O2 vor Übernahme? Wie dieser Halbsatz den Mobilfunkmarkt verändern kann

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Im deutschen Mobilfunkmarkt wird wieder über Bewegung spekuliert. Ein Satz reicht aus, um alte Übernahmefantasien zu wecken. Steht O2 vor einer Übernahme aus Deutschland? Es würde den Markt drastisch verändern.
O2 Flaggen vor einem Gebäude
Wie geht's weiter mit O2?Bildquelle: inside digital / Thorsten Neuhetzki

Telefónica Deutschland, die Firma hinter der Mobilfunkmarke O2, hatte schon bessere Zeiten. Entstanden unter anderem aus der Viag Interkom, der Übernahme der Festnetzsparte Alice von Telecom Italia und der Übernahme von E-Plus, wurde daraus der nach Kundenzahl größte Mobilfunkanbieter in Deutschland. Doch seit einiger Zeit brodelt es in der Münchner Zentrale. Man hat einen großen Deal mit 1&1 abgeschlossen und damit mehr als zwölf Millionen Nutzer im Netz verloren, der langjährige Deutschland-Chef Markus Haas musste seinen Hut nehmen.

Konzern-Chef Mutra hatte Deutschland-Abstoßung ins Spiel gebracht

Unterdessen löste der neue Telefónica-Konzernchef Marc Mutra Ende vergangenen Jahres bereits Spekulationen über die Zukunft des Deutschland-Ablegers aus. Er hatte öffentlich betont: „Wir verfolgen einen pragmatischen Ansatz bei der Vermögensumschichtung.“ In der Folge drehten Analysten und Investoren das bekannte Karussell: Deutschland ist einer der wenigen großen EU-Märkte mit vier Netzbetreibern – und genau das sorgt für hohen Preisdruck und drückt auf die Marge.

Nun meldet sich mit United-Internet- und 1&1-Gründer und CEO ausgerechnet derjenige zu Wort, der einen nicht unerheblichen Anteil an der ganzen Entwicklung hat. Ralph Dommermuth lässt im Interview mit dem Handelsblatt einen möglichen Zukauf von Telefónica Deutschland (O2) zumindest theoretisch offen. Wörtlich sagte er: „Wenn Telefónica sich zurückziehen will, sehen wir uns das sicher an.“ Ein Halbsatz, der den Markt verändern kann. Im gleichen Atemzug bremst er jedoch: „Aber ein solcher Schritt steht meines Wissens derzeit nicht an.“ Das ist insofern interessant, als der neue Mobilfunker 1&1 in den vergangenen Jahren aufgrund des stark verzögerten Netzausbaus immer wieder selbst als Übernahmekandidat gehandelt wurde.

Zur Einordnung muss allerdings auch gesagt werden, dass er das Thema nicht von sich aus aufbrachte, sondern es eine Frage im Interview war, ob die Übernahme von Telefónica Deutschland eine Option sei. Dommermuth beschreibt also kein laufendes Projekt, sondern eine Bereitschaft, sich eine Situation anzuschauen, falls Telefónica tatsächlich einen Rückzug erwägen sollte. Für dich als Kunde heißt das zunächst: Es gibt kein konkretes Datum, keine Ankündigung und keinen Deal – nur eine Tür, die 1&1 nicht zuschlagen würde, wenn sie sich öffnet.

Warum Dommermuth nicht an einen Rollentausch glaubt

Ein Verkauf des eigenen Mobilfunkgeschäfts an Telefónica ist für 1&1 nach Dommermuths Worten kein Thema. Auf die Frage, ob er an einen Verkauf denke, antwortet er klar: „Daran denke ich nicht.“ Und er begründet das mit der Linie, die 1&1 seit Jahren verfolgt: „Wir haben uns entschieden, das modernste Netz Europas zu bauen. Das ziehen wir jetzt auch durch.“

1&1 baut ein eigenes 5G-Netz, statt dauerhaft als reiner Wiederverkäufer von Kapazitäten anderer Anbieter zu agieren. Dommermuth verweist im Interview außerdem auf den Stand des Ausbaus: „Wir haben zum Jahreswechsel über 27 Prozent der Haushalte erreicht – gefordert waren 25 Prozent.“ Und: „Wir nehmen täglich fünf neue Masten in Betrieb.“ Aktuell spricht man von etwa 2.000 Masten in ganz Deutschland. Im Vergleich zum Netz-Marktführer Telekom ist das immer noch verschwindend gering: Dieser zählt mehr als 36.000, Vodafone 27.000. Dennoch wird klar: 1&1 will nicht in eine Lage zurück, in der andere Netzbetreiber die Bedingungen diktieren. Und: Eine Übernahme von O2 würde 1&1 auf einen Schlag 29.000 Antennenstandorte ins Netz spülen, die natürlich erst einmal integriert werden müssten.

Der Frequenzstreit ist der Hebel für den Netzausbau

Parallel zur Übernahmedebatte fährt 1&1 eine juristische Eskalation gegen die Bundesnetzagentur hoch. Hintergrund ist die Entscheidung, zentrale Mobilfunkfrequenzen nicht zu versteigern, sondern die Nutzungsrechte für Telekom, Vodafone und Telefónica zu verlängern. Gleichzeitig wurden diese drei verpflichtet, 1&1 Zugang zu diesen Frequenzen zu gewähren. Genau da setzt die Kritik an. Dommermuth sagt: „Das ist bislang nicht passiert.“ Und er legt nach: „Das ist nicht okay, und dagegen klagen wir.“

Inhaltlich argumentiert 1&1, die „Verlängerung“ sei faktisch keine gewesen, weil die Nutzungsrechte zum 31.12.2025 ausliefen. Aus Sicht von 1&1 sei das Verfahren nicht wettbewerblich gewesen, weil das Unternehmen bei der Vergabe außen vor blieb, obwohl es über zwölf Millionen Mobilfunkkunden versorge und für den weiteren Ausbau zusätzliche Frequenzen benötige.

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