Die beste Apple-App, die keiner nutzt, wird noch besser

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Auf jedem iPhone liegt eine App, die dir jeden Tag Arbeit abnehmen könnte. Doch auf den meisten Geräten wurde sie vermutlich noch nie geöffnet. Mit Apple Intelligence fällt jetzt die größte Hürde der App weg.
Apple iPhone 17 Pro Max Display
iOS 27 BetaBildquelle: inside digital

Die Kurzbefehle-App ist meiner Meinung nach eines der mächtigsten Werkzeuge im Apple-Ökosystem. Hiermit kannst du Smart-Home-Geräte steuern, Fotos verarbeiten, Nachrichten verschicken, oder Befehle anhand von Ladezuständen und WLAN-Verbindungen erstellen. Wer die App beherrscht, kann sein iPhone Dinge tun lassen, für die es auf Android eigene Apps braucht. Und dennoch gerät die App bei fast allen Nutzern in Vergessenheit.

Kurzbefehle-App: Beschreiben statt bauen

Der Grund ist kein Geheimnis: Wer bisher eine Automation bauen wollte, musste sich durch einen Baukasten aus Hunderten von Aktionen klicken, sie einzeln aneinanderreihen, mit Variablen füttern und in Bedingungen verschachteln. Das fühlt sich weniger nach iPhone an, sondern eher nach Programmieren mit Bauklötzen.

Die Folge bleibt die gleiche: Ein kleiner Kreis von Enthusiasten baut damit beeindruckende Konstruktionen und teilt sie in Foren. Alle anderen öffnen die App einmal, scrollen durch die Aktionsliste und schließen sie wieder. Die Idee für eine sinnvolle Automation hat fast jeder. Die Geduld für den Zusammenbau haben die wenigsten.

Doch die Befehle gehen über Apps hinaus. Zwei Beispiele, die ich täglich nutze. Sobald sich mein iPhone mit meinem Heim-WLAN verbindet, werden die mobilen Daten automatisch deaktiviert. Andersherum genauso. Oder: Wenn ich YouTube öffne, wird die Ausrichtungssperre aufgehoben, damit ich, ohne selbst etwas dafür tun zu müssen, im Querformat mein Video gucken kann. Und wenn ich die YouTube-App schließe, wird die Ausrichtungssperre wieder aktiviert. Eventuell liegt es daran, dass ich aus dem Smart-Home-Bereich komme und deshalb eine Faszination für Automationen habe. Fakt ist aber, dass genau diese „unsichtbaren“ Automationen echte Alltagshelfer sind bei der Nutzung von Apple-Geräten.

Screenshot aus der iPhone-Kurzbefehle-App
Screenshot aus der iPhone-Kurzbefehle-App Image source: Thomas Kern / inside digital

Mit der nächsten Generation von Apple Intelligence geht Apple jetzt den nächsten Schritt. Die wichtigste Neuerung: Du musst deinen Kurzbefehl nicht mehr zusammensetzen, sondern beschreibst ihn nur noch. Statt Aktionen einzeln zusammenzuklicken, sagst du in normaler Sprache, was du automatisieren willst. Und die Kurzbefehle-App stellt die nötigen Schritte selbst zusammen.

Ein mit Apple Intelligence erstellter Kurzbefehl
Ein mit Apple Intelligence erstellter Kurzbefehl Image source: Thomas Kern / inside digital

Auch das Nachbessern läuft so: Passt etwas nicht oder soll später eine Kleinigkeit dazu, beschreibst du die gewünschte Änderung, statt sie manuell nachzubauen. Damit entfällt der zweite Frustpunkt der App, da man bisher einen einmal gebauten Ablauf bei jeder Anpassung wieder aufdröseln musste.

Möglich ist das nicht nur für Apple-Apps wie Erinnerungen, Mail oder Apple Notizen, sondern auch mit „externen“ Apps wie Notion. Wobei die Anzahl der verfügbaren Befehle von App zu App deutlich variieren kann.

Warum das mehr ist als ein Komfort-Update

Der eigentliche Fortschritt liegt nicht in neuen Fähigkeiten. Die Kurzbefehle-App konnte den Wecker schon immer nach dem Kalender stellen und das Licht auf eine Mitteilung hin schalten. Es hat nur kaum jemand eingerichtet, weil zwischen Idee und Ergebnis zwanzig Minuten Fummelei lagen.

Wenn diese zwanzig Minuten auf einen gesprochenen Satz zusammenschrumpfen, ändert sich die Nutzungsschwelle grundlegend. Automationen lohnen sich dann nämlich auch für Kleinigkeiten, die den Aufwand bisher nicht wert waren. Genau davon gibt es im Alltag deutlich mehr als von den großen, durchdachten Abläufen. Aus einer Bastelbude für Enthusiasten könnte so eine App werden, die man nebenbei benutzt. Das ist ein größerer Sprung, als es auf der Präsentationsfolie aussieht.

Interessant ist auch, dass Apple hier eine Systemfunktion aufwertet, statt sie durch einen Chatbot zu ersetzen. Der erzeugte Kurzbefehl bleibt ein sichtbarer, editierbarer Ablauf, den man weiterhin von Hand anpassen kann. Die KI ersetzt den Baukasten nicht, sie bedient ihn für dich.

Fotos: nachträglich einen Schritt zur Seite gehen

Die zweite große Baustelle ist die Fotos-App. Eine weitere technisch spannende Neuerung von iOS 27. Bisher konnte man ein Bild zuschneiden, aufhellen, entzerren. Was man nicht ändern konnte, war der Standpunkt, von dem aus es aufgenommen wurde. Genau das geht jetzt: Du verschiebst die Perspektive einer Aufnahme nachträglich, als wärst du beim Fotografieren einen Schritt zur Seite gegangen. Dafür ziehst du das Bild mit dem Finger und siehst in einer Echtzeit-Vorschau, wie sich der Blickwinkel ändert.

Apple Intelligence Funktion in iOS27
Apple Intelligence Funktion in iOS27 Image source: Thomas Kern / inside digital

Möglich macht das laut Apple das räumliche Verständnis, das sich der Konzern mit der Vision Pro erarbeitet hat. Wichtig dabei: Neue Bildinhalte werden nur dort erzeugt, wo sich die Perspektive tatsächlich verschiebt. Der Rest der Szene bleibt das, was die Kamera aufgenommen hat. Es entsteht also kein komplett neu erfundenes Bild, sondern eine korrigierte Version des Originals.

Das klingt nach einer Spielerei, löst aber ein sehr reales Problem: der halbe Mülleimer am Bildrand, der schiefe Winkel auf das Gebäude, der Kopf, der von rechts ins Bild ragt. Alles Situationen, in denen man beim Auslösen einfach einen halben Meter falsch stand und die sich bislang nur durch Wegschneiden retten ließen.

Ein zweites Werkzeug arbeitet in die Gegenteilrichtung und füllt Bildränder auf. Damit gibst du Motiven mehr Luft, begradigst einen schiefen Horizont oder passt das Seitenverhältnis an, ohne etwas Wichtiges wegzuschneiden. Und die fehlenden Bereiche werden durch KI ergänzt. Praktisch ist das vor allem, wenn aus einem Querformat ein Sperrbildschirm-Hintergrund werden soll. Was zudem bemerkenswert ist: Das ist nicht nur mit Fotos möglich, die mit dem iPhone gemacht wurden, sondern mit allen Bildern.

Bereinigen wird endlich brauchbar

Das seit iOS 18 bekannte Bereinigen hat Apple stark überarbeitet. Störende Objekte verschwinden jetzt sauberer und mit realistischeren Ergänzungen, und das auch in komplexen Szenen. Das war bislang die größte Schwäche der Funktion, die bei gemusterten Hintergründen oder Menschenmengen gern verschmierte Flächen hinterließ. Ein Detail für alle, die KI-Bearbeitung skeptisch sehen: Jedes mit Apple Intelligence bearbeitete Foto erhält ein unsichtbares SynthID-Wasserzeichen. Damit lässt sich später nachvollziehen, dass nachgeholfen wurde.

Was EU-Nutzer beachten müssen

Bei all dem Ärger um Siri geht eine wichtige Information unter: Die neuen Kurzbefehle- und Fotos-Funktionen gehören zu Apple Intelligence, nicht zu Siri AI und kommen damit auch auf europäische iPhones.

Das runderneuerte Siri AI startet in der EU nämlich nicht auf iPhone und iPad. Apple begründet das mit dem Digital Markets Act: Nach Auslegung der Regulierer müsste der Konzern allen virtuellen Assistenten denselben tiefen Zugriff auf Geräte und persönliche Daten geben, inklusive der Möglichkeit, Nachrichten zu lesen und zu senden, Käufe zu tätigen und Aktionen in beliebigen Apps auszuführen. Ein von Apple vorgeschlagener Vermittler und eine gestaffelte Einführung über 18 Monate wurden von der EU-Kommission abgelehnt. Einen Zeitplan gibt es nicht.

Konkret fehlen dir auf dem iPhone die eigene Siri-App zum Nachschlagen von Konversationen, die erweiterte Visual Intelligence, die integrierten Schreibtools und der Siri-Modus in der Kamera. Auf macOS 27 und visionOS 27 ist Siri AI in der EU dagegen verfügbar.

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