8.000 Euro für einen Glasfaseranschluss: So geht der Ausbau nach hinten los

5 Minuten
Milliardenschulden, halbfertige Netze und zu wenig Kunden: Am Ende kostet ein einziger aktiver Anschluss rechnerisch rund 8.000 Euro Baukosten. Und das wird einem Anbieter nun möglicherweise zum Verhängnis.
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Glasfaser-Ausbau bei der "Deutsche Glasfaser"Bildquelle: Deutsche Glasfaser

Auf dem Papier klang alles groß: Deutsche Glasfaser wollte 6 Millionen Haushalte erreichen. Tatsächlich waren es Ende 2024 nur 2,6 Millionen „Homes Passed“, also Haushalte, die theoretisch am Netz hängen könnten. Unter Vertrag sind nach Schätzungen aus der Branche etwa 1,5 Millionen Haushalte. Wirklich aktiv, also zahlend und geschaltet, sind aber nur etwa 800.000 Anschlüsse. Dem stehen enorme Schulden gegenüber. In Summe liegen die Verbindlichkeiten bei grob 7 Milliarden Euro. Diese Schuldenlast steckt jetzt in einem Netz, das viel weniger aktive Kunden trägt als geplant. Schon vor einigen Wochen sickerte durch, dass der Anbieter sich in Schieflage befindet und Personal abbaut. Nun berichtet die WirtschaftsWoche sogar über mögliche Übernahmen.

So viel kostet der Glasfaserausbau

Dass der Ausbau von Glasfasernetzen nicht aus der Portokasse bezahlt werden kann, ist allgemein bekannt. Nach Branchenangaben kostet ein fertiger Glasfaser-Anschluss im Schnitt 1.699 bis 3.900 Euro. Die Unterschiede ergeben sich durch die verschiedenen Regionen, in denen ein Anbieter ausbaut. Allgemein ist der Ausbau pro Haushalt in der Stadt günstiger als auf dem Land.

Die ländlichen Regionen sind es, in denen die Deutsche Glasfaser ihr Netz ausgebaut hat. Der Grund: Hier gibt es allgemein weniger Breitbandanschlüsse. Die Hoffnung: Die Kunden rennen dem Anbieter die Bude ein, sobald er ausbaut. Dass das nicht der Fall ist, zeigen die nackten Zahlen. Denn statt der ursprünglich geplanten 6 Millionen Anschlüsse hat die Deutsche Glasfaser bisher nur 2,6 Millionen gebaut – und das auch nur auf Basis von „Homes Passed“. Tatsächlich aktiviert sind laut Marktstudien aber nur 800.000. Nur diese Anschlüsse bringen Umsatz.

Nimmt man nun das Investment von knapp 7 Milliarden Euro und stellt es ins Verhältnis zu diesen 800.000 aktiven Anschlüssen, ergibt sich ein Kapitaleinsatz pro Anschluss von rund 8.000 Euro. Das ist weitaus mehr als das, was die Branche im Schnitt angibt.

8.000 Euro pro Anschluss – und die lange Rechnung dahinter

Für dich als Kunden wirken die Kosten für einen Glasfaseranschluss zunächst überschaubar. Im Rahmen des Erstausbaus zahlst du in der Regel nichts, ein Anschluss kostet dann monatlich 40 bis 90 Euro Listenpreis nach Ablauf der Neukundenpromotion. Aus Investorensicht sieht die Rechnung anders aus. Wenn ein Anschluss im Schnitt rund 8.000 Euro Investment verschlingt, brauchst du selbst bei 50 Euro Monatsumsatz deutlich mehr als 13 Jahre, bis sich diese Investition überhaupt rechnet – und das ohne Rabatte, Störungen, Ausfälle, steigende Betriebskosten oder einen Euro Gewinn. Das ist deutlich länger, als private Investoren ansetzen.

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Das eigentliche Problem ist die Lücke zwischen gebautem Netz und zahlenden Kunden. Die Kennzahl „Homes Passed“ wurde von Investoren und Managern lange als Hauptmaßstab gefeiert. Gebaut wurde auf Vorrat: möglichst schnell möglichst viele Straßen aufreißen, damit irgendwann möglichst viele Haushalte bestellen. Nur ist diese Nachfrage in der Realität deutlich schwächer gewachsen als in den Planungen. Insider berichten auch, dass zahlreiche Hausstiche nicht gemacht wurden, wenn die Hauseigentümer kein Interesse hatten. Eine Nachverdichtung bei späterem Interesse finde nicht oder kaum statt. Hinzu kommen Verzögerungen: In vielen Orten warten Kundinnen und Kunden teils jahrelang zwischen Vertragsabschluss und tatsächlicher Aktivierung. Das Problem hier: Die Vertragslaufzeit beginnt mit Unterschrift, die Kunden sind möglicherweise verloren, wenn der Anschluss irgendwann gebaut wird.

Was die Zahlen über den Markt verraten

Die Kombination aus 7 Milliarden Euro Schulden, nur 2,6 Millionen erreichten Haushalten und 800.000 aktiven Anschlüssen zeigt, wie dünn die Basis für den Glasfaser-Boom zum Teil war. Der Ausbau lief größtenteils auf Pump, getragen von der Hoffnung auf schnelle Kundenzuwächse. Jetzt prallen diese Erwartungen auf eine Realität, in der viele Menschen mit ihrem bisherigen Anschluss schlicht zufrieden sind.

Für dich heißt das: Glasfaser bleibt technisch sinnvoll, aber wirtschaftlich ist das Modell bei der Deutschen Glasfaser ausgereizt. Die 8.000 Euro pro aktivem Anschluss sind keine abstrakte Zahl, sondern der Preis für zu viel Tempo, zu viel Schulden und zu wenige zahlende Kunden.

Wie es mit der Deutschen Glasfaser weitergeht, hängt laut WirtschaftsWoche (Paywall) jetzt vor allem von ihren Eigentümern ab. Hauptgesellschafter sind der schwedische Finanzinvestor EQT und der kanadische Pensionsfonds Omers, die den aggressiven Ausbaukurs der vergangenen Jahre finanziert und vorangetrieben haben. Entsprechende Berater, die die Finanzen neu ordnen sollen, seien bereits an Bord. Scheitert dieser Plan oder reicht er den Geldgebern nicht, rücken laut WiWo Verkäufe von Netzen oder ganzen Unternehmensteilen in den Mittelpunkt – ob an etablierte Anbieter wie Telefónica oder 1&1 oder an neue Investoren ist komplett offen. EQT und Omers müssten dann Abschläge auf ihr Investment akzeptieren. Für dich als Kunden würde sich vor allem der Name auf der Rechnung ändern, nicht unbedingt der Anschluss selbst. Wartest du aber aktuell darauf, dass die Deutsche Glasfaser bei dir in der Straße die Bagger rollen lässt, ist die Wahrscheinlichkeit dafür deutlich gesunken.

Unterm Strich zeigen die Probleme der Deutschen Glasfaser aber, in welchem Dilemma der Markt steckt. Der Ausbau von Glasfasernetzen ist eine Wette auf die Zukunft, von der alle überzeugt sind. Denn dass ein Glasfaser-Anschluss auf lange Sicht alternativlos ist, gilt als Konsens. Das Problem ist, dass Stand heute nur wenige Kunden bereit sind, zur Glasfaser-Infrastruktur zu wechseln. Entweder, weil sie es aus verschiedenen Gründen nicht können (beispielsweise wegen fehlender Leitungen innerhalb von Mehrfamilienhäusern) oder weil sie mit ihrem DSL oder Kabelanschluss zufrieden sind. Auch die Deutsche Telekom ist mit ihren Buchungszahlen unzufrieden und ändert nun die Strategie.

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12 KOMMENTARE

  1. Nutzerbild Jan

    ich kenne viele Berichte von arbeitskollegen und deren bekannten.
    da kommen die deutsche Glasfaser und baut das Netz direkt vor der Tür aus, die setzen die Kunden unter Druck, es grenzt schon an Erpressung.
    wenn sie uns nicht nehmen dann werden sie zwei drei vier fünf acht zehntausend Euro zahlen müssen für diesen Anschluss.
    der wiederverkaufswert für euer Haus wird stark darunter leiden.
    und am Ende unterdrücken die mit voller Macht die Anbindung an anderen Anbietern und wollen ihre Kunden zwangsbinden zu hurentenpreisen.

    die haben es nur mehr als verdient Pleite zu gehen.
    die die Kunden sowas von unter Druck setzen sollten auch privat in Insolvenz gehen müssen.
    das ist das asozialste was man sich nur vorstellen kann.

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  2. Nutzerbild Simon

    Warum sollte ich auch für 50€ einen Vertrag für Glasfaser 100Mbit/s abschließen, wenn ich für 25€ einen herkömmlichen Anschluss mit 50-100Mbit/s bekommen kann. Daher ist die Nachfrage hier im Ort, in dem gleich drei Anbieter für Glasfaser werben, eher gering.

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    • Nutzerbild EDV

      Kostet kein €50. Unsinn, ich zahle €45 und habe 300Mb plus gratis Anschluss.
      Kritik ist gut, aber es gibt hier viel unsachliche Berichte.

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      • Nutzerbild Thorsten Neuhetzki inside digital Team

        Bitte richtig lesen, bevor man unsachliche Kommentare schreibt.

        Im Text steht: „ein Anschluss kostet dann monatlich 40 bis 90 Euro Listenpreis nach Ablauf der Neukundenpromotion“ und „brauchst du selbst bei 50 Euro Monatsumsatz“

        Ich gehe also für die Rechnung von einem Durchschnittspreis aus. Nicht jeder bucht 300 Mbit/s für 45 Euro, abgesehen davon zahlen Kunden, die heute den Anschluss buchen für 300 Mbit/s 49,99 Euro.

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  3. Nutzerbild Bernd

    Ich kann mich den Kommentaren nur anschließen. Um meine aktuelle DSL-Leistung mit „500Mbit/s Festnetz- und Mobilfunk-Flatrate“ zu erhalten, müsste ich bei der Deutschen Glasfaser 70,- Euro statt aktuell 40,- Euro bezahlen. Warum sollte ich so einen Vertrag abschließen?

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    • Nutzerbild Pedalhype

      Finanziell macht es nicht in jedem Fall sofort Sinn. Mir wäre es trotzdem wichtig, einen Glasfaseranschluss zu haben, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Durch die Promotionspreise sind die Kosten für 2 Jahre überschaubar. Danach kann man wieder zurück, wenn man die alte Leitung nicht anfasst. Je nachdem wo man wohnt, kommt ein neuerlicher Ausbau vielleicht nicht so schnell wieder.

      Bei meinen Großeltern auf dem Land haben wir dankend zugegriffen (DG), auch wenn sie die 50-fache Leitungskapazität nicht voll nutzen. Werden jetzt zu 1&1 wechseln, und sind dann fast bei den gleichen Kosten wie vorher für die schlechte 16 MBit DSLVerbindung.

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  4. Nutzerbild Hendrik

    die Zukunft ist mobil, bereits heute kann 5G von der Geschwindigkeit mithalten, 6G steht vor der Tür und spätestens mit 7G wird jedes Kabel überflüssig

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  5. Nutzerbild Paschagon

    Dann werden wir ja alle verstrahlt mit 7G auch nicht gut. Ich bleibe bei meinem Kabel, glasfaser brauche ich nicht.

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  6. Nutzerbild Eisenacher, Gerd

    Die Verstrahlung ist eher eingebildet. Die Strahlung von 5G ist geringer als die alten Funkstandards. (Rauchen.und Feinstaub sind dagegen erwiesenermaßen für tausende von Todesfällen verantwortlich)
    Ich dachte auch was brauch ich mehr als DSL, aber es ist störungsanfällig und unzuverlässig
    Glasfaser bei mir kaum teurer ist technisch viel besser weil überlegen.
    Der Anschluss ist kaum teurer,
    Wenn man sieht mit welch geringem Aufwand in anderen Ländern Glasfaser in anderen Ländern ausgebaut wird ( Ungarn 23€/Monat) fragt man sich warum das hier so teuer sein muss?

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  7. Nutzerbild Wappler

    bei uns wurde in der Straße Glasfaserkabel verlegt. wir also ich und einige Nachbarn wollten gerne einen Anschluss im Haus haben und hätten auch ein Vertrag unterschrieben leider gab es aber keine Möglichkeit dafür. ein anderer Nachbar der weiter weg im Bereich wohnt gleiche Kabel befindet sich in der Grauzone und daher wurde auch der Anschluss bis ins Haus gelegt. das ist jetzt knapp drei Jahre her und obwohl er es gerne möchte wurde noch immer kein Anschluss ermöglicht. ich kann ja sieben Nachbarn die gerne an das Glasfasern des angeschlossen werden möchten und auch dementsprechend Verträge unterschreiben würden aber wie gesagt das ist schon knapp drei Jahre her dass die Leitung verlegt wurden und noch immer besteht keine Möglichkeit sich dort anschließen zu lassen! so viel zum Netzausbau in Deutschland!

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  8. Nutzerbild Kenny

    Ich schließe mich hier mal mit an, denn auch ich habe eine Gigabit Leitung über Kabelfernsehen. Dieser Kostet inkl. TV Vertrag 49,99€. Als Dankeschön, bekomme ich 2 Handy Verträge mit Unlimited Daten für insgesamt 34,99€ dazu. Warum sollte ich denn wechseln zu einer Gigabit Leitung, die 70€ kostet und dann meine Handyverträge dann jeweils 49,99€ kosten? Da hat dann von denen, nie einer eine Antwort drauf gehabt.
    Ich sag nur Armes Deutschland.

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  9. Nutzerbild Flow

    Ich habe mich schon immer gefragt, wer diese schnellen Leitungen überhaupt braucht im Privatbereich? ich habe immernoch meinen alten eazy Kabelvertrag Bei Vodafone für 18.99 im Monat mit 40 Mbit. TV inklusive. Damit streame ich alles problemlos.
    klar gibt es Vorteile im Glasfaser. aber wer braucht das zu Hause? es wird immer nur gesagt, dass wir überall Glasfaser brauchen und es sei besser. aber einem „normalo“ werden die Vorteile nirgendwo gesagt. Wieso sollte sich jemand umentscheiden wenn seine Leitung läuft?
    Ich fand diesen groß geplanten Ausbau von Anfang lustig und habe direkt gesagt, dass die wenige Leute damit bekommen.
    Auch in anderen Ländern, wo es besser klappt, ist das mehr ein Statussymbol als alles andere.

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