Noch neun Tage, dann wird es laut. Wenn am Donnerstag, dem 10. September, um 11 Uhr dein Handy losschrillt, ist niemand dran, den du kennst. Kein Betrugsversuch. Kein Spam. Keine Werbung. Millionen Smartphones in Deutschland geben in dieser Minute einen Ton von sich, unabhängig davon, ob sie auf lautlos stehen. Dahinter steckt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Der Anlass ist der bundesweite Warntag.
Was am 10. September passiert
Um 11 Uhr schickt das BBK eine Probewarnung über das Modulare Warnsystem des Bundes, kurz MoWaS. Von dort läuft sie zeitversetzt weiter an Radio- und Fernsehsender, an die Server der Warn-Apps und an die Mobilfunknetze. Gegen 11:45 Uhr folgt die Entwarnung. Ob bei dir zusätzlich Sirenen heulen, hängt vom Wohnort ab: Die Teilnahme der Kommunen ist freiwillig, schreibt das BBK auf seiner Warntag-Seite.
Es ist der sechste bundesweite Warntag. Der erste lief am 10. September 2020, also exakt am selben Kalendertag. Und er ging gründlich daneben. Warnmeldungen kamen verspätet an oder gar nicht. Seitdem hat sich einiges getan.
Das ist 2026 neu, und das solltest du jetzt einstellen
Erstmals kommt bei einem bundesweiten Test auch die Entwarnung per Cell Broadcast aufs Handy. Die Funktion hat das BBK nach eigenen Angaben am 25. November 2025 freigeschaltet, beim Warntag im September 2025 gab es sie noch nicht. Klingt nach einer Randnotiz. Ist es aber nicht. Denn die Entwarnung läuft laut BBK automatisch in Warnstufe 3, der niedrigsten Stufe, offiziell „Gefahreninformation“. Das soll die Geräuschbelastung senken. Es bedeutet aber auch: Wer diese Stufe auf dem Handy abgeschaltet hat, hört um 11 Uhr den Alarm und um 11:45 Uhr nichts.
Willst du das vermeiden, solltest du die Einstellung in deinem Handy überprüfen. Das dauert eine Minute. Tippe in die Suche deiner Handy-Einstellungen „Notfall“ oder „Warnmeldung“ ein und schalte alle Stufen ein, auch die unterste.
Warum Cell Broadcast keine SMS ist
Cell Broadcast verschickt keine Nachricht an einzelne Rufnummern. Die Warnung wird stattdessen in ausgewählten Funkzellen ausgestrahlt, ungefähr so, wie ein Radiosender auf einer Frequenz sendet. Beim bundesweiten Warntag erfolgt das bundesweit, bei lokalen Meldungen wie einem Großbrand nur regional. Jedes empfangsbereite Handy in der Zelle bekommt sie gleichzeitig. Anmelden musst du dich nirgends, deine Nummer kennt niemand, gespeichert wird nichts. Und weil die Meldung nicht durch den normalen Datenverkehr muss, kommt sie selbst dann noch durch, wenn das Netz unter Volllast steht. Genau das ist im Ernstfall der Unterschied zur SMS oder einer App.
Das Handy muss eingeschaltet sein, darf nicht im Flugmodus stecken und braucht Empfang. Das BBK nennt außerdem mindestens Android 11 oder iOS 16.1. Bei älteren Geräten, für die der Hersteller keine Updates mehr liefert, ist deshalb oft Schluss. Denn diese Form des Cell Broadcast wurde erst 2020 eingeführt.
Und wenn dein Handy am 10. September stumm bleibt? Dann ist das kein Beleg dafür, dass alles funktioniert hat. Sondern ein Grund, nachzusehen. Denn im echten Notfall kann ein solcher Alarm Leben retten. Eingeführt wurde der Dienst nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 und dem Versagen der App-Warnungen beim Warntag 2020.

