt wird“, sagt der Bike24-Chef im Gespräch mit der Zeit.

Aus Drahtesel wird Holzesel: So fährt sich ein E-Bike aus Holz

Die Zukunft, so ist sich Martin-Birner sicher, gehöre dem E-Bike. Doch das sind nicht die einzigen Trends, die der Experte sieht. Elektrische Schaltungen, die sich per Funk steuern lassen und breitere Reifen seien ebenfalls im Kommen. Bei letzterem spiel ebenfalls der E-Antrieb eine große Rolle. Denn ohne Motor lässt sich ein Fahrrad mit breiten Reifen nur schwer vorwärts bewegen. Das E-Bike hingegen rollte von allein los und hält die Geschwindigkeit, sobald man nur leicht in die Pedale tritt.

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4 KOMMENTARE

  1. Nutzerbild Paul

    Dann müssen aber auch die Radwege in den Städten dafür auch ausgebaut werden, und einige Wege für Radfahrer gesperrt und ausschließlich für Fußgänger erlaubt sein. Denn bis bisher kombinierten Fußgänger/Radfahrer-Wege sind mit den vielen E-Rädern und Lastenrädern mittleweile lebensgefährlich für Fußgänger mit Kindern oder Hunden. Wenn da ein (E-)Rad-Rambo mit 30 Sachen an einem vorbeizieht, ist das jetzt schon was anderes, als der jemand im gemächtlichen, gemütlichen Tempo an einem vorbeiradelt. Schließlich sind dort auch Mopeds oder Roller nicht erlaubt – aus gutem Grund.

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  2. Nutzerbild Karl

    @Paul

    Moin.

    Mit dem Ausbau der Radwege gebe ich ihnen Recht. Aber bei der Geschwindigkeit geht ich nicht mit. Ein Pedelec darf mit Unterstützung nur 25 kmh fahren. Ich selbst fahre ohne Motor locker 30 kmh. Da ich seid Jahren mountenbike/Rennrad Fahrer bin. Ich denke da macht es keinen Unterschied ob E-Bike oder biobike. Gegenseitige vor- und Rücksichtnahme ist hier entscheidend.

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  3. Nutzerbild Oh man

    Also I h fahre 30kmh ohne e antrieb und viele andere auch.
    Fussgänger sollten auf dem Fußweg bleiben dann passiert den auch nichts auf dem Fahrradweg.
    Möchte mal wissen was die ganzen Nörgler in einer Großstadt machen würden?

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  4. Nutzerbild Oliver König

    Es sollten auch die E-Trail-MTBs aus den Wäldern verbannt werden. Als Spaziergänger mit Hund fühle ich mich im Wald immer mehr wie auf der Flucht, immer voraus und nach hinten und um mich schauend, seit so viele E-MTBs im Wald herumfahren. Vor allem auf schmalen Pfaden ist es eine Plage geworden. Die E-MTB Fahrer verhalten sich überwiegend rücksichtslos den Fußgängern im Wald gegenüber und beanspruchen die jederzeitige Vorfahrt für sich. Es ist zunehmend gefährlich und stressig geworden.

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