Die Sonne knallt wie ein Hammer auf den Amboss durch die verdreckte Scheibe der schäbigen Bar. Seit Wochen kein einziger Tropfen Regen. Der Asphalt draußen flimmert, atmet Hitze, und die Welt brennt in genau diesen harten, blendenden Kontrasten, die Saul Leiter vor fünfzig Jahren durch sein Objektiv gejagt hätte. Ein scharfkantiger, pechschwarzer Schatten zerschneidet das gleißende Gelb eines vorbeirasenden Pickups. In meiner schwitzenden Hand liegt die Sony Alpha 7 – welches Modell genau, ist völlig egal, irgendein klobiges Biest voller Pixel und Menüs, das mein treuer Begleiter im täglichen Gefecht gegen das Verblassen der Momente ist. Aber heute ist etwas anders.
Im gierigen Schlund der Kamera steckt kein gewöhnliches Stück Plastik. Es ist die Biwin Amber ME300 in der 512-Gigabyte-Version. Eine winzige, 2 Gramm leichte, bernsteinfarbene MicroSD-Karte, die schlappe 120 Kröten kostet. Ein absurder Preis, wenn man bedenkt, dass die etablierte Konkurrenz ihre Karten für die Hälfte verramscht. Aber mir wurde Geschwindigkeit versprochen. Und auf die kommt es an, wenn man in der Straßenfotografie ausharrt und auf den entscheidenden Moment wartet, der plötzlich kommt.
Auf der Straße schneller als ich
Ich stürze mein halbvolles Bierglas hinunter, trete hinaus in den Dunst der Stadt und hebe die Kamera. Street-Fotografie ist ein brutales Spiel aus Millisekunden. Ein flüchtiger Blick, ein asymmetrischer Schatten, abgedrückt. Bisher war meine SanDisk Extreme Pro der vermeintliche Goldstandard – 200 MB/s, solide, dachte ich. Doch wer im Dauerfeuer der RAW-Formate die Geister der Großstadt jagt, kennt das qualvolle Sterben, wenn die rote LED der Kamera blinkt und der interne Puffer die weiße Flagge hisst. Nicht heute. Ich halte drauf. Klick, Klick, Klick. Ein Gewitter aus Rohdaten prallt auf die Biwin-Karte. Und was macht das Ding? Es schluckt die Daten weg, als gäbe es kein Morgen. Kein Stottern, kein Zögern. Wo die SanDisk nach 5, 6 Aufnahmen winselnd eine Atempause verlangte, marschiert diese Express-Karte ungerührt weiter. Während ich stillstehe, bewegt sich die Stadt mit fünf Bildern pro Sekunde an mir vorbei.

Das Innere des Biests: Pure Tech-Paranoia
Was zur Hölle treiben die Ingenieure bei Biwin da eigentlich? Man sieht der Karte ihren Verwendungszweck an – ein kleines Controller-Symbol verrät, dass sie eigentlich für die Gaming-Nerds und ihre Nintendo Switches oder Drohnen geschmiedet wurde. Sie soll wasserdicht sein, staubgeschützt, sturzsicher und resistent gegen Röntgenstrahlen. Sie soll Temperaturen von eisigen -25 bis zu fast kochenden +85 Grad überleben. Etwas zu extrem für die urbanen Häuserschluchten, in denen ich mich oft herumtreibe, aber gut. Es gibt ja auch Fotografen, die stundenlang im Schnee liegen und Eisbären ablichten oder Kamelrennen in der Wüste fotografieren. Nun schieben wir das PR-Geschwurbel aber mal beiseite.

Denn das wahre Wunder liegt in den Eingeweiden: SD-7.1-Spezifikation. PCIe-NVMe-Technologie. Im Klartext bedeutet das, dass hier keine veraltete Speicherarchitektur mit Daten hantiert, sondern im Grunde eine geschrumpfte, rasende SSD auf die Größe eines Fingernagels komprimiert wurde. Theoretisch sind da bis zu 985 Megabyte pro Sekunde drin.
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Der digitale Geschwindigkeitsrausch
Der wahre Schock traf mich jedoch erst abseits der Straße, zurück in meiner dunklen Bude, wo ich die Ausbeute des Tages digitalisieren wollte. Ich stöpselte die Karte in den mitgelieferten Amber RE310 Express Reader. Erster Versuch: Ein kleiner Schwung von rund 500 Megabyte. Ich bewege die Maus, klicke auf Einfügen, atme ein – und es ist vorbei. Es gab nicht einmal Zeit für das System, diesen schrecklichen, vertrauten Fortschrittsbalken anzuzeigen! Keine Lade-Animation, kein visuelles Atemholen. Ein winziger Augenblick, und die Daten waren drüben. Unter zwei Sekunden. Ich starre den Bildschirm gedankenverloren an und denke: Das kann doch nicht stimmen.

Also der Härtetest, das ganze fette Paket: 315 Bilder eines gesamten Wochenendes, allesamt im unbarmherzigen, speicherhungrigen RAW-Format. Knapp 15 Gigabyte geballte visuelle Information. Ich drückte den Startknopf und ging mir in der Küche eine Büchse Bier holen, um die übliche Wartezeit zu überbrücken. Als ich wiederkam, war der Transfer bereits fertig. In deutlich unter einer Minute war die Lawine aus Megabytes über die USB-Leitung gerutscht. Hexerei, denk ich mir. Ein reiner Geschwindigkeitsrausch.
Biwin Amber ME300 im Test: Ist es den Wahnsinn wert?
Tja, ja, am Ende des Tages sitzt man da, starrt auf diesen winzigen, orangefarbenen Plastiksplitter mit goldenen Kontakten und denkt sich: Es ist halt eine Speicherkarte. Aber eben eine verflucht schnelle. Machen wir uns nichts vor: 120 Euro für 512 Gigabyte sind ein Batzen Geld. Wenn man auf den Namen pfeift und mit den üblichen, trägen Geschwindigkeiten der namhaften Konkurrenz leben kann, bekommt man den reinen Speicherplatz für die Hälfte hinterhergeschmissen.
Aber wer einmal das Gefühl erlebt hat, wie 15 Gigabyte in unter einer Minute plötzlich woanders sind, für den gibt es kein Zurück mehr. Wer etwas vergleichbar Schnelles bei SanDisk oder Samsung sucht, landet am Ende ohnehin in genau dieser brutalen Preisliga. Für den normalen Knipser mag das völlig übertrieben sein. Für mich, einen paranoiden Jäger des Augenblicks auf den Straßen der Städte, ist es eine Versicherung. Bleibt zu hoffen, dass die Speicherkarte lange mitmacht und nicht irgendwann Fotos wie von Geisterhand verschwinden. Denn wer viel Speicher hat, kann auch viel verlieren.





