Fotografieren mit dem Handy: Diese 7 Regeln der Bildgestaltung machen deine Bilder besser

8 Minuten
Was für Fotografen selbstverständlich ist, wissen die meisten Handynutzer nicht. Wer beim Fotografieren ein paar einfache Regeln beachtet, kann seine Bilder dadurch deutlich besser machen. Wir zeigen dir, wie du bereits nach 5 Minuten schönere Fotos schießt.
Fotografieren mit dem Handy: Diese 7 Regeln der Bildgestaltung machen deine Bilder besser
Fotografieren mit dem Handy: Diese 7 Regeln der Bildgestaltung machen deine Bilder besserBildquelle: Mike Kienle / Unsplash

Zur Bildgestaltung gibt es ganze Bücher. Professionelle Fotografen kennen alle Regeln auswendig und setzen sie beim Fotografieren ein, ohne dass es irgendwer bemerkt. So ist es kein Zufall, dass die Bilder von Fotografen meist besser und schöner sind, als jene, die man selbst macht. Dabei lassen sich auch mit dem Handy zweifellos wunderschöne Fotos schießen. Man muss nur einige Regeln der Bildgestaltung kennen. Wir zeigen dir 7 davon, die deine Bilder sofort besser werden lassen.

Raus aus der Mitte

Das einfachste Mittel, um ein Foto interessanter erscheinen zu lassen, ist, das Objekt nicht in die Mitte des Bildes zu setzten, sondern links oder rechts daneben – in den Goldenen Schnitt. Die Drittelregel und der Goldene Schnitt sind recht ähnlich und unterteilen ein Bild mehr oder weniger in neun gleich große Felder. Platzierst du dein Hauptobjekt auf einem dieser Schnittpunkte oder entlang einer Linie, wirkt das Foto interessanter – manche würden sagen: schöner. Etwas in die Bildmitte zu rücken, bietet sich hingegen bei einem symmetrischen Aufbau an. Ein virtuelles Raster kannst du in den Kameraeinstellungen deines Handys einschalten. Das hilft dir bereits während der Aufnahme das Objekt richtig zu platzieren oder den Horizont in die Waage zu bringen, was im Übrigen unser nächster Tipp ist.

Raus aus der Mitte und rein in den Goldenen Schnitt
Raus aus der Mitte und rein in den Goldenen Schnitt

Halte mit deinem Handy die Waage

Fotografierst du etwa einen Sonnenuntergang am Meer, achte darauf, dass der Horizont in der Waage ist und nicht zu einer Seite kippt. Das sieht deutlich ästhetischer aus und macht nicht den Eindruck, als würde das Wasser auf dem Bild an einer Seite ablaufen, da der Horizont schräg ist. Kombinierst du diesen Tipp mit dem Ersten und positionierst den Übergang zwischen Meer und Himmel auf die untere oder obere horizontale Linie, wirkt das Bild harmonischer.

Vordergrund erzeugt Tiefe

Ein ganz einfacher Trick, einem Bild Tiefe zu verleihen, ist, einen Vorder- und Hintergrund zu schaffen. Fotografierst du also etwa ein etwas weiter entferntes Gebäude in einer Stadt, versuch etwas zu finden, das nah ist und das du ebenfalls aufs Bild bekommst. Das Gebäude befindet sich dabei im oberen Bildabschnitt und etwa eine Ampel oder ein Auto im unteren. Dadurch entsteht ein Raum. Mit einer Diagonale von rechts unten (Auto oder Ampel) nach links oben (Gebäude) oder umgekehrt, kannst du zudem eine Linie schaffen. Dieser Linie folgt das Auge bei der Betrachtung. Auch mit dieser Regel entsteht Raum.

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Enorm wichtig: Hintergrund bei Porträts

Umgekehrt kann auch der Hintergrund ein Bild deutlich besser und schöner machen. Etwa dann, wenn du ein Porträt schießt. Wer Menschen fotografiert, achtet meist darauf, ob die Person lächelt oder welche Pose sie einnimmt. Den Hintergrund blenden viele einfach aus. So stellt man oft erst später fest, dass der Person auf dem Bild eine Antenne oder ein Baum aus dem Kopf wächst. Beim Fotografieren war er zwar im Hintergrund und für dich als Fotograf somit nicht in Verbindung mit der Person gebracht. Auf dem Foto aber rücken Vorder- und Hintergrund zusammen. Achtest du also auf einen ruhigen Hintergrund mit wenig Störelementen und Farben, wirkt das Bild nicht nur besser und ruhiger. Auch die abgelichtete Person steht mehr im Fokus, wie das folgende Beispiel verdeutlicht: Bewerbungsfotos mit dem Handy: So einfach ist es.

Viele Handys haben auch spezielle Porträt-Modi. Diese sorgen dafür, dass der Hintergrund unscharf wird. Das wird zwar im Gegensatz zur Profi-Kamera per Software und nicht durch die Optik des Objektivs erzeugt. Es funktioniert inzwischen aber auch beim Handy meist richtig gut. Probier es einmal aus und vergleiche das Ergebnis mit einem Foto, dass du im normalen Modus geschossen hast.

Begib dich mit deinem Handy auf Augenhöhe

Bist du schon einmal durch eine Stadt gelaufen und hast einmal hochgeschaut? Meist fallen uns dann Dinge auf, die wir zuvor noch nie gesehen haben – auch wenn wir schon ewig in dieser Stadt leben. Warum ist das so? Zum einen, weil wir in gewohnten Umgebungen nicht mehr so sehr auf die Details und das Umfeld an sich achten. Zum anderen, weil wir dabei die Perspektive ändern. Hast du etwa ein Haustier oder Kinder, die du immer wieder fotografierst, begib dich auf Augenhöhe und drücke erst dann den Auslöser deiner Kamera-App auf dem Handy. Hock dich hin oder leg dich dazu auf den Boden. Du wirst überrascht sein, deine Kinder aus dieser Perspektive zu sehen. Was bei Kindern und Haustieren funktioniert, gilt auch für Gegenstände, Gebäude und Landschaften. Nicht grundlos sorgen seit einigen Jahren Aufnahmen aus der Vogelperspektive für Furore – Drohnen sei Dank.

Aus der Vogelperspektive fotografiert
Aus der Vogelperspektive fotografiert

Such Kontraste

Neu und alt, eckig und rund, orange und blau: Such nach Kontrasten in einem Motiv. Viele Fotografen sind überzeugt davon, dass Kontraste die Seele der Fotografie sind. Sie machen ein Bild aber vor allem eines: interessant. Es gibt insbesondere zum Helligkeits- und Farbkontrast unglaublich viel zu erzählen, was jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Was du dir aber gut merken kannst, wenn es um Farben geht: Rot und Grün, also etwa Blumen und Wiese, oder Blau und Orange, als Farben, die man oft beim Sonnenauf- oder -untergang beobachten kann, haben eine ganz besondere Wirkung auf Fotos.

Kontraste mit dem Handy fotografieren
Kontraste mit dem Handy fotografieren

Konzentriere dich auf das Wichtigste

Der iPhone-Erfinder Steve Jobs wusste schon: Weniger ist mehr. Was beim Design funktioniert, funktioniert auch bei der Fotografie. Konzentriere dich beim Bildaufbau auf das Wesentliche und wähle den Bildausschnitt so, dass überflüssige und unwichtige Dinge aus dem Motiv verschwinden. Ein Suchbild kann fantastisch sein, wenn es viele wunderbare Dinge zu sehen gibt. Meist ist das aber nicht der Fall, wenn man versucht, möglichst viele Details auf einem einzigen Foto festzuhalten. Möchtest du etwa ein Auto fotografieren, tu es nicht auf der Straße, auf der unzählige andere Autos fahren, Ampeln, Fußgänger und Geschäfte im Hintergrund ablenken. Dein Motiv verschwindet dann und das Objekt ist nur eines von vielen. Versuche das Auto freizustellen, in dem du es auf einer nicht viel befahrenen Landstraße oder einem alten Fabrikgelände fotografierst.

Auto fotografieren: Konzentriere dich auf das Wichtigste und reduziere
Auto fotografieren: Konzentriere dich auf das Wichtigste und reduziere

Es kann aber sein, dass sich Gegenstände auf dem Bild nicht vermeiden lassen. Ein Mülleimer etwa, der nun mal neben der Parkbank steht, wird mit auf dem Bild sein, wenn man jemanden auf der Bank sitzend fotografiert. Kleine Störer lassen sich im Nachhinein entfernen. Wir stellen hier ein Profi-Tool vor, mit dem du schnell und kostenlos deine Bilder noch besser machen kannst. Damit lassen sich nicht nur Dinge wie Mülleimer, in der Luft baumelnde Stromkabel, die die Landschaft verschandeln oder Personen, die im Weg stehen, einfach retuschieren. Hier kannst du auch Farbanpassungen durchführen oder Bilder, die du mit dem Handy gemacht hast, nachträglich schärfen.

Handy Hochkant oder im Querformat?

Viele haben sich schon einmal gefragt, ob sie ein Motiv im Hoch- oder Querformat fotografieren sollen. Auch das gehört zur Bildgestaltung. Bilder im Querformat waren die Regel. Das liegt zum einen daran, dass Kameras so gebaut sind, dass man sie in diesem Format in der Hand hält. Zum anderen kommt das Querformat unserem normalen Seheindruck am nächsten. So ist der Fernseher nicht grundlos breiter als höher. Für die klassische Landschaftsfotografie eignet sich dieses Format ausgezeichnet. Doch spätestens seit der Erfindung des Smartphones haben Aufnahmen in Hochformat zugenommen. Auch das liegt an der „normalen“ Haltung des Geräts.

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Hochkant im Querformat

Zwischen Hoch- und Querformat entscheidet aber meist das Motiv. Ein Porträt oder ein hohes Gebäude kommen hochkant besser zur Wertung. Ein Auto oder die bereits angesprochene Landschaft sehen auf dem Foto besser im Querformat aus. Aber das muss nicht die Regel sein. Probier es einfach aus. Fotografier mit deinem Handy ein Motiv im Quer- und Hochformat und schau dir die beiden Fotos an. Welches gefällt dir besser und warum? Machst du das immer wieder, wirst du wiederkehrende Regelmäßigkeiten feststellen. Oder aber du fotografierst einen Tag lang nur im Hochformat und an einem anderen im Querformat.

Fazit

Das ist ohnehin ein Tipp für alle hier beschriebenen Regeln. Versuch nicht alle auf einmal umzusetzen. Nimm dir eine oder zwei und fotografiere damit eine Zeit lang. Je mehr Fotos du machst, umso tiefer verfestigen sich die Regeln in deinem Unterbewusstsein. Irgendwann positionierst du ein Objekt auf einem Motiv automatisch in einen Schnittpunkt des Goldenen Schnitts und siehst Kontraste oder Diagonalen, die andere nicht sehen.

Bildquellen

  • Raus aus der Mitte und rein in den Goldenen Schnitt: Shibupavizha George / Unsplash
  • Aus der Vogelperspektive fotografiert: David Kovalenko / Unsplash
  • Kontraste mit dem Handy fotografieren: Blasius Kawalkowski
  • Auto fotografieren: Konzentriere dich auf das Wichtigste und reduziere: Erik Mclean / Unsplash
  • Mit dem Smartphone fotografieren: 10 Tipps für das perfekte Foto: Blasius Kawalkowski
  • Foto vom Fotografieren einer Kamera: Blasius Kawalkowski
  • Fotografieren mit dem Handy: Diese 7 Regeln der Bildgestaltung machen deine Bilder besser: Mike Kienle / Unsplash

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