Deutschlands Heizstandards liegen europaweit zurück – was wir von den kältesten Nationen Europas lernen müssen

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Deutschland ist nicht in allen technologischen Bereichen so zukunftsweisend, wie wir es gern wären. Im Verhältnis zu anderen europäischen Ländern fällt die Beurteilung unserer verwendeten Heizsysteme geradezu traurig aus. Dabei könnten wir uns an allen skandinavischen Ländern ein Beispiel nehmen.
Deutschlands Heizstandards liegen europaweit zurück – was wir von den kältesten Nationen Europas lernen müssen
Deutschlands Heizstandards liegen europaweit zurück – was wir von den kältesten Nationen Europas lernen müssenBildquelle: Vaillant

Klimafreundliches und kostengünstiges Heizen sollte ein Ziel sein, nachdem alle europäischen Länder streben. Nicht nur zum Schutze es Klimas, sondern auch um die Heizkosten in zahlreichen Häusern nachhaltig zu senken. Einige Länder scheinen diese Entwicklung weitaus schneller und besser voranzubringen als Deutschland. Wie eine aktuelle Statistik der European Heat Pump Association (EHPA) beweist, liegen Deutschlands Heizstandards europaweit zurück. Die Absatzzahl von Wärmepumpen pro 1.000 Haushalte liegt in Deutschland gerade mal bei 6,72 und verschafft uns lediglich einen traurigen Platz 19 unter 21 erfassten Ländern. Nur in Ungarn und Großbritannien sehen die Absatzzahlen für Wärmepumpen noch schlechter aus. Spitzenreiter hingegen sind ausgerechnet Europas skandinavischen Ländern, die mit wesentlich tieferen Temperaturen zu kämpfen haben.

Skandinavische Länder Vorreiter in Wärmepumpen-Technologie

Die Anzahl der verkauften Wärmepumpen pro 1.000 Haushalte ist nirgendwo größer als in den kältesten Ländern Europas. Finnland sichert sich mit 69,36 verkauften Wärmepumpen pro 1.000 Haushalte den ersten Platz, dicht gefolgt von Norwegen mit 59,87 und Schweden mit 39,34 Wärmepumpen. Doch wie gelingt es unseren Nachbarländern, einen derart hohen Umsatz an Wärmepumpen unter Menschen zu bringen? Verantwortlich dafür sind mehrere Faktoren. Allen voran unterstützen die skandinavischen Länder bereits den Einsatz der erneuerbaren Heiztechnik seit Jahren. Deutschland hingegen begann im Verhältnis sehr viel später damit, den Einbau von Wärmepumpen durch Fördergelder voranzubringen. Dazu sind die Kosten für Installation und Anschaffung von Wärmepumpen in Deutschland im europäischen Mittel besonders teuer. Viele Haushalte greifen daher zu einer günstigeren Heizalternative oder versuchen den Austausch der Heizung noch länger hinauszuzögern. Gerade skandinavische Länder schlagen deutsche Installationen um das Fünf- bis Zehnfache.

Dabei sollten wir uns ein Beispiel am Heizstandard in den kältesten Ländern Europas nehmen. Sie sehen sich viel niedrigeren Temperaturen ausgesetzt als Deutschland und benötigen daher erst recht effiziente Heizsysteme. Wie erfolgreich sich die Technologie bereits seit mehreren Jahren in den skandinavischen Nationen durchsetzt, sollte ein Signal für Deutschland sein, dass Wärmepumpen auch langfristig effizient und günstig heizen. Selbst bei hohen Minustemperaturen vor der eigenen Haustür. Allein dadurch sollten sich häufige Vorurteile gegenüber der Technologie, dass sie im Winter ausfällt oder die Gebäude nicht richtig aufwärmt, eigentlich entkräften. Und dennoch scheinen deutsche Haushalte bevorzugt an ihren Jahrzehnten alten fossilen Heizungen festzuhalten.

Wärmepumpe als verschmähtes Heizsystem in Deutschland

Laut einer aktuellen Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zählt die Wärmepumpe noch lange nicht zum beliebtesten Heizsystem in Deutschland zählt. Obwohl allein im Jahr 2022 rund 275.697 Exemplare in Deutschland verkauft wurden, dominieren noch immer Erdgas und Heizöl Deutschlands Heizstandards. Dabei sind die meisten der eingebauten Heizungen bereits über 20 Jahre alt. Besitzer sollten somit darüber nachdenken, ob eine Investition in eine langfristig günstigere und effizientere Heiztechnologie nicht sinnvoll wäre. In Deutschland jedoch ist der Einbau einer Wärmepumpe um ein Vielfaches teurer als in anderen europäischen Ländern. Während mancherorts die gleiche Wärmepumpe für 8.000 Euro inklusive Einbau erhältlich ist, müssen in Deutschland schnell 15.000 bis 30.000 Euro für das gleiche Modell gezahlt werden. Selbst mit den Fördermitteln der Regierung fallen die Investitionskosten für Haushalte so hoch aus. Mit dem Aussetzen aktueller Fördergelder können noch weniger Hausbesitzer die Kosten für die neuen Heizsysteme stemmen.

Einen Lichtblick am Ende des Tunnels kann man dennoch erkennen. Obwohl der Absatz von Wärmepumpen pro Haushalt in Deutschland gering ausfällt, ist die gesamte Anzahl der verkauften Heizsysteme in 2022 erfreulich hoch ausgefallen. Betrachtet man die europäischen Länder nach der Menge der verkauften Einheiten, erreicht Deutschland mit 275.697 verkauften Exemplaren zumindest Platz 3 der Liste. Noch höher war der Verkauf von Wärmepumpen mit 513.535 Stück in Italien sowie 621.776 Wärmepumpen in Frankreich. Sowohl in Italien und Frankreich war der Absatz pro 1.000 Haushalte dabei mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland.

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1 KOMMENTAR

  1. Nutzerbild W. Janker

    Toller Artikel der Wärmepumpen- Lobby. Es wird allerdings nicht erwähnt, dass in den skandinavischen Länder vorwiegend schon immer mit Strom geheizt wird und es im Winter keine Unterschiede macht, wenn statt der Wärmepumpe der elektr. Zuheizer für die notwendigen Temperatur sorgt.
    Weiterhin liegt der Strompreis in Skandinavien nur bei 55% (600 KKS) des Kaufkraftstandards von dem von Deutschland (1100 KKS). Außer aus Wasserkraft und Erdgas stammt der Strom dort zu einem großen Teil aus Atomkraft.
    Das in Südeuropa im Winter gerne mit der eh vorhandenen Klimaanlage geheizt wird ist ja auch nicht neu und wird inzwischen auch in manchen deutschen Mietshäusern verbaut.

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