Lieferung in 10 Minuten: Bring, Gorillas, Flink & Co. im Vergleich

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Amazon Prime und Same-Day-Evening-Express war gestern. Inzwischen gibt es Versandunternehmen, die dir binnen zehn Minuten die Lieferung bringen. Dabei geht es primär um Lebensmittel. Doch was taugen die Anbieter wirklich? Ein Vergleich.
Zwei Mitarbeiter sammeln Lebensmittel ein und verpacken sie in eine Tüte
Einkauf verpacken per GorillasBildquelle: Gorillas

Alleine der Gang in den Supermarkt dauert, zählt man anziehen und Schlüssel suchen dazu, oftmals schon zehn Minuten. Zumindest in Großstädten. In dieser Zeit wollen es einige Lieferdienste schaffen, dir deine Bestellung von Lebensmitteln bis zur Tür zu bringen. Die Start-Ups konzentrieren sich dabei natürlich auf Ballungsgebiete. Anders wäre eine solche Super-Express-Lieferung nicht realistisch. Doch wie gut sind die Lieferdienste? Wie gut ist die Auswahl bei Gorillas, Bring & Co? Wie groß sind die Liefergebiete? Und wie schnell liefern die Dienste? Wir versuchen, dir einen Überblick zu geben und wagen einen Vergleich.

Lieferung in 10 Minuten: Wie funktioniert das?

Die Express-Dienste liefern aus unterschiedlichen Lagern, die sie in Innenstadtlagen gemietet haben. Dabei gilt: Je näher am Kunden, umso besser. Teils sind es nicht mehr genutzte Ladenlokale oder leer stehende Büroflächen. Insbesondere jene Flächen, die zwar zentral liegen, aber nicht gut für Laufkundschaft zu finden sind, sind für die Lieferdienste interessant. Denn Laufkundschaft oder Passanten vorm Lager stören nur, wenn eine Lieferung ansteht.

Im Lager läuft nach der Bestellung sofort jemand los und sammelt deine bestellten Artikel ein, verpackt sie in eine Papiertüte und gibt sie an einen der eigenen E-Bike-Fahrer, die vor der Tür warten. Oftmals dauert das Einsammeln der Bestellung nicht mehr als ein bis zwei Minuten. Möglich wird das durch eine kleine Auswahl, einen guten Lageraufbau und geschickte Logistik. Der Fahrradbote hat dann noch fünf bis acht Minuten Zeit, dir die Tüte zu bringen.

Klar ist: Mit einem Wochen-Einkauf kann das nicht funktionieren. Doch Kunden, die ihre Wocheneinkäufe machen, sind gar nicht die Zielgruppe der Express-Lieferdienste. Vielmehr wollen sie die Kunden dazu bekommen häufiger kleine Bestellungen aufzugeben mit jenen Artikeln, die gerade gebraucht werden. Dass man nicht den Wochen-Einkauf ersetzen will, zeigt auch die überschaubare Anzahl an Artikeln und die Tatsache, dass du ausschließlich per App bestellen kannst.

Berliner Express-Lieferdienste im Überblick

Am bekanntesten dürfte der Lieferdienst Gorillas sein. Das Start-Up hat Millionen Euro eingesammelt, um den Dienst aufzubauen und ist mittlerweile in acht deutschen Städten aktiv. Wichtig dabei: Es gibt kein zusammenhängendes Liefergebiet. Gorillas betreibt ganz klar Cherry-Picking und liefert dort, wo die Zielgruppe lebt und arbeitet.

Gleiches gilt aber auch für Flink und Bring, unsere beiden Vergleichskandidaten. Flink ist in insgesamt 12 Städten tätig und versorgt beispielsweise auch Teile von Krefeld, Offenbach, Bonn oder Mainz.

Nur in der Hauptstadt Berlin unterwegs ist der dritte Anbieter in unserem Mini-Überblick: Bring. Der Dienst, der nichts mit der gleichlautenden Einkaufslisten-App zu tun hat, wird aber auch in weiteren Städten starten. Ein Blick auf die Webseite zeigt, dass man sich offenbar unter anderem für Düsseldorf, Hamburg, Leipzig, München, Köln, Frankfurt, Dresden, Dortmund, Stuttgart, Hannover und München vorbereitet. Interessant hier: Das Lager von Bring ist auch gleichzeitig ein echter Supermarkt, in dem du einkaufen gehen kannst.

Was kosten Lebensmittel per Lieferdienst?

Um eine preisliche Vergleichbarkeit der Dienste herstellen zu können, haben wir einen Mini-Warenkorb mit einem Liter Milch (3,5 % Fett), einer Flasche Cola (1 Liter), einer Mango, einer Portion Schweineschnitzel und einer Packung Spaghetti kreiert. Gab es mehrere Marken zu Auswahl haben wir die günstigsten genommen. Das gewählte Liefergebiet lag dabei stets im Osten Berlins.

Die Gorillas liefern uns diese Artikel zu überschaubaren Kosten: Milch 1,19 Euro, Cola 1,19 Euro, Mango 1,89 Euro, Schweineschnitzel 6,49 Euro (300 Gramm, Havelländer Bio Schwein), Spaghetti 2,29 Euro. Die Lieferung kostet 1,80 Euro, zusammen zahlen wir also 14,85 Euro.

Diese Kosten berechnet Bring: Milch 1,39 Euro, Cola 1,09 Euro, Mango 2,19 Euro, Spaghetti 0,95 Euro. Der Einkauf musste aber vegetarisch bleiben, Schweineschnitzel sind nicht im Angebot. Für Bring ist dieser Warenkorb zu klein, um ihn zu liefern. Man setzt 25 Euro Umsatz voraus, liefert dann aber kostenfrei. Wir kommen nur auf 5,62 Euro – ohne die Schnitzel.  Allerdings liefert bring auch nicht so schnell wie die Gorillas. Bis zu 30 Minuten soll es dauern.

Flink berechnet uns für unseren Mini-Einkauf: Milch 1,29 Euro, Cola 1,19 Euro, Mango 2,90 Euro, Spaghetti 1,69 Euro. Auch hier: keine Schweineschnitzel im Angebot. Die Lieferung erfolgt wie bei Gorillas für einmalig 1,80 Euro. Ohne die teuren Schweineschnitzel zahlen wir hier 8,87 Euro für die bequeme Lieferung nach Hause.

Preise und Produktpalette bei Gorillas und Co.

Die Preise entsprechend also dem gehobenen Supermarkt-Niveau. Dafür bekommst du in aller Regel aber auch Markenartikel. Und du musst nicht einen Schritt vor die Tür setzen. Zwar war Gorillas in unserem Beispiel der teuerste Anbieter, aber auch der einzige, der alles liefern konnte. Das aber kann in anderen Regionen schon wieder anders aussehen.

Nicht nur Lebensmittel sind bei den Lieferdiensten zu haben. So fiel uns bei den Gorillas beispielsweise auf, dass wir auch Windeln hätten bestellen können. Bedenkt man, dass die Windeln binnen zehn Minuten bei dir sind, kann das die ein oder andere unangenehme Situation retten, wenn der Einkauf selbiger vergessen wurde. Auch Corona-Schnelltests, Zahnpasta und Waschmittel haben wir beim virtuellen Einkauf gesehen. Einen großen Supermarkt wie Kaufland können die Express-Dienste aber nicht ersetzen. Für spontane Einkäufe sind die Express-Lieferdienste aber sicher eine gute Ergänzung.

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Andere Städte, andere Dienste

Die von uns bis hierhin genannten Anbieter sind aber nur eine kleine Auswahl, die derzeit zu finden ist. Viele Dienste arbeiten derzeit auch nur in einzelnen Regionen oder Städten. So bietet knuspr.de seine Dienste nur in München an. Bringoo ist nur in Hamburg unterwegs, will aber wohl auch in Berlin starten. Getfaster.io versucht sein Glück in Düsseldorf. Weitere Dienste stehen in den Startlöchern. So werden Namen wie Getir mit Ursprung in der Türkei für einen Start in Deutschland gehandelt. Es lohnt sich also, die Augen offenzuhalten, welche Dienste in deiner Stadt aktiv sind. Über kurz oder lang wird es aber auch in dieser Branche wieder zu Konsolidierungen kommen, bei denen Anbieter dann wieder vom Markt verschwinden.

Darüber hinaus gibt es weitere Lieferdienste, die dir Lebensmittel, bis vor die Tür liefern. Nur dann eben nicht in 10 oder 30 Minuten, sondern in einigen Stunden oder Tagen. Perfekt für den Wochen-Einkauf.

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