Cold Brew in zwei Minuten? Das ist mal eine Ansage von Krups. Sonst muss der Kaffee für das beliebte Kaltgetränk stundenlang im Kühlschrank ziehen. Mit der Coffee Crush Experience verspricht der Hersteller Cold Brew auf Knopfdruck und in Minutenschnelle. Kann er das auch liefern? Und wie schmeckt der Kaffee aus dem Espresso-Vollautomaten? Ich habe es getestet.
Was du über die Coffee Crush wissen musst
Die Coffee Crush Experience ist eine Plus-Variante des neuesten Espresso-Vollautomaten von Krups. Sie kann nicht nur Espresso und Lungo zubereiten, sondern auch Filterkaffee und Cold Brew. Sie kommt mit einem fünfstufigen Mahlwerk, einem integrierten Tamper und einer Milchschaumlanze. Über das Paper-Touch-Display kannst du Intensität, Temperatur und Volumen in drei Stufen einstellen und auf Wunsch auch vorgemahlenen Kaffee zubereiten. Die Lanze schäumt auf, erhitzt und du kannst damit auch heißes Wasser beziehen.
Mit der Coffee Crush Experience soll jeder Espresso und Cold Brew zubereiten können – ganz ohne Barista-Wissen oder aufwendige Siebträger-Routine. Einfach, schnell und mit wenig Wartungsaufwand: Doch wie schmeckt der Kaffee aus dem Vollautomaten wirklich? Und kann er eine Espresso-Liebhaberin wie mich überzeugen?
Einfacher geht’s kaum: So schnell ist der Espresso fertig
Espresso, Lungo, Filterkaffee oder Cold Brew – die Coffee Crush Experience bereitet alles auf Knopfdruck zu. Du musst lediglich die Bohnen und das Wasser einfüllen und ein paar Einstellungen vornehmen. Für Espresso stellst du den Mahlgrad über das Drehrad im Bohnenbehälter niedrig (im Test immer auf 1) und für Filterkaffee und Cold Brew gröber, also höher, ein. Dann wählst du die Intensität (leicht, mittel, stark) aus und das Volumen (S, M, L). Dann einfach Start drücken und fertig.
Die integrierte Mühle mahlt automatisch die passende Menge an Bohnen, der Tamper drückt das Pulver fest zusammen und dann läuft die voreingestellte Menge Wasser durch. So hast du in einer Minute Espresso und in zwei Minuten Cold Brew in deiner Tasse. Per Knopfdruck kannst du den Kaffee-Puck aus dem Behälter auswerfen, ihn danach ausspülen und wieder einsetzen. Dann ist das Gerät bereit für den nächsten Durchlauf.
Wenn du mit vorgemahlenem Kaffeepulver arbeitest, musst du dafür lediglich die vierte Stufe bei der Intensität auswählen. Ansonsten bleibt alles gleich. Das Pulver füllst du dann selbst in den herausnehmbaren Behälter, dabei die Max-Markierung nicht überschreiten. Den Rest übernimmt wieder die Maschine. Beide Varianten haben im Test wunderbar geklappt. Die Bedienung ist wirklich simpel und Espresso und Co. schnell in der Tasse. Der Tamper arbeitet gleichmäßig und zuverlässig. Punktabzug gibt es allerdings für den Geschmack.
So schmecken Espresso, Cold Brew und Co.
Vorweg: Für meinen ersten Testdurchlauf habe ich eine Espresso-Bohne mit 100 Prozent Arabica verwendet und dann schnell gemerkt, dass die Mühle damit gar nicht zurechtkommt. Sie mahlt viel zu grob. Später habe ich eine Mischung mit 80 Prozent Arabica und 20 Prozent Robusta gewählt und damit gleich viel bessere Ergebnisse erzielt.
Espresso
Bei der reinen Arabica-Bohne läuft der Espresso zu schnell durch und bildet keine Crema. Er schmeckt wässrig und bitter. Mit vorgemahlenem Kaffeepulver aus meiner eigenen Mühle ist das Geschmackserlebnis schon viel ausgewogener, weniger bitter und die Aromen der Espresso-Bohne kommen besser durch. Der Espresso läuft langsamer durch und entwickelt auch eine ansprechende Crema.
Mit der Arabica-Robusta-Mischung bin ich viel zufriedener. Das Ergebnis schmeckt nicht mehr so wässrig und wirklich nach Espresso. Der Bezug über die integrierte Mühle liefert zwar keine nennenswerte Crema, dafür aber wenig Bitterkeit oder Säure. Beim Mahlen in meiner eigenen Mühle konnte ich den Mahlgrad deutlich gröber einstellen und damit erstmals einen Espresso zubereiten, der auch nur in die Nähe eines Durchlaufs mit meiner Siebträgermaschine kommt.
Es kommt also vor allem auf die richtige Bohne an. Espresso-Bohnen, die sich etwas gröber mahlen lassen, erzielen deutlich schmackhaftere Ergebnisse. Andere sorgen für einen wässrigen, bitteren oder auch sauren Geschmack ohne viel Profil oder Crema. Allerdings kann man den Espresso aus der Coffee Crush selbst mit der passenden Bohne nicht mit dem aus einer guten Siebträgermaschine vergleichen. Selbst bei höchstmöglicher Intensität und kleinstem Volumen vermisse ich einfach das samtig-cremige Mundgefühl und vollmundige Aroma, was einen guten Espresso ausmacht.
Cold Brew
Beim Cold Brew muss ich sagen, dass er mir, egal mit welcher Bohne, ob vorgemahlen oder nicht, viel zu wässrig schmeckt. Er sieht auch aus wie eingefärbtes Wasser und schmeckt kaum nach Kaffee. Dabei hat sich Krups bemüht, einen langwierigen und händischen Vorgang in gerade einmal zwei Minuten auf Knopfdruck zu erledigen. Dabei brüht und pausiert die Coffee Crush immer wieder, um den Kaffee nicht zu stark zu erhitzen. Und das funktioniert auch. Am Ende ist der Kaffee kühl, kann mit Eiswürfeln aber noch weiter heruntergekühlt werden.
Allerdings läuft etwa ab der Hälfte des Brühvorgangs nur noch klares Wasser durch. Wer hier stoppt, kann die Verwässerung aufhalten. Das ändert aber nichts am Geschmacksprofil. Da kann ich mit einer French Press mehr aus denselben Bohnen herausholen. Das einzige Argument für den Cold Brew aus dem Vollautomaten ist die Zeit, die man sich damit spart. Der fehlende Geschmack macht diesen Vorteil aber gleich wieder zunichte. Da kann man lieber den Espresso direkt auf Eiswürfel beziehen und dadurch noch einmal eine Minute einsparen.
Lungo und Filterkaffee
Wie auch schon bei den anderen Testläufen, schmeckt der Lungo mit der Robusta-Mischung besser. Allerdings empfinde ich den Espresso im Geschmack als etwas wässrig. Beim Lungo wird dieses Gefühl aufgrund der größeren Wassermenge noch verstärkt. Der Lungo aus der Coffee Crush schmeckt einfach zu schwach.
Gleiches gilt auch für den Filterkaffee. Obwohl die Krups-Maschine hier erneut auf Intervalle wie beim Cold Brew setzt und damit den Prozess eines Pour Over Kaffees nachahmt, schmeckt der Filterkaffee lasch. Für den Test habe ich Arabica-Filterkaffee-Bohnen mit mittlerer Stärke, Säure und Röstgrad verwendet. Die versprochenen Geschmacksnoten nach Johannisbeere und Waldhonig kamen jedoch nicht durch. Hier würde ich eine simple Filterkaffeemaschine vorziehen.
Milchschaum, heißes Wasser und Co.
Für Latte macchiato, Cappuccino und andere Milchschaum-Varianten kommt die Dampflanze ins Spiel. Die tut, was sie soll, mehr aber auch nicht. Hierzu wähle ich die zwei Optionen auf dem Display aus: heißes Wasser oder Dampf. Danach starte und stoppe ich den Vorgang über die Start/Stopp-Taste. Das erste Problem dabei: Ich kann weder Hitze noch Stärke einstellen – es gibt nur an und aus. Dadurch wird die Milch schnell zu heiß. Zweitens: Nach dem Stoppen endet der Vorgang mit Verzögerung. Drücke ich zu spät, läuft der Schaum über. Und drittens ist die Lanze sehr unflexibel. Man kann sie kaum bewegen und nur mit einer kleinen Kanne oder Tasse verwenden, sonst verschüttet man die Hälfte wieder.
Und wie sieht es mit Latte Art aus? Das ist mit dem Schaumergebnis aus der Dampflanze kaum möglich. Selbst mit den Tipps aus der Bedienungsanleitung lässt sich die dafür notwendige cremige und gleichmäßige Konsistenz des Schaums nicht erzeugen. Er kann die Crema einfach nicht durchbrechen und landet als Haufen ohne Form oben auf dem Kaffee.
Leichte Reinigung, wenig Wartungsaufwand
Der Wartungsaufwand bei der Coffee Crush Experience ist wirklich gering. Nach jedem Getränk musst du den herausnehmbaren Behälter entleeren. Das geht besonders gut, wenn du etwas wartest. Dann lässt sich der Kaffee-Puck beinahe vollständig per Druckknopf auswerfen. Danach spülst du ihn unter dem Wasserhahn durch und fertig. Auch die Dampflanze solltest du nach jeder Benutzung feucht abwischen, kurz durchdampfen lassen und die abnehmbaren Teile durchspülen. Die Auffangschale entleerst du bei Bedarf und ansonsten kannst du die Kaffeemaschine feucht abwischen.
Darüber hinaus gibt es noch zwei Optionen für eine interne Reinigung: den Rinse-Modus und die Entkalkung. Den Rinse-Modus führst du gleich bei der ersten Inbetriebnahme durch. Dazu drückst du die beiden Symbole für Espresso und Intensität gleichzeitig. Es leuchtet das Rinse-Symbol im Display auf. Nach dem Drücken auf Start spült sich die Maschine einmal mit Wasser aus dem Tank durch.
Leuchtet die Calc-Anzeige im Display (etwa nach 230 Bezügen), solltest du einen Entkalkungsvorgang durchführen. Dafür brauchst du das Anti-Kalk-Kit von Krups, das leider nicht im Lieferumfang enthalten ist. Das löst du im Wassertank auf. Danach hältst du die Tasten für Lungo und Intensität drei Sekunden gedrückt und startest dann den Vorgang. Sobald der Wassertank leer ist, füllst du ihn mit Wasser auf und drückst wieder auf Start.
Die Anleitungen für die Reinigungsvorgänge findest du im beigelegten Quick-Start-Leitfaden über QR‑Codes. Sie führen dich zum vollständigen Benutzerhandbuch und anschaulichen YouTube-Videos, die dir den Vorgang noch einmal Schritt für Schritt erklären. Die Erklärungen sind wirklich leicht verständlich und das Ganze ist mit wenig Aufwand verbunden.
Das ist mir positiv aufgefallen
Einige Features der Coffee Crush Experience von Krups haben sich während des Tests als besonders nützlich herausgestellt. Vorneweg das Design: Der Vollautomat ist optisch ansprechend, schlank und äußerst kompakt mit gerade einmal 36 × 15 × 29,5 Zentimetern (HxBxT). Damit nimmt er wirklich wenig Platz auf der Küchentheke ein und sieht dekorativ aus. Trotzdem passen noch 150 Gramm Bohnen und ein Liter Wasser in die Behälter. Damit braucht man beide nicht allzu oft nachzufüllen. Allerdings muss man beim Wasserbehälter aufpassen, dass man ihn immer korrekt einsetzt, da es sonst schnell zu unerwünschten Pfützen auf der Arbeitsplatte kommen kann.
Das Paper-Display mit Touch-Funktion wirkt hochwertig und bietet eine gute Übersicht über alle Funktionen, Einstellmöglichkeiten und Meldungen mit leicht verständlichen Symbolen. Es reagiert gut auf Berührung, solange man nicht zu leicht drückt. Zudem schaltet es sich nach acht Minuten in den Stand-by-Modus, sodass nur noch der orangefarbene Ring um das Start/Stopp-Symbol zurückbleibt. Das sorgt optisch für Ruhe.
Apropos Ruhe: Die Coffee Crush arbeitet auch leiser als manch anderer Vollautomat. Während des Mahlvorgangs habe ich maximal 72 dB gemessen und während des Brühvorgangs 65 dB – eine durchschnittliche Lautstärke für einen Vollautomaten. Zudem empfinde ich die Geräuschkulisse nicht als störend. Es gibt kein Quietschen oder plötzliche laute Töne.
Hier muss Krups noch dran arbeiten
Das größte Manko an der Coffee Crush sind die begrenzten Einstellmöglichkeiten. Nur fünf Stufen beim Mahlwerk oder drei bei Temperatur, Volumen und Intensität sind nicht viel. Einerseits vereinfacht das den Vorgang für Espresso-Newcomer erheblich, schränkt aber die Möglichkeiten für manuelle Korrekturen ein. Ich muss eine passende Bohne für die Maschine finden und kann nicht die Maschine passend auf die Bohne einstellen.
Die integrierte Mühle kann für reinen Arabica-Espresso nicht fein genug mahlen. Im Test habe ich sie immer auf 1 stehen, weil alle anderen Mahlgrade viel zu grob wären. Andersherum verhält es sich bei der Temperatureinstellung. Die ist immer auf 3/3, da der Espresso sonst zu kalt wäre. Direkt nach dem Bezug komme ich auf 57 Grad. Das ist so schon zehn Grad kühler als das, was meist als optimal für Espresso angesehen wird. Beim Trinken selbst merke ich den Unterschied aber nicht.
Fazit: Nichts für Hobby-Baristas oder Espresso-Connaisseure
Die Coffee Crush Experience punktet in der Praxis durch ihre einfache Bedienung, den geringen Wartungsaufwand und ein schnelles Ergebnis bei Espresso oder Cold Brew. Dabei kann mit der richtigen Bohne ein solider Espresso entstehen. Das Ergebnis ist jedoch nicht vergleichbar mit Espresso aus einer guten Siebträgermaschine – nicht zuletzt aufgrund begrenzter Einstellmöglichkeiten und zu grobem Mahlwerk. Allerdings hat der Espresso-Vollautomat auch nicht den Anspruch, Barista-Qualität zu liefern. Es geht vorrangig darum, dass er möglichst einfach funktioniert und dabei Zeit und Platz spart. Wer den Aufwand scheut und keinen Espressokocher benutzen möchte, für den kann der Krups-Vollautomat eine passende Alternative darstellen.
Die unverbindliche Preisempfehlung für den Espresso-Vollautomaten, der im Sommer 2026 auf den Markt gekommen ist, liegt bei 469 Euro. Stand Oktober ist das Gerät nun für 349 Euro im Handel erhältlich, etwa bei MediaMarkt. Im Vergleich zu einer guten Siebträgermaschine ist das natürlich nichts und im Gegensatz zu Einsteigermodellen bietet die Coffee Crush Experience Varianz, Automatik und eine eigene Mühle. Allerdings stellt sich die Frage, ob man für einen mittelmäßigen Espresso ohne viel Aufwand dennoch über 300 Euro ausgeben möchte.
Vorteile
- Sehr einfache Bedienung
- Cold Brew in ca. 2 Minuten
- Auch mit vorgemahlenem Kaffee nutzbar
- wenig Wartungsaufwand, leichte Reinigung
- Kompaktes Design
- Hochwertiges, übersichtliches Paper-Touch-Display
- Relativ leise
Nachteile
- Wenige Einstellmöglichkeiten
- Mühle mahlt zu grob
- Espresso schmeckt nur mittelmäßig
- Cold Brew zu wässrig
- unflexible Dampflanze
