Mobilfunker spricht Klartext: „Wir wollen kein Roaming, wir wollen Frequenzen.“

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Frequenzen sind das wichtigste Gut, das ein Mobilfunkunternehmen hat. Denn nur, wenn er Frequenzen nutzen darf, kann ein Mobilfunker die Kunden mit LTE und 5G erreichen und ihnen entsprechende Datenraten liefern. Doch es gibt Streit.
Ein Mobilfunkmast mit vielen Antennen
Welches Netz ist das beste an deinem Wohnort?Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

In Barcelona hat 1&1 am Rande des Mobile World Congress (MWC) auf das Mobilfunkjahr 2025 zurückgeblickt. Zwischen Ausbauzahlen, Technik-Details und Seitenhieben auf die Konkurrenz ging es vor allem um eine Frage: Wie schnell wird aus „mitgenutzt“ wirklich „eigenes Netz“? 1&1-Mobilfunkchef Michael Martin stellt 2025 als Jahr der Hakenlisten dar. Wichtigster Punkt aus seiner Sicht: die Kundenmigration. Alle 12,5 Millionen MVNO-Kunden seien ins eigene Netz überführt. Der Betrieb als Provider mit virtuellem Netz sei beendet worden, wie von der Bundesnetzagentur gefordert. „Wir haben 2025 abgeliefert – und werden auch künftig an unseren Ausbauplänen festhalten“, so der CEO.

1&1 will Qualität in allen Netzen verbessert haben

Auch das Haushaltsversorgungsziel von 25 Prozent sei nach Vorgaben der Bundesnetzagentur erreicht. Als Beleg für die Netzqualität zieht er ein „Sehr gut“ aus einem connect-Test heran – mit dem Hinweis, dass andere Tests zu ähnlichen Ergebnissen gekommen seien. Ein Kern der Argumentation: Ja, die reine Abdeckung (Signalstärke, ob du überhaupt 4G/5G hast) hänge dort, wo 1&1 noch keine eigenen Antennen betreibt, am Roaming-Partner Vodafone. Aber Netzqualität bestehe nicht nur aus „Balken“ und Funkzelle.

1&1 betont, schon heute viele kundenrelevante Parameter selbst zu beeinflussen. Reaktionszeiten beim Laden von Inhalten, Datenraten durch Routing und Peering sowie Gesprächsqualität, Abbrüche und generelle Stabilität über das eigene Core-Netz. Das Core-Netz nutzen alle 12,5 Millionen Kunden, auch wenn sie über eine Vodafone-Antenne im Netz sind.

Den größeren Punkt setzt der Mobilfunk-CEO jedoch bei der Wirkung auf den Markt: Der Einstieg eines vierten Betreibers habe aus seiner Sicht den Druck erhöht und damit die Weiterentwicklung der anderen Netze mitangeschoben. Das sei seine persönliche Interpretation, keine Messgröße. Allerdings sei auffällig, dass seit 2019, dem Zeitpunkt, als 1&1 Frequenzen für ein eigenes Netz ersteigert hatte, alle Netze in unabhängigen Tests signifikant besser wurden. Er führt das auf das Aufbrechen des Oligopols der drei etablierten Netzbetreiber zurück. „Ein viertes deutsches Netz ist kein Versprechen mehr, es ist Realität. Unseren über 12 Millionen Kunden bieten wir belegbar sehr gute Netzqualität“, so Martin.

Ausbauarchitektur: Vier Kernrechenzentren, 24 CUs und „Content näher zum Kunden“

Beim Blick nach vorn wird 1&1 sehr technisch – und genau da steckt der praktische Nutzwert. Heute dienen vier Kernrechenzentren in München, Mainz, Münster und Berlin als zentrale Knoten für die Ausleitung ins Internet (Peering). Der nächste Schritt könnte sein, diese Ausleitung nicht nur über die Kernrechenzentren zu machen, sondern über 24 „Centralized Units“ (CUs).

Die Idee: Dein Datenverkehr muss nicht erst „weit weg“ ins Kernrechenzentrum, sondern kann früher ins Internet raus. Das senkt Latenzen – und sorgt im Alltag dafür, dass sich Apps und Webseiten schneller und „flüssiger“ anfühlen, selbst wenn die Funkzelle nicht der limitierende Faktor ist. Noch näher dran seien bereits über 300 regionale Rechenzentren „nahe an der Antenne“ aufgebaut. Wichtig: Das spielt 1&1 ausdrücklich als Vorteil nur im eigenen Netz aus – also dort, wo tatsächlich 1&1-Funksignal genutzt wird, nicht im Roaming.

Der Streit um Lowband: „Roaming haben wir schon“

Der politisch relevanteste Teil ist der Lowband-Konflikt. 1&1 beschreibt eine Abfolge aus Vorschlägen (erst Frequenztausch, dann Frequenzverlängerung) sowie die Erwartung der Bundesnetzagentur: 1&1 solle mit den drei etablierten Netzbetreibern verhandeln, damit einer 2 x 5 MHz abgibt. Ergebnis laut Michael Martin: keine Einigung, keine ernsthaften Angebote, teils „Mondpreise“ oder Verzögerungstaktik – und am Ende eine Anhörung der Bundesnetzagentur. In dieser Anhörung, so 1&1, liege als „intendierter Entscheid“ eine Lösung auf dem Tisch, die 1&1 keine Frequenzen geben, sondern National Roaming von einem der drei ermöglichen würde – plus eine Ausgleichszahlung. Jeder Betreiber zahle 2 Millionen Euro pro Jahr für fünf Jahre, insgesamt 30 Millionen Euro. Genau dagegen positioniere sich 1&1 mit dem zentralen Satz: Roaming habe man bereits (über Vodafone). Man wolle weder „Sharing“ noch neue Roaming-Konstrukte, sondern Lowband-Frequenzen.

1&1 rüste nach eigener Darstellung weiterhin einen großen Teil neuer Standorte mit Lowband-Antennen aus, weil man fest damit rechne, Lowband zu bekommen. Dazu kommt eine klare Spitze Richtung Konkurrenz: Der Vorwurf, 1&1 würde Frequenzen nicht nutzen, wird zurückgewiesen – im Gegenteil, 1&1 behauptet, jede verfügbare Frequenz auf jeder Antenne zu nutzen. Bekäme man wie geplant die Lowband-Frequenzen, würde man bis Ende des Jahres 40 Prozent Netzabdeckung realisieren können. Ohne seien es wohl nur 35 Prozent.

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1 KOMMENTAR

  1. Nutzerbild Detlev Molitor

    Schade das es sowas wie 1&1 gibt. Mit Werbeversprechen 5G 60 oder mehr Gigabyte für wenig Geld, aber mit Beweis möglich von 4G gewechselt aber 30% weniger Speed. Muss daß sein?

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