Roadtrip zum Nordkap: Reichweitenangst endgültig besiegt!

6 Minuten
Mit dem E-Auto zum Nordkapp. Ist das eine gute Idee? Oder schlicht noch immer purer Lechtsinn? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und haben einen Roadtrip zum nördlichsten Punkt Europas unternommen. Mit auf die Reise gingen drei E-SUVs aus China: zweimal der Xpeng G9 und einmal Xpeng G6.
Xpeng an der norwegischen Grenze.
Mit dem Xpeng G9 bis zum Nordkap. Eindrücke von einem Roadtrip mit dem E-Auto.Bildquelle: Mario Roman Lamprecht

Fast endlose Weiten und eine Straße, die beinahe schnurgerade in Richtung Norden verläuft. Dazu kaum Verkehr und immer wieder entzückende Rentierherden am Straßenrand. Wer dieses Sinnbild der Entschleunigung sucht, sollte einen Abstecher in den Norden von Skandinavien machen. Denn hier kannst du genau das erleben. So wie ich. Auf Einladung des chinesischen Herstellers Xpeng hatte ich die Möglichkeit, den Xpeng G6 (Test) und den Xpeng G9 (Test) auf der Langstrecke zu testen. Von Nordschweden über Finnland bis zum Nordkap in Norwegen. Mit dem E-Auto bis ans nördliche Ende von Europa. Ein sagenhafter Roadtrip in drei Akten.

Mit dem Xpeng G9 auf dem Roadtrip zum Nordkap

Auch wenn mir der Xpeng G6 als SUV-Coupé von der Designsprache und von den etwas dynamischeren Fahreigenschaften besser gefällt (erhältlich ab 43.600 Euro), war ich den Großteil meiner fast viertägigen Reise mit dem Xpeng G9 unterwegs. Und zwar in der sehr geräumigen, aber auch 2,3 Tonnen schweren Performance-Variante mit Allradantrieb, satten 405 kW (551 PS) Leistung und einer Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h. Wer diesen SUV fahren darf, wird schnell verstehen, was es heißt, Spaß an der Elektromobilität zu finden. Mit einem Basispreis von 71.600 Euro ist dieses E-Auto aber auch kein Schnäppchen. Preiswerter sind die beiden G9-Modelle mit Heckantrieb. Die bieten zwar „nur“ 230 kW (313 PS), stehen dafür aber ab 59.600 Euro (Standard-Range / 75,8 kWh Akku) respektive 63.600 Euro (Long-Range / 93,1 kWh) zur Verfügung.

Mit dem E-Auto durch traumhafte Landschaften Skandinaviens.
Malerisch: Der Xpeng G9 neben einer Kapelle in Kvalsund. Image source: Hayo Lücke / inside digital

Also ab mit dem Auto auf die Straße und das Strompedal getreten? Was auf der deutschen Autobahn in so manchen Bereichen kein Problem ist, scheidet in Skandinavien aus. Geschwindigkeitsbegrenzungen bremsen uns auf unserem Weg in Richtung Norden aus. Immer wieder. Gefühlt steht alle zwei Kilometer der nächste Blitzer am Straßenrand. Macht aber nichts. Denn so können wir schnell herausfinden, dass Xpeng G6 und Xpeng G9 auf der Landstraße ebenso komfortabel zu fahren sind, wie auf der Autobahn. Nur die nervtötenden (weil ständig piependen) Assistenzsysteme trüben den ansonsten guten Gesamteindruck im Innenraum. Besonders der Spurhalteassistent treibt mich fast zur Verzweiflung, weil ich angeblich nicht die Spur halte. Zum Glück kann man das nervenstrapazierende Gebimmel aber schnell und ohne große Umwege über das Center-Display ausschalten. Und so für wohltuende Ruhe während der Fahrt sorgen. Denn Fahrgeräusche haben es schwer, von außen nach innen zu dringen.

Ordentliche Reichweite, starke Ladeleistung

Und so cruisen wir frohen Mutes auf unserem Weg in Richtung Nordkap vorbei an nicht enden wollenden Birkenwäldern, roten Schwedenhäuschen und immer wieder wie aus dem Nichts auftauchenden Rentieren. Auf dem Papier versprechen der Xpeng G6 und der Xpeng G9 abhängig vom gewählten Modell eine WLTP-Reichweite von bis zu 570 Kilometern. Auf der Autobahn sollten bei gemäßigter Fahrweise locker 400 bis 450 Kilometer einem realistischen Wert hinsichtlich der Langstreckenreichweite entsprechen. Wir haben das Maximum auf unserem Trip lieber nicht ausgereizt, weil die Dichte an Schnellladesäulen in Skandinavien spürbar abnimmt, je weiter man sich nordwärts bewegt.

Xpeng G9 an der finnischen Grenze auf dem Weg zum Nordkap.
Absolut langstreckentauglich: der Xpeng G9 auf dem Weg zum Nordkap. Image source: Hayo Lücke / inside digital

Und an dieser Stelle ist ganz klar (noch immer) die Achillesferse der E-Mobilität zu identifizieren. Die Ladeinfrastruktur muss einfach mitspielen. Besonders heikel wird es, wenn die Restakkukapazität unter 10 Prozent sinkt, eine Schnellladesäule außer Reichweite ist und die nächste DC-Ladesäule nur zur Hälfte funktioniert: einer von zwei Ladepunkten defekt! So ist es uns in finnischen Enontekiö passiert. Drei Roadtrip-E-Autos mit (fast) leerem Akku dann mit neuer Energie zu versorgen, ist – vorsichtig formuliert – herausfordernd. Besonders dann, wenn der noch verfügbare Ladepunkt zu allem Überfluss nur rund 30 kW statt der versprochenen 50 kW an Ladeleistung liefert.

Xpeng G6 vor Nordlichtkathedrale in Alta.
Der Xpeng G6 vor der Nordlichtkathedrale in Alta. Image source: Hayo Lücke / inside digital

Ein solcher Flaschenhals stellt die Geduld der Insassen primär dann erheblich auf die Probe, wenn das E-Auto eigentlich ein Vielfaches an Ladeleistung bereitstellen kann. Der Xpeng G6 und der Xpeng G9 stehen beide auf einer 800-Volt-Architektur, die in der Spitze das Aufladen mit bis zu 280 kW (G6) oder sogar bis zu 300 kW (G9) gestattet. An einer Schnellladesäule vergehen für das Aufladen von 10 auf 80 Prozent unter optimalen Bedingungen kaum mehr als 20 Minuten. Wenn man schnell vorankommen möchte, sind derart flotte Ladeeigenschaften ein echter Mehrwert. Beim Kauf eines E-Autos sollte man das immer im Hinterkopf haben, wenn das Fahrzeug regelmäßig nicht nur zu Hause, sondern auch unterwegs nach neuer Energie lechzt.

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Xpeng E-Xperience: Mit dem E-Auto von Hamburg zum Nordkap und wieder zurück

Ich hatte in Summe die Möglichkeit, rund 1.300 Kilometer im Xpeng G9 und Xpeng G6 zurückzulegen. Und an dieser Stelle will ich festhalten: Beide Autos liefern nicht zuletzt aufgrund ihres langen Radstands von 2,89 Metern (G6) respektive knapp 3 Metern (G9) überraschend viel Komfort. Gerade auch in der zweiten Sitzreihe. Und sie machen das Autofahren zu einem kleinen Erlebnis. Insgesamt waren die drei an der Xpeng E-Xperience teilnehmenden Fahrzeuge zwischen Hamburg und dem Nordkap je zwischen 5.000 und 6.000 Kilometer unterwegs. Und das ohne größere Schwierigkeiten, wenn man von der teils nur mäßig verfügbaren Ladesäulen-Infrastruktur absieht.

Massensterben am Xpeng G6 während des Roadtrips durch Skandinavien.
Ein Roadtrip durch Skandinavien hat Folgen: Massenhaftes Sterben von Insekten an der Front des Xpeng G6. Image source: Hayo Lücke / inside digital

Gegen Jahresende ist übrigens geplant, beide Modelle erneut auf auf einen Roadtrip zu schicken. Dann geht es erneut rund 5.000 Kilometer auf die Reise – gen Süden bis nach Portugal und wieder zurück. Und das mit den aktualisierten Modellen des Xpeng G6 und Xpeng G9, die der Hersteller für das vierte Quartal 2025 angekündigt hat. Im Mittelpunkt der neuen Versionen steht die nächste Generation der 800V-Hochvolt-SiC-Plattform, die eine Aufladung von 10 auf 80 Prozent bestenfalls in nur rund zwölf Minuten verspricht.

Hayo Lücke, Redakteur von inside digital, vor dem Xpeng G6 und Xpeng G9 auf dem Weg zum Nordkap.
Roadtrip in Richtung Nordkap: inside digital Redakteur Hayo Lücke war dabei. Image source: Hayo Lücke / inside digital

Bisher ist Xpeng in Deutschland übrigens noch ein recht kleines Licht am E-Auto-Markt. Zwischen Januar 2024 und Mai 2025 verzeichnete der Hersteller laut Kraftfahrt-Bundesamt gerade einmal rund 1.200 Neuzulassungen. In den kommenden Jahren soll das Wachstum aber stark zulegen, um etwa Tesla, aber auch Volkswagen ordentlich Konkurrenz zu machen. Gelingen soll das auch mit einem wachsenden Händlernetz. Bis zum Jahresende sollen Xpeng-Autos an 60 Standorten in den Showrooms stehen. Anschauen lohnt sich.

Kommentar

Von Hayo Lücke

Mit dem E-Auto auf die Langstrecke? Trotz noch immer lückenhafter Ladesäulenkarte muss niemand (mehr) Angst davor haben, dass ein Stromer mit passender Batterie selbst längere Strecken nicht ähnlich gut meistern kann, wie es ein Verbrenner schafft. Im Gegenteil: Ein Elektroauto wie der Xpeng G6 oder auch der Xpeng G9 bieten das in meinen Augen sogar noch angenehmere Fahrgefühl. Und gerade, wenn Geschwindigkeitsbegrenzungen im Spiel sind, lässt sich mit eingeschaltetem Tempomat ohne Stress das Ziel erreichen – emissionsfrei und mit einer enormen Laufruhe. Und alle 400 Kilometer mal eine Pause machen. Hey, das tut wahrlich jedem (Mit)Fahrer gut.

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