Der Wind pfeift über die Bergkette, irgendwo unter mir hängen Wolken in den Pinien. Hier oben riecht La Palma morgens nach feuchter Erde, hin und wieder nach Schwefel. Und wenn die Sonne aufgeht und die Sicht klar ist, sieht man die Umrisse von Teneriffa und La Gomera. Ein heißer Kaffee wäre bei Temperaturen um die 5 Grad jetzt genau das Richtige. Auf rund 1.400 Metern Höhe, ziehe ich keine Thermoskanne aus dem Rucksack, sondern eine mobile Akku-Espressomaschine. Ein zylindrisches Ding, etwa so groß wie eine Wasserflasche, das behauptet: Ich mache Espresso. Aus kaltem Wasser. Ohne Steckdose. Das klingt erst mal nach Marketing und sehr viel Hoffnung. Aber Hoffnung gehört hier oben in den Bergen sowieso zur Grundausstattung.
Heißer Kaffee auf dem Vulkan
Ich gieße kaltes Wasser aus meiner Plastikflasche in den Tank der mobilen Kaffeemaschine, schraube gemahlenen Kaffee in den Einsatz und drücke den einzigen Knopf. Erst einmal lang zum Einschalten. Dann zweimal kurz. Die Maschine beginnt zu summen, als hätte sie selbst noch nicht ganz verstanden, warum sie hier oben neben einem Lavafeld Wasser erhitzen soll. Etwa vier Minuten später steigt tatsächlich Dampf auf. Dann: Espresso. Heiß. Richtig heiß. Keine braune Brühe, sondern etwas, das man als wirklich guten Espresso bezeichnen kann. Ich kippe etwas süße Kondensmilch dazu und genieße meinen Cortado mit dem Ausblick auf den Ozean. Dabei denke ich: Besser bekommt den mein Barmann auch nicht hin.#
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Vier Tassen schafft der Akku mit kaltem Wasser, sagt der Hersteller. Drei habe ich bekommen. Danach war Schluss. Akku leer. Es hat sich jedenfalls ausgezahlt, diese rund 0,8 kg schwere Kaffeemaschine mit hier hochzuschleppen. Ein heißer Kaffee am Morgen in den kühlen Bergen, während man der Sonne dabei zusieht, wie sie die Insel weckt, ist es wert. Es fühlt sich an wie ein kleiner technischer Trotz gegen die Natur: Du hast die Vulkane, ich habe 15 bar Druck.

Wer jetzt mehr Kaffee will, muss den Akku der Cucína di Modena erstmal wieder aufladen. Und das dauert eine Weile. Man kann das mittels Powerbank auch unterwegs machen, wenn man den Strom nicht gerade fürs Handy braucht. Oder an einem Ladegerät zu Hause. Die Ladezeit an der Steckdose: gut zwei Stunden.
Im Flugzeug, an der Raststätte, heißer Espresso überall
Die Bedienung ist simpel. Wenn man die deutsch-französische Anleitung einmal entziffert hat. Offenbar ist hier jemand beim Zusammentackern der wenigen Blätter etwas durcheinandergekommen. Ob’s am fehlenden Kaffee gelegen hat? Aber irgendwann versteht man: Wasser rein, Kaffee rein, Knopf lange drücken. Dann ist die mobile Kaffeemaschine eingeschaltet und betriebsbereit. Wer heißes Wasser eingefüllt hat, drückt den gleichen Knopf jetzt noch einmal. Bei kaltem Wasser zweimal. Dann wird erhitzt. Und wenn es dann piepst, noch einmal. Mehr ist es nicht. Das macht die Maschine alltagstauglich. Oder besser: alltagsexotisch.
Drei Tage in der Wildnis, nur kaltes Wasser und Kaffeepulver. Und trotzdem morgens ein heißer Espresso. Kein Gaskocher, kein Stromanschluss, kein Campingplatz. Auch im Flugzeug ist das theoretisch möglich. Oder bei langen Autofahrten, wenn man keine Lust auf 4,80 Euro Raststättenkaffee hat, der nach Pappe schmeckt.

Hat man bereits heißes Wasser, soll sie laut Hersteller bis zu 400 Espressi schaffen, bevor der Akku schlappmacht. Getestet habe ich das nicht. Das wäre zu viel Kaffee gewesen, selbst für jemanden, der um diese Jahreszeit morgens auf der kalten Cumbre freiwillig Espresso trinkt. Aber im Camper oder an Orten mit Wasserkocher klingt das fast utopisch: 400 schnelle, heiße Kaffees.
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Natürlich hat die Sache Haken. Der größte ist der Akku. Er lädt langsam. Wer morgens feststellt, dass der Akku leer ist, trinkt Wasser. Der zweite Nachteil zeigt sich bei der Reinigung. Mit Kapseln ist alles einfach: rausnehmen, abspülen, fertig. Mit gemahlenem Kaffee dagegen beginnt ein kleines Drama aus feuchten Kaffeeresten, Schraubgewinden und der Frage, wo man hier eigentlich sauberes Wasser zum Putzen herbekommt. Aber mit etwas Übung und Geduld ist auch das kein Abenteuer.

Fazit
Die Maschine ist robust, handlich und passt in fast jeden Rucksack. Rund 800 Gramm Technik, die einem morgens ein wohliges Gefühl gibt. Am Ende bleibt ein sehr persönliches Urteil: Diese Espressomaschine ist kein Spielzeug. Sie ist ein Luxusgerät für Menschen, die draußen sind und trotzdem nicht verzichten wollen. Sie macht das, was der Hersteller verspricht: Aus kaltem Wasser und Kaffeepulver heißen Kaffee. Der Preis für die Cucína di Modena im Onlineshop von Pearl: rund 70 Euro.






