Digital Detox: Mit diesen Apps klappt das Handyfasten

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Fasten. Für viele Menschen geht das in der heutigen Zeit weit über den Verzicht von Lebensmitteln hinaus. „Digital Detox“ heißt der moderne Verzicht – denn die handylose Zeit ist aktuell die wahre „Quality Time“, wie es im Netz angepriesen wird. Möchtest auch du von Aschermittwoch bis Ostern dein Smartphone weniger nutzen, haben wir Apps im Überblick, die dir dabei helfen.
iPhone in einer Hand
Bildquelle: Unsplash

Nach der Erfindung des Internets haben Smartphones die Welt wohl am meisten nachhaltig beeinflusst. Egal ob Zuhause vor dem Fernseher, in der Bahn oder bei der Arbeit – das Smartphone ist immer griffbereit; unterstützt, informiert und unterhält. Es ist also kein Wunder, dass unter 24-Jährige laut dem Marktforschungsinstitut Statista mehr als 50 Mal am Tag auf ihr Handy schauen (Stand 2016).

In einigen extremen Fällen kann der Smartphone-Enthusiasmus gar als konventionelle Sucht angesehen werden. Doch auch für durchschnittliche Nutzer könnte es sich lohnen, das schlaue Mobiltelefon eine Weile lang links liegen zu lassen.

Digital Detox: Handylose Zeit manuell einrichten

Den Begriff Detox kennt man vor allem im Zusammenhang mit Diäten – oder vielmehr Entgiften. Der Körper soll von Schadstoffen gereinigt werden, so zumindest in der Theorie. Beim Digital Detox gönnst du vielmehr deinem Geist und zumindest deinen Augen eine Auszeit von der virtuellen Reizüberflutung. Ziel: Den Stressfaktor, der durch ständige Erreichbarkeit sowie die unaufhörliche Informationsflut entstehen kann, zu verringern.

Möchtest du manuell und nach eigenem Ermessen auf dein Handy sowie häufig genutzte Apps verzichten, bieten sich ein paar Einstellungen an, damit das Fasten gelingt.

  • Push-Benachrichtigungen deaktivieren: Jeder Push, der dein Smartphone erreicht, lässt dein Handy aufleuchten. Damit du davon nicht permanent an den Bildschirm gelockt wirst, deaktiviere die Benachrichtigung, solange du fastest.
  • Handyfreie Zone zu Hause: Auch wenn du eigentlich Fernsehen schaust oder Besuch hast – meistens liegt das Smartphone immer in Reichweite. Das muss nicht sein. Lass dein Handy stattdessen lieber „draußen“. Richte in deinen vier Wänden Bereiche ein, in denen du dein Smartphone nicht benutzt.
  • Zeit ohne Smartphone: Die Zone kannst du auch in generelle Zeiträume in und außerhalb deines Zuhauses ausweiten. Verzichte bewusst zu bestimmten Zeiten oder in eingerichteten Zeiträumen auf dein Handy oder spezielle Apps.
  • Handy entrümpeln: In der Fastenzeit ist es ebenfalls hilfreich, Ballast abzuwerfen und das Handy zu entrümpeln. Lösche überflüssige Apps und ungenutzte Inhalte. Mache Platz für neues Leben auf deinem Smartphone.

Wer sich dem inneren Schweinehund nicht alleine stellen will oder kann, bekommt Unterstützung von Apps. Die hilfreichsten sind im Folgenden aufgelistet.

Handyfasten – diese Apps helfen dabei

Googles „Digital Wellbeing“ für Android

Digital Wellbeing AppSeit Android 9 Pie ist „Digital Wellbeing“ ein fester Bestandteil der Google-Services. Die App hilft dabei, die Gewohnheiten zu beobachten und zu tracken. Hast du den Dienst aktiviert, kannst du überwachen, wie oft du dein Smartphone entsperrst, welche Apps du nutzt oder welche Nachrichten eingehen. Außerdem wird dir angezeigt, wie lange du vor dem Bildschirm gehockt hast.

Darüber hinaus lässt sich die Zeit, in der du dein Handy nutzt, einschränken. Dafür musst du im Dashboard einen bestimmten Zeitraum eingeben. Zusätzlich gibt es einen Entspannungsmodus, der das Auge schont. Verschiedene Graustufen unterbinden die bunte Reizüberflutung und der „Bitte nicht stören“-Modus die Belästigung durch Nachrichten oder Anrufe.

Unabhängig von Google haben einige Hersteller auch eigene Dienste entwickelt. OnePlus bietet auf seinen Smartphones beispielsweise den „Zen Mode“. Dieser lässt sich sogar soweit einstellen, dass sich das Handy im Zeitraum gar nicht nutzen lässt. Auch Samsung bietet eine eigene Variante an.

Digital Wellbeing
Digital Wellbeing
Entwickler: Google LLC
Preis: Kostenlos

Apples „Bildschirmzeit“ für iOS

Auch Apple hat für seine iPhones und iPads mit „Bildschirmzeit“ einen eigenen Ruhemodus in petto. Die App findet sich wie bei Android in den Einstellungen des Smartphones und befindet sich seit iOS 12 in Apples Betriebssystem. Mit dem Dienst kannst du deine Bildschirmzeit beobachten: In verschiedenen Statistiken lässt sich anzeigen, wie häufig du dein iPhone oder wie viele und welche Apps du nutzt. Im Detail lässt sich auch die einzelne Nutzungszeit pro App ansehen oder wie lange du welches Gerät, das du in der Apple ID registriert hast, nutzt.

Apple Bildschirmzeit

Möchtest du eine „echte“ Auszeit, kannst du eine Zeitbegrenzung für Apps festlegen. Die App darf dann nur außerhalb der Zeit laufen und muss sonst mit einem Code entsperrt werden. Diese Einstellung eignet sich beispielsweise auch für Kinder, die nur wenig Zeit am iPhone verbringen sollen.

Forest

Forest App

Die erste Anwendung für Digital Detoxing ist Forest. Hier versuchen die Entwickler dich zur „Enthaltsamkeit“ zu motivieren, indem sie für eine gewisse Zeit, in der du das Smartphone nicht nutzt, einen digitalen Baum erhältst. Zeigst du dabei Willenskraft, kann so ein ganzer Wald entstehen, welchen man mit seinen Freunden teilen kann. Alternativ findet man sich am Ende vor einer kargen Wüstenlandschaft wieder.

Forest erinnert an ein Spiel, denn Nutzer können mit der App Münzen sammeln oder bestimmte Ziele freischalten – je nachdem, wie gut sie die Finger vom Handy lassen können. Hast du genug Münzen zusammen, kannst du sie an eine gemeinnützige Organisation für Naturschutz spenden. Die App selbst ist allerdings mit allerhand Werbung gespickt und bietet einige Features nur kostenpflichtig an.

Forest:Konzentriert Bleiben
Forest:Konzentriert Bleiben
Entwickler: Seekrtech
Preis: Kostenlos+
‎Forest
‎Forest
Entwickler: SEEKRTECH CO., LTD.
Preis: 2,29 €+

AppDetox

Eine alternative Vorgehensweise eröffnet sich digitalen Aussteigern durch die Anwendung von AppDetox. Im Gegensatz zu „Forest“ belohnt AppDetox die Nutzer nicht dafür, das Smartphone insgesamt ausgeschaltet gelassen zu haben. Im Gegenteil: Die App hilft dabei, die Nutzung konkreter Programme zu minimieren. Dafür wird zunächst eine Statistik darüber erstellt, wie oft die einzelnen Apps genutzt werden. Im Nachhinein können gewisse Regeln für die Nutzung dieser aufgestellt werden – beispielsweise eine maximale Nutzungszeit oder wie oft die Anwendung in einer Woche geöffnet werden darf.

Zusätzlich bietet AppDetox auch an, zu mehr Bewegung zu animieren. Du kannst festlegen, wie viele Schritte du gehen musst, bevor du als „Belohnung“ eine App für zehn Sekunden verwenden darfst. Wem das letztlich zu anstrengend ist, kann die vorab festgelegten Regeln auch brechen. AppDetox steht kostenfrei zum Download bereit.

AppDetox - Digital Detox
AppDetox - Digital Detox
Entwickler: AppDocs
Preis: Kostenlos

Space

Space AppDie Anwendung Space stellt eine Mischung aus „Forest“ und „AppDetox“ dar. Beim erstmaligen Anmelden kannst du Details zum eigenen Nutzungsverhalten angeben und Space so personalisieren. Daraufhin erhältst du die Möglichkeit, eigene Ziele für die Nutzungszeit und die Anzahl der Freischaltungen festzulegen.

Weiterhin kannst du eine Statistik über die eigenen Erfolge begutachten und erhältst Zugang zu Tools wie einem Benachrichtigungs-Blocker. Eine spielerische Komponente ist ebenfalls enthalten: Hierbei werden bei Erreichen der Vorgaben Belohnungen in Form von unterschiedlichen Planeten freigeschaltet. Die Basis-Variante von Space steht kostenlos zur Verfügung.

SPACE – Besiege die Smartphone-Sucht
SPACE – Besiege die Smartphone-Sucht
Entwickler: Mobifolio
Preis: Kostenlos+
‎SPACE - Break phone addiction
‎SPACE - Break phone addiction
Entwickler: Mrigaen Kapadia
Preis: Kostenlos+

OffTime

OffTime App Screenshot

Hierbei handelt es sich um eine deutsche App, die dahinterstehenden Entwickler sind aus Berlin. OffTime macht keine halben Sachen und blockiert Apps sowie Nachrichten und Anrufe für eine festgelegte Zeit. Allerdings kannst du bestimmte Kontakte von der Blockade herausnehmen. Während der eingestellten Zeit, in der du dein Smartphone nicht gebrauchen willst, kannst du trotzdem weiterhin Einstellungen vornehmen und bist nicht komplett von dem Gerät abgeschnitten.

Damit die Anwendung richtig funktioniert, benötigt die App allerhand Zugriffsrechte – beispielsweise auf deine SMS. Möchtest du die App beziehungsweise den Ruhemodus deaktivieren, musst du eine Minute warten. Dann fragt die OffTime nochmal, ob du dir wirklich sicher bist. Die App als solche ist kostenlos; doch auch hier gibt es kostenpflichtige Elemente.

OFFTIME – Digital disconnection
OFFTIME – Digital disconnection
Entwickler: mINdCUBEd
Preis: Kostenlos+

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