Bei Filterkaffee scheiden sich die Geister. Die einen mögen nach wie vor die alten Maschinen mit Filter, die langsam den dunklen Tropfen in die Glaskanne tröpfeln. Die anderen stehen mehr auf Pour over von Hand. Das eine ist billig im Einkauf, das andere kostet schon eher fünf Euro pro Tasse. Doch was, wenn du die volle Barista-Erfahrung auch zu Hause haben könntest, ohne selbst die Kanne schwingen zu müssen?
Ich habe die xBloom Studio Filterkaffee-Maschine getestet, die dir Pour-over- und Barista-Qualität liefern soll – und das vollautomatisch oder so individuell auf dich zugeschnitten, wie du es magst. Diese Maschine ist definitiv etwas für Hobby-Baristas und Filterkaffee-Fans. Aber kann sie auch einen Siebträger-Fan wie mich im Test überzeugen? Und was hat es mit der NFC-Karte im Lieferumfang auf sich?
xBloom Studio: Ein technisches Wunderwerk für Filterkaffee
Die xBloom Studio ermöglicht dir Filterkaffee in Pour-Over- und Barista-Qualität, ohne dass du dir umfassendes Wissen aneignen oder selbst den Aufguss übernehmen musst. Dafür bietet sie zahlreiche Möglichkeiten, deinen täglichen Filterkaffee-Genuss zu individualisieren, zu optimieren oder auch ganz zu automatisieren.
Entweder du nutzt sie im Automatikmodus mit drei voreingestellten Rezepten oder im Profimodus. Hier stehen dir drei Bedienmodi zur Auswahl: vollautomatisch, halbautomatisch und manuell. Mit bereitgestellten Kaffee-Pods und passenden Rezepten brüht die Maschine Filterkaffee fast von selbst. Du kannst aber auch bestehende Rezepte ändern oder neu erstellen, wahlweise über die kostenlose App oder die mitgelieferte NFC‑Karte. Ja, tatsächlich, du kannst Kaffee per NFC brühen. Und du kannst Mühle, Brüheinheit und integrierte Waage getrennt voneinander nutzen.
Trotz umfassender Funktionen kommt das fünf Kilogramm schwere Gerät auf ein kompaktes Maß (17 x 20 x 43 cm) und kombiniert hochwertigen Edelstahl mit BPA-freiem Silikon und Plastik zu einer stylisch-futuristischen Kaffeemaschine. Klingt nach einer praktischen Kaffeemaschine mit optionalem Bastelspaß für Hobby-Baristas. Ob sich das in der Praxis auch bewahrheitet?
So kommt Kaffee aus der Hightech-Machine
Die xBloom Studio bietet dir ganz individuelle Möglichkeiten, deinen Filterkaffee nach deinen eigenen Wünschen zuzubereiten. Der Autopilot funktioniert mit den xPods von xBloom, die bereits die passende Menge Kaffee enthalten. Das dazugehörige Rezept gibt es entweder über die App oder über eine NFC-Karte. Die hältst du oben an die Kaffeemaschine und die Einstellungen werden automatisch angepasst. Dann füllst du den Kaffee ein, positionierst den xPod im xPod-Doc und drückst entweder in der App auf Start oder auf den rechten Knopf im Display (zeigt ein nach recht gekipptes Dreieck).
Während der Freesolo-Modus auf die getrennte Nutzung von Mühle, Brüheinheit und Waage abzielt, ist der Copilot-Modus für alle mit eigenen Kaffeebohnen interessant. Wer es besonders einfach haben will, kann den Automatikmodus mit drei Presets für helle, mittlere und dunkle Röstungsprofile nutzen und damit die eigenen Bohnen verarbeiten. Eine andere Möglichkeit wäre es, über den Profimodus ein Rezept anzupassen. Oder du erstellst dir dein eigenes Rezept.
Deine abgewogenen Bohnen schüttest du in die Mühle, der Filter kommt in den Omni Dripper (so heißt der Filterhalter) und dann startest du den gesamten Vorgang. Die Maschine fährt den Omni Dripper mit Filter automatisch nach links unter das Mahlwerk. Dann startet der Mahlvorgang und das Kaffeepulver fällt unten in den Filter. Danach fährt der Arm wieder nach rechts und die Maschine beginnt mit dem Brühvorgang. Ja nach Einstellungen läuft das Wasser in mehreren Aufgüssen in den Filter. Die Maschine schüttelt diesen und sorgt so dafür, dass das heiße Wasser das gesamte Kaffeepulver erreicht. Und (schon) ist der Kaffee fertig.
Wie schmeckt der Filterkaffee?
Jetzt aber zur wichtigsten Frage: Wie schmeckt der Filterkaffee aus der Luxus-Maschine? Das ist natürlich nicht pauschal zu beantworten, da jede Änderung bei den Einstellungen den Geschmack beeinflussen kann. Aber bereits mit den voreingestellten Rezepten lässt sich ein guter Filterkaffee brühen. Im Test habe ich verschiedene Rezepte ausprobiert und die Ergebnisse schmecken immer aromatisch, nicht zu bitter oder zu wässrig. Der Geschmack ist ausgewogen und mit den richtigen Einstellungen kommen auch die blumigen oder nussigen Nuancen heraus, von denen man sonst nur auf der Verpackung der Kaffeebohnen liest. Und die Temperatur liegt bei 95-Grad-Brühtemperatur auch nach ein paar Minuten noch gut über 60 Grad – perfekt zum direkten Trinken. Filterkaffee-Fans, die das gewisse Etwas suchen und keine umständliche Pourover-Routine von Hand erlernen wollen, dürfte das Ergebnis sicherlich überzeugen.
Die Feinheiten bei Mahlwerk, Brüheinheit und Waage
Mahlwerk
Das Kernstück der xBloom Studio ist das interne Mahlwerk, das mit 80 Mahlgraden in 1er-Schritten und zwischen 60 und 120 Umdrehungen pro Minute (in 10er-Schritten) individuell auf die Bohnen eingestellt werden kann. So kannst du selbst fein genug für einen Espresso mahlen, falls du das Mahlwerk parallel für eine andere Maschine oder einen Handaufguss verwenden möchtest. Eine kleine Übersicht im Wassertankdeckel oder in der App zeigt dir, welcher Mahlgrad zu welchem Getränk passt – auch wenn du mit der Maschine natürlich nur Filterkaffee brühen kannst.
Das Mahlwerk arbeitet antistatisch. Per Schieberegler kannst du die obere Öffnung vor Staub schützen und es stoppt automatisch, sobald keine Bohnen mehr übrig sind. Im Betrieb ist das Mahlwerk mit durchschnittlich 63 dB und in der Spitze mit bis zu 72 dB typisch laut für eine Kaffeemaschine. Du aktivierst das Mahlwerk über den linken Drehregler oder die App und kannst es dort auch deaktivieren, um bereits gemahlenen Kaffee zu verwenden.
Brüheinheit
Gleich nach dem Mahlwerk folgt die Brüheinheit, anwählbar über den mittleren Drehknopf. Sie bezieht das Wasser wahlweise aus dem knapp einen Liter fassenden Wassertank oder über einen Festwasseranschluss. Du kannst Volumen (75–450 ml), Durchflussmenge (3–3,5 ml/s) und Temperatur (40–95 Grad) einstellen, aber auch die Anzahl der Gießvorgänge (bis neun) und die Pausen dazwischen (bis 59 Sekunden). Zudem können das xPod-Doc oder der Omni Dripper vibrieren, sodass das Kaffeepulver noch gleichmäßiger verteilt und befeuchtet wird – wahlweise vor oder nach dem Gießvorgang.
Und dann gibt es noch die Art des Wasseraufgusses, die entweder spiralförmig, kreisend oder zentriert eingestellt werden kann. Über die App kannst du den Aufguss als Kurve nachverfolgen. Der Bezug verläuft mit durchschnittlich 45 dB angenehm leise, zwischendurch sind jedoch auch lautere Töne zu hören (bis 67 dB). Es kann immer nur eine Tasse nacheinander zubereitet werden und je nach Anzahl der Brühvorgänge dauert das schon mal ein paar Minuten.
Waage
Die unter der Auffangschale integrierte Waage wiegt auf das Zehntelgramm genau und kann auch Unzen und Milliliter messen. Du kannst damit nicht nur die Kaffeebohnen wiegen (im magnetischen Dosierbecher), sondern auch den extrahierten Kaffee. Das dürfte vor allem Hobby-Baristas erfreuen. Die Waage aktivierst du entweder über den rechten Drehknopf im Display oder über die App. Du kannst jedoch maximal 18 Gramm Kaffee pro Tasse einstellen.
Bedienung: Von simpel bis technisch aufwendig
Die Bedienung per App oder über die drei angerauten Drehregler an der Maschine selbst ist einfach, angenehm und kontrolliert. Die LED-Matrik im Retro-Look bietet eine reduzierte, aber verständliche Bedienfläche. In der App hat man aber eine noch bessere Übersicht. Zudem kannst du dein Smartphone einfach oben in die Lücke zwischen Wassertank und Mahlwerk setzen und hast so dein zweites Display direkt an der Maschine, was ich im Test als sehr praktisch empfinde.
Warnhinweise, zum Beispiel wenn das Wasser knapp wird, werden somit auf beiden Displays angezeigt und auch noch durch einen Piepton aus der Kaffeemaschine unterstützt. Nach zehn Minuten versetzt sich die Maschine selbstständig in den Sleep Mode und zeigt schon nach fünf Minuten ein pulsierendes Herz in Vorbereitung an. Danach ist das Display komplett dunkel und sorgt so für Ruhe in der Küche.
Das Zubehör wie der Omni Dripper 2 und das xPod-Dock lassen sich dank Magneten leicht einsetzen und entfernen. Auch der Dosierbecher hat vier Magnete im Rand und lässt sich so unterhalb des Mahlwerks anbringen. Man muss ihn ein bisschen drehen, bis er festsitzt, aber dann kommt auch kein bisschen Kaffeemehl an dem Behälter vorbei.
Was ich allerdings nach wie vor etwas verrückt finde und eher als unnötige Spielerei bezeichnen würde, ist die NFC‑Karte. Es ist zwar praktisch, darin Rezepte abspeichern zu können, aber das kann man auch im Gerät selbst und noch viel mehr in der App. Zwar fühlt es sich besonders an, die Karte an die Maschine zu halten und direkt loslegen zu können – und das dürfte auch bei Gästen zu Hause Eindruck schinden. Aber überflüssig ist dieses technische Sahnehäubchen allemal.
So bastele ich mein eigenes Rezept
Mit den xPods kannst du aus über 100 Röstereien aus weltweit 20 Ländern wählen und erhältst sowohl die passende Menge Kaffee, eine Verpackung, die gleichzeitig der Filter ist und das zugehörige Rezept zum Getränk. Das bringt ein perfektes und vor allem reproduzierbares Ergebnis. Leider habe ich für den Test keinen xPod parat und muss mich deshalb gleich an das Rezeptebasteln und testen wagen.
Die drei voreingestellten Rezepte im Automatikmodus für helle, mittlere und dunkle Röstung sind schnell gefunden und ausprobiert. Wenn ich allerdings nach anderen Rezepten im Profimodus suchen möchte, gestaltet sich das schon schwieriger. Die Suchfunktion ist nicht ausgereift und zeigt mir nur wenige Vorschläge für Rezepte ohne xPods. Dafür funktioniert das Erstellen von Rezepten problemlos. Nur bei den einzelnen Aufgüssen verliere ich schnell die Übersicht. Die App sorgt aber für ein funktionierendes Rezept am Ende und weist mich auf fehlende Einstellungen hin. Ich könnte das Rezept am Ende sogar mit der Community teilen und auch selbst auf die Rezepte der anderen Nutzer zugreifen.
Reinigung per Knopfdruck oder App
Was mich gleich überrascht: Es gibt keine hauseigene Entkalkungslösung von xBloom. Du kannst also dein favorisiertes Mittel nutzen und so etwas Geld sparen. Die Lösung kommt in den Wassertank, dann startest du den Entkalkungsvorgang ganz einfach über die Maschine oder die App. Die xBloom lässt das Mittel dann für 30 Minuten einwirken und danach automatisch duchlaufen. Du musst nur den Wassertank neu befüllen und die Kaffeemaschine spült automatisch noch einmal hinterher.
Wenn du die Maschine für längere Zeit verstauen möchtest, kannst du auch über Knopfdruck und App den letzten Rest Wasser automatisch ablaufen lassen. Du kannst auch das Mahlwerk oder die Waage kalibirieren und so die letzten Reste aus dem Mahlwerk entfernen, um das Gerät danach wieder in den Karton zu packen. Die Auffangschale lässt sich leicht von Hand reinigen, mit dem mitgelieferten Pinsel kannst du Kaffeeresten unten am Mahlwerk entfernen. Mit einem trockenen Tuch wischst du die Wasserausgabe trocken und fertig.
Zubehör & Preis haben es in sich
Mit der xBloom Studio erhältst du einiges an Zubehör, um direkt loslegen zu können. Dazu gehört der magnetische Dosierbecher, der Omni Dripper plus zehn Filterpapiere für den eigenen Kaffee und der xPod-Dock für die xPods. Eine Reinigungsbürste, eine NFC-Rezeptkarte mit drei eingespeicherten Rezepten und ein Quick-Start-Guide vervollständigen das Standard-Paket. Optional gibt es auch noch Zubehör für Tee, nämlich den Omni Tea Brewer und dazu passende Rezepte. Übrigens: alle Zubehörteile sind nicht waschmaschinenfest und müssen nach der Benutzung per Hand gereinigt werden.
Preislich liegt die xBloom Studio selbst bei 699 Euro, was viel ist für eine Maschine, die ausschließlich Filterkaffee zubereiten kann. Dazu kommen noch die Folgekosten für Filter, die im Original zehn Cent pro Stück kosten (normal große Filter sonst eher drei Cent) oder auch die xPods. Die sind mit teils über 20 Euro pro acht Stück (120 Gramm Kaffee), was einem Kilopreis von über 150 Euro entspricht, ziemlich teuer. Außerdem gibt es aktuell nur einen deutschen Drittanbieter, der sich auch hierzulande verkauft und der hat derzeit überhaupt nur zehn Sorten im Angebot (Stand 2. November 2026).
Fazit: Ein Spaß für Filterkaffee-Liebhaber und Hobby-Baristas
Mit der xBloom Studio Filterkaffee zu kochen kann ganz einfach sein oder auch sehr komplex. Das kommt ganz darauf an, ob du die xPods benutzt oder eigenen Kaffee und dich auch an eigene Rezepte wagen möchtest. Es gibt beinahe unendliche viele Möglichkeiten. Wer gerne Filterkaffee trinkt und Lust hat, sich in die technischen Details der Maschine reinzufuchsen, der wird die xBloom Studio sicherlich lieben. Der Aufwand kann teils immens sein und auch die Zeit, bis der Kaffee endlich schmeckt und fertig in der Tasse bereitsteht. Aber vor allem der Preis und die Folgekosten sind nicht zu unterschätzen sowie die Verfügbarkeit von xPods.
Vorteile
- flexibel verwendbar
- viele Einstellungsmöglichkeiten
- gute Ergebnisse schon mit voreingestellten Rezepten
- Mühle, Brüheinheit und Waage auch einzeln nutzbar
- Mahlwerk mahlt von Espresso bis Cold Brew
- Waage wiegt 0,1 g genau
- verständliche Bedienung
- praktische App
- keine teure Entkalkungslösung
- kompakt und stylisch
- optionaler Festwasseranschluss
Nachteile
- hoher Preis und Folgekosten
- xPods in Deutschland schwer erhältlich
- brüht nur eine Tasse
- braucht lange für einen Kaffee
- unausgereifte Rezeptsuche in der App
- NFC-Karte ist eher eine überflüssige Spielerei

