Telekom & Co. nutzen Pandemie aus – Beschwerden mehren sich

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Seit Beginn der Pandemie sollen sich Haustürgeschäfte wieder mehren – ohne große Rücksicht auf das Virus. Auftraggeber sind dabei vor allem Telekommunikationsunternehmen. Von den Verbrauchern sowie zahlreichen anderen Parteien wird diese Praxis allerdings offen kritisiert.
Deutsche Telekom Fahne und Telekom-T auf Konzernzentrale
Neue Zahlen von der Deutschen Telekom. Das Jahr 2020 lief überaus erfolgreich.Bildquelle: Deutsche Telekom

Sollten sich Begriffe wie Homeoffice und Homeschooling noch vor eineinhalb Jahren für so manch einen wie fremde Anglizismen angehört haben, haben sich diese heute schon längst eingebürgert. Wegen Covid-19 und den mit der Pandemie verbundenen Einschränkungen verbringen wir aktuell außerordentlich viel Zeit in den eigenen vier Wänden. Und genau diese Tatsache scheinen Telekommunikationsunternehmen ausnutzen zu wollen. So sollen Firmen wie die Deutsche Telekom und Vodafone laut einem Bericht von Spiegel seit der Pandemie vermehrt auf Haustürgeschäfte setzen.

Laut Peter Lassek, Leiter der Fachgruppe Recht bei der Verbraucherzentrale Hessen, seien solche Haustürgeschäfte jedoch risikoreich und einzig im Interesse des Unternehmens. Mit wirklich guten Angeboten müsse niemand von Tür zu Tür ziehen. Bei den Vertretern soll es sich dabei oft nicht einmal um direkte Angestellte der Telekommunikationsunternehmen handeln. Stattdessen sollen diese für Ranger arbeiten, ein in Düsseldorf sitzendes Unternehmen, das auf Direktmarketing spezialisiert ist.

Überwältigende Mehrheit gegen Haustürgeschäfte

Eine Forsa-Untersuchung für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) aus dem Jahr 2020 ergab, dass 98 Prozent der Befragten Haustürgeschäfte „nicht als geeignete Form des Vertragsabschlusses“ ansehen. 33 Prozent der Kritiker gaben indes an, sie würden sich auf diese Art unter Druck gesetzt fühlen, während 24 Prozent unterstrichen, dass bei Vertragsabschlüssen vor der Haustür der Marktüberblick fehle.

Selbst das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz lässt auf seiner Website verlauten, dass diese Form des Einkaufs Risiken birgt. Darum weist das Ministerium ausdrücklich darauf hin, dass Verbraucher unüberlegte Haustürgeschäfte innerhalb einer Frist von 14 Tagen widerrufen können. Rund die Hälfte aller Befragten (49 Prozent) hält diese Frist nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverbands allerdings für zu kurz. Die Verbraucher wünschen sich eine Verlängerung der Widerrufsfrist bei Vertragsabschlüssen an der Haustür. Darüber hinaus fordert der vzbv das Verbot von „unbestellten Hausbesuchen“. Allerdings lehnte der Bundesverband Direktvertrieb Deutschland die Forderung ab, da diese „alle seriösen Direktvertriebsunternehmen“ diskreditieren würde.

Unterm Strich bleibt zunächst also alles unverändert. Die Verbraucherzentrale Hessen rät dazu, „niemanden hineinzulassen und nichts zu unterschreiben“. Den selben Ratschlag gibt auch die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes mit Blick auf mögliche Betrugsmaschen. Demnach solle man niemals etwas an der Haustür kaufen oder unterschreiben. Die angebotenen Gegenstände seien meist nur geringwertig oder gar wertlos.

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1 KOMMENTAR

  1. Auch am Telefon gehe ich ähnlich vor und bitte den Anrufer, mir sein Angebot schriftlich vorzulegen.
    Ergebnis: Es ist noch nie etwas gekommen.
    Manchmal frage ich nach der zugeteilten Akkreditierung meinerseits. Leider kann ich die dummen Gesichtsausdrücke am anderen Ende nicht sehen.

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