Smart TV spioniert dich aus: So wendest du den Datenklau ab

5 Minuten
Abends auf der Couch sitzen und fernsehen. Wenn du ein Smart TV besitzt, kannst du sogar Netflix und Co. streamen oder zwischenzeitlich im Netz surfen. Genau hier ist der Haken: Hat ein Fernseher Internetzugang, kann er dich ausspionieren.
Familie schaut zusammen Netflix auf dem Fernseher
Bildquelle: Netflix

Surfst du über deinen Laptop und Smartphone im Netz oder bist in Sozialen Netzwerken unterwegs, ist dir bewusst, was im Hintergrund passiert. Daten werden erfasst, abgefragt und ausgewertet. Durch die DSGVO fragt mittlerweile jede Webseite nach deinem Einverständnis für Cookies und Co. zu Marketingzwecken. Das Bewusstsein für die potenzielle „Spionage“ – drastisch gesprochen – ist bei Verbrauchern da. Doch wie sieht es bei Smart TVs aus?

Du kennst das mit Sicherheit: Du schaust einen Film und plötzlich schiebt sich Werbung mitten ins Bild – selbst im Menü des Fernsehers. Oder dir wird „Smart TV Werbung“ angezeigt. Dass Datenschutz beziehungsweise das Sammeln von Daten auch bei smarten Fernsehern eine große Rolle spielen, zeigt erneut der aktuelle Fall von Samsung und dessen Smart TVs. Im Prinzip betrifft diese Problematik aber alle Geräte mit Internetverbindung. Die Schwierigkeit: Viele Nutzer sind sich über die Datensammelei nicht im Klaren. Auch bei der Politik steckt die Entwicklung zum Datenschutz bei Smart TVs noch in den Kinderschuhen.

Bundeskartellamt: Smart TVs sind mangelhaft

Dass bei internetfähigen Fernsehgeräten Handlungsbedarf besteht, hat auch das Bundeskartellamt erkannt. In einem Bericht (Sommer 2020) bewertet das Amt die IT-Sicherheit sowie den Datenschutz bei Smart TVs als mangelhaft. Die Gründe: Die Fernsehgeräte analysieren das Verhalten ihrer Nutzer, wie beispielsweise das Surf- oder Klickverhalten oder Apps, die häufig genutzt werden. Hinzu kommt die Erfassung von biometrischen Daten, wie etwa die Stimme. Das Ziel: personalisierte Werbung.

Darüber hinaus ist es für Verbraucher nicht ersichtlich, ob und welche Daten gesammelt werden. Um die Datenschutzeinstellungen zu ändern, ist ein enormer Aufwand angebracht. Du musst dich durch die Systemeinstellungen kämpfen und dort nach den entsprechenden Optionen suchen, um sie zu deaktivieren. Abseits dessen fehlt es an garantierter IT-Sicherheit, wie Updates seitens des Herstellers, meint das Bundeskartellamt.

Auf diese Informationen greifen smarte Fernseher zu

Da es von Herstellern erst einmal kein Entgegenkommen gibt, stellt sich die Frage: Was kannst du gegen das Sammeln von Daten tun? Der erste Schritt in die richtige Richtung ist, sich darüber bewusst zu werden, dass du – egal mit welchem Gerät du dich im Internet bewegst – einen digitalen Fingerabdruck hinterlässt.

Wichtig zu wissen ist, dass viele Hersteller eine allgemeine und einheitliche Datenschutzbestimmung haben. Das bedeutet, dass wenn du beispielsweise ein Smartphone und Fernsehgerät des gleichen Unternehmens nutzt, du am Fernseher einem gewissen Datenschutz- und Marketingoptionen zustimmst, das dann auch für dein Handy gilt. Das ist aber nicht immer der Fall – im Zweifel: informieren. Neben dem Hersteller des Fernsehers nutzen übrigens auch App-Entwickler, Portalbetreiber im Netz und Co. deine Daten für (crossmediale) Werbezwecke.

Hinsichtlich des Datensammelns muss man zwischen drei verschiedenen Kategorien unterscheiden:

  • Informationen zum Gerät: IP-Adresse, Standort, Gerätenummer oder Werbe-ID
  • Nutzerdaten: Geburtsdatum, Kontaktdaten, Mail-Adresse oder auch Bankdaten
  • Nutzerverhalten am TV: Interaktionen des Nutzers mit dem Fernsehgerät, beispielsweise Cursorbewegung oder besuchte Webseiten

Dementsprechend solltest du dir stets die Fragen stellen, welche Informationen dein Fernseher über dich sammeln kann und welche Daten du überhaupt teilen willst.

Smart TVs und der Datenschutz: Aktiv werden

Die Hersteller und deren Marketing- und Werbeabsichten zwingen sich dir nicht auf, im Gegenteil: Du kannst der Datensammelei aktiv widersprechen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Stehst du noch vor dem Kauf eines Smart TVs, kannst du dich noch vorab beim Hersteller über die üblichen Datenschutzbestimmungen informieren. Nicht zu vergessen: Die Software-Update-Garantie. Sie gibt Aufschluss darüber, wie lang dein Gerät aktuell gehalten wird und du es dementsprechend sicher nutzen kannst. Wird die Software und Co. nicht aktualisiert, steigt die Gefahr für Sicherheitslücken. Das Problem: Nur wenige Hersteller geben auf ihrer Webseite Aufschluss darüber, wie ihre Datenschutzbestimmungen sind.

Hast du den Fernseher bereits gekauft, ihn aber noch nicht eingerichtet, schlägt an dieser Stelle die Gunst der Stunde. Beschäftige dich beim Einrichten aktiv mit den Datenschutzbestimmungen und nimm dir Zeit, sie zu lesen – auch das Kleingedruckte. Dann kannst auch jeder Forderung widersprechen und die Einstellung deaktivieren. Kurzum: Wenn du deine Daten schützen willst, erlaube von Anfang an so wenig wie möglich. All diese Optionen kannst du natürlich auch im Nachhinein in den Systemeinstellungen ändern.

Datensammeln vermeiden: Diese Tricks helfen dir

Außer die richtigen Häkchen in den Systemeinstellungen deines Fernsehers zu entfernen, gibt es noch weitere Dinge, die du unternehmen kannst, um dich zu schützen.

  • Auf Sicherheitsupdates achten: Updates bringen deinen Smart TV auf den neuesten Stand und garantieren dir eine sichere Nutzung, indem Sicherheitslücken geschlossen werden. Wird dir ein Update angeboten, installiere es.
  • Apps deinstallieren: Auch auf deinem Fernseher sind Apps vorinstalliert oder du hast selbst eine Menge Anwendungen installiert. Alle Apps sammeln auch Daten, wenn du sie nicht mehr nutzt. Deswegen: Lösche alle Apps von deinem TV, die du nicht mehr brauchst.
  • Anwendungen deaktivieren: Dazu zählen Anwendungen wie HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV), das meist auf dem roten Knopf auf der Fernbedienung hinterlegt ist. Drückst du auf den Button, liefert HbbTV dir Hintergrundinformationen aus dem Netz zur Sendung, die du gerade schaust. Steuerst du dein Fernsehgerät nicht per Sprachbefehl, deaktiviere die Spracherkennung. Gleiches gilt für eingebaute Webcams.
  • Shopping-Tour vermeiden: Du solltest darauf verzichten, über den Smart TV zu surfen, einzukaufen oder Dinge zu konsumieren, wo sensible Daten – wie Bankverbindungen oder Accountdaten – abgefragt werden. So kannst du dich generell und vor allem auf einfachem Wege schützen.
  • Internetverbindung trennen: Wenn es hart auf hart kommt und du dich unsicher fühlst, kannst du deinen Smart TV auch vom Internet trennen. Dann kannst du Internetbasierte Anwendungen, wie Netflix, allerdings nicht mehr nutzen. In diesem Fall stellt sich dann auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit beim Kauf eines smarten Fernsehers.

Deine Technik. Deine Meinung.

11 KOMMENTARE

  1. Man wird gezwungen seine Daten beim Kaffee beim Bäcker ober beim Essen im Restaurant zu hinterlassen und ihr macht euch sorgen das euer TV euch ausspioniert? Ich lach mich weg.

    • Naja dein Vergleich hinkt aber ganz schön arg

      Der Bäcker kriegt nur deinen Namen und Adresse es gibt keine Verbindung zu dem was du kaufst wenn du bar zahlst

      Der Fernseher aber weiß ganz genau wann und was du guckst(auch deine privat Videos) kann deine Stimme hören und was du sonst so zuhause machst

    • Hallo Klaus,
      Eine Adresse beim Bäcker anzugeben ist ja durch Corona bedingt Peanats gegenüber die Daten die im Internet gesammelt werden.

      Intresant wird es für den Bäcker, wenn er folgende Daten bekommt:
      Girokontodaten am besten mit Passwörter
      Email Konto +Passwörter (das ist der Supergau, da kann man von Diversen Plattformen dann ein neues Passworts anfordern)
      Bestellungen bei Apotheken->Krankheitsverlauf
      ….
      Interesse hätten
      Lebensversicherungen (keine Versicherung für dich mehr)
      Arbeitgeber (keinen Job mehr für dich)
      Werbetreibende (höhere Verkaufszahlen)
      Kriminelle (Kontendiebstahl)

  2. Da sind dochh zwei paar ganz verschieden Stiefel. Der Restaurantbesitzer wird meine Daten nicht mit dem Essen verknüpfen denn dazub hat er gar keine Zeit. In unserer Praxis werden auch die Daten der Kunden erhoben. Aber diese Erhebungsbögen werden nicht weiterverarbeitet oder mit anderen Daten querverbunden oder ergänzt sondern DSVGO-gerecht nach Ablauf der Aufbewahrung ordnungsgemäß vernichtet.

  3. Naja dein Vergleich hinkt aber ganz schön arg

    Der Bäcker kriegt nur deinen Namen und Adresse es gibt keine Verbindung zu dem was du kaufst wenn du bar zahlst

    Der Fernseher aber weiß ganz genau wann und was du guckst(auch deine privat Videos) kann deine Stimme hören und was du sonst so zuhause machst

  4. Klaus tut mir leid – du hast es nicht verstanden – es geht nicht allein um eine Adresse – übrigens – zwei völlig unterschiedliche Lagen in Zusammenhang mit Datenschutzkriterien sollte man nicht vermengen.

  5. Eine Lösung wäre, wenn das Datensameln für die Unternehmen Geld kosten würde. Das könnte man zb. so bewerkstelligen, dass jedes Unternehmen die gesammelten Daten einmal im Jahr ausdrucken und dem Kunden per Post zusenden müsste.
    Jeder Kunde wüsste dann welche Daten von ihm gespeichert werden und könnte die Löschung verlangen.
    Ich denke, niemand weiß genau was alles über ihn gespeichert wird.

  6. Hallo Herr Pulver,
    ich glaube Sie haben den Inhalt des Artikels nicht verstanden. Es geht hier um sensible Daten wie Kontoverbindung, Passwörter, Nutzungsverhalten, Sprach und Lautsprecher – Abfragen. Mit diesen Informationen werden sehr viel mehr Daten von Ihnen freigegeben als Sie denken. Die von Ihnen zu COVID-19 Zeiten abzugebenden Daten zwecks Nachverfolgung bei einer eventuellen Infektion, sind im Vergleich zu den im Artikel beschriebenen Risiken eher gering.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen