In Deutschland leben rund 21,5 Millionen Rentner. Viele von ihnen haben ihr Leben lang gearbeitet, eingezahlt, gehofft, dass am Ende genug bleibt, um ruhig alt zu werden. Doch die Realität sieht für einen großen Teil anders aus. Fast jede fünfte Person ab 65 Jahren gilt als von Altersarmut bedroht, 2025 waren es laut Statistischem Bundesamt 19,5 Prozent. Und 773.735 Menschen bekommen bereits Grundsicherung im Alter, weil ihre Rente nicht reicht, um das Nötigste zu bezahlen. Das sind so viele wie nie, binnen eines Jahres kamen gut 24.000 dazu (Stand Juni 2026). Das ist die offizielle Seite der Statistik.
Für Rentner ab 66 Jahren
Die inoffizielle ist schwerer zu fassen, aber vielleicht noch wichtiger: Experten gehen davon aus, dass viele Menschen eigentlich Anspruch auf Unterstützung hätten, ihn aber nicht wahrnehmen. Scham spielt dabei eine Rolle, auch Unwissenheit oder der Dschungel aus Formularen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass rund 60 Prozent der Berechtigten keine Grundsicherung im Alter beantragen. Bei Verwitweten sind es sogar 77 Prozent. Das bedeutet: In Deutschland gibt es sehr wahrscheinlich Hunderttausende, die durch das Raster fallen. Und genau hier setzt der Verein „Ein Herz für Rentner e.V.“ an.
Der Verein kümmert sich um Rentner ab 66 Jahren, deren Rente zwischen 500 und etwa 1.300 Euro liegt. Also Menschen, bei denen jeder unerwartete Betrag entscheidet, ob am Monatsende noch Geld für Medikamente, Strom oder einfach ein bisschen Leben übrig bleibt. Die Hilfe ist sehr konkret.
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Was sicher Rentner holen können
Es geht um Zuschüsse für Dinge, die im Alltag fehlen oder plötzlich kaputtgehen: Medikamente, die die Krankenkasse nicht übernimmt, eine neue Brille, Fahrkarten oder Nachzahlungen bei Strom und Nebenkosten. Manchmal auch ganz einfache Dinge wie eine Waschmaschine, eine Matratze oder Kleidung. Dinge, die für viele selbstverständlich wirken, aber für Betroffene schnell zum Problem werden.
Dazu kommen auch Angebote, die man leicht unterschätzt, obwohl sie oft genauso wichtig sind: soziale Veranstaltungen. Denn Altersarmut ist nicht nur ein Geldproblem, sondern auch ein Rückzug aus dem Leben. Wenn das Geld nicht reicht, bleibt man öfter zu Hause. Und irgendwann bleibt man nicht nur zu Hause, sondern auch allein.
Antrag stellen, Unterstützung erhalten
Ein besonders einfaches, aber wirkungsvolles Modell des Vereins sind Patenschaften. Ein Pate zahlt 38 Euro im Monat, und das Geld geht per Dauerauftrag an einen Rentner. Die Patenschaft ist anonym, weil sich viele Betroffene für ihre Lage schämen. Rentner können diese 38 Euro pro Monat, die sich auf 456 Euro im Jahr summieren, beantragen.
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Die Antragstellung erfolgt direkt über den Verein. Neben dem neunseitigen Formular braucht es den Rentenbescheid, einen Ausweis und Nachweise über Wohngeld oder Grundsicherung. Danach prüft der Verein jeden Fall einzeln. Einen Rechtsanspruch auf die 38 Euro gibt es nicht: Ob bewilligt wird, hängt auch davon ab, wie viel Spendengeld gerade da ist. Mehr Informationen und das Formular finden sich hier: Ein Herz für Rentner e.V. – Hilfe für Rentner.
Wer Unterstützung beantragen will, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Der Verein richtet sich an Senioren ab 66 Jahren, die in Deutschland leben und eine deutsche Alters- oder Witwenrente zwischen 500 und 1.300 Euro im Monat beziehen. Für Frauen ab 70, die mindestens zwei Kinder großgezogen haben, entfällt die Untergrenze von 500 Euro. Außerdem gilt: Staatliche Hilfen wie Grundsicherung im Alter oder Wohngeld müssen bewilligt oder zumindest beantragt worden sein. Nur so soll sichergestellt werden, dass die Hilfe wirklich bei denen ankommt, die sie brauchen. Ein ähnliches Modell bietet die Lichtblick Seniorenhilfe: eine Patenschaft über 35 Euro im Monat zur freien Verfügung.
Weitere Hilfen und Unterstützung
Wenn die eigene Rente vorne und hinten nicht reicht, gibt es mit der „Grundsicherung im Alter“ eine staatliche Hilfe. Sie zahlt das Existenzminimum, wenn Einkommen und Rente zu niedrig sind. Sie übernimmt je nach Bedarf Mietkosten, Heizkosten, Kranken- und Pflegeversicherung und den Regelsatz für den Lebensunterhalt. Der liegt 2026 für Alleinstehende bei 563 Euro. Ob er 2027 steigt, ist offen, eine dritte Nullrunde gilt als wahrscheinlich. Wichtig: Gezahlt wird erst ab dem Monat, in dem der Antrag gestellt wird.
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Darüber hinaus gibt es das Wohngeld. Es richtet sich an Rentner, deren Einkommen knapp über der Grundsicherung liegt. Das heißt: Wer „zu viel“ für Grundsicherung hat, kann trotzdem Wohngeld bekommen. Im Schnitt sind es 296 Euro im Monat.
Ab 2027 dürfte es für viele weniger werden. Die Bundesregierung will die eigentlich fällige Erhöhung streichen und die Heizkostenkomponente für Alleinstehende von 96 auf 48 Euro halbieren. Nach eigener Rechnung verlieren rund 381.000 Haushalte ihren Anspruch ganz. Beschlossen ist das noch nicht, der Bundestag hat den Entwurf am 8. Oktober erstmals beraten. Laufende Bescheide sollen bis zum Ende des Bewilligungszeitraums nach altem Recht weiterlaufen. Ob ein Antrag aus diesem Herbst noch nach altem Recht entschieden wird, legt erst das fertige Gesetz fest. Warten bringt trotzdem nichts, denn Wohngeld gibt es erst ab dem Monat, in dem der Antrag eingeht. Und wer die 38 Euro vom Verein will, braucht den Antrag ohnehin.
In bestimmten Fällen können ältere Menschen über das Grundsicherungsgeld abgesichert sein, das seit dem 1. Juli 2026 das Bürgergeld ersetzt. Das betrifft etwa Menschen, die die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben und arbeiten können.
Wer mit den Anträgen und Hilfen allein nicht zurechtkommt, findet Unterstützung bei Organisationen wie der Caritas Deutschland, der Diakonie Deutschland und der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Sie bieten kostenlose Sozialberatung, Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen, Vermittlung von Zuschüssen und manchmal sogar direkte Einzelfallhilfen, etwa bei Stromschulden.
