Luca-App: Schluss damit! Eine App ohne Zukunft

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Die Luca App hat ausgedient. Immer mehr Bundesländer verzichten auf die Lizenz zur flächendeckenden Nutzung in Gesundheitsämtern. Und auch der so wichtige Datenschutz ist nach wie vor ein großes Problem der App. Es ist Zeit für ein Ende, findet unser Redakteur Hayo Lücke.
Luca App auf einem Smartphone kurz vor der Löschung.
Die Luca App hat (in ihrer aktuellen Form) keinen Sinn mehr.Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Machen wir uns nichts vor: Das Handy ist zu einer fast schon eierlegenden Wollmilchsau geworden. Ich kann mit meinem smarten Begleiter den Ladevorgang für das Elektroauto starten. Ich kann an immer mehr Orten mit ihm bezahlen – sofern die Gastronomen und Shopbetreiber der Kreditkarte eine Chance geben. Und ich kann mit meinem Handy sogar Aktiengeschäfte von unterwegs erledigen. Und in den vergangenen Monaten rückte das Smartphone noch an ganz anderer Stelle in den Mittelpunkt. Denn ohne Mobiltelefon und Luca-App ging vielerorts nichts mehr. Das Coronavirus sorgte dafür, dass sich in Deutschland eine Mentalität des Eincheckens entwickelte. Die Luca-App sollte es Gesundheitsämtern ermöglichen, Kontakte in Lokalitäten aller Art zurückzuverfolgen. Und zwar immer dann, wenn das Virus zu Neuinfektionen führte. Doch jetzt ist es an der Zeit, der App „Lebe wohl!“ zu sagen.

„Die nutzt keiner mehr!“

Rückblick: Ich war etwas irritiert, als ich am vergangenen Wochenende in ein Fachgeschäft stiefelte und mich auf dem Tresen ein Schildchen mit fast schon vergessen geglaubter Aufschrift begrüßte. „Wir vertrauen der Luca-App“, stand dort. Fein verziert mit einem lächelnden Emoticon. „Muss ich einchecken?“, fragte ich den Verkäufer in der schon sicheren Annahme, mein Smartphone aus der Tasche zücken zu müssen. Die trockene Antwort: „Ach nein, das macht ohnehin niemand mehr.“ Okay! Auch in Gastronomie-Betrieben spielt die Luca-App nach meinen Erfahrungen inzwischen fast nirgendwo mehr eine Rolle. Ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, wann ich die Luca-App nach meinem Urlaub an der Nordsee vor sechs Monaten das letzte Mal genutzt habe. Habe ich es überhaupt getan?

Fakt ist: Die Luca-App kommt immer seltener zum Einsatz. Aufhorchen lassen in diesem Zusammenhang auch die Worte von Hessens Gesundheitsminister Kai Klose. Der sagt: „Von den knapp 37.000 in Hessen registrierten Luca-Standorten nutzt nur noch ein Bruchteil die App aktiv und auch von den Gesundheitsämtern erfolgen kaum noch Abfragen an Luca.“ Die Folge: Hessen wird die Zusammenarbeit mit den Betreibern der Luca-App über Ende März 2022 hinaus nicht fortsetzen. Und das Bundesland in der Mitte Deutschlands ist mit dieser Entscheidung nicht allein. Auch Baden-Württemberg teilte jetzt mit, ab April aus der Nutzung der Luca-App zur Nachverfolgung von Kontakten in der Coronapandemie auszusteigen. Grund: Die Kontaktpersonennachverfolgung der Gesundheitsämter konzentriere sich wegen der hochinfektiösen Omikron-Variante nunmehr auf gefährdete Gruppen und große Ausbrüche.

Immer mehr Bundesländer zeigen Luca-App die Rote Karte

Zuvor hatten unter anderem auch Berlin, Bayern und Sachsen-Anhalt verkündet, die Luca-App nicht mehr über einen Rahmenvertrag nutzen zu wollen. In Summe steht das Aus der Handy-App in bereits neun Bundesländern fest. Nur in Hamburg und Niedersachsen ist das Ende noch nicht beschlossen und die digitale Kontaktverfolgung über die App etwa für Gastronomen weiterhin Pflicht; obwohl Behörden den App-Abgleich auch in Hamburg gar nicht mehr nutzen.

In Summe lässt sich festhalten: Das Ansinnen der App-Betreiber, die Bundesländer mit flexibleren Nutzungsverträgen zu ködern, hat nicht funktioniert. Allerdings ist man sich bei der angeschlossenen culture4life GmbH ohnehin bewusst, dass man die App in ihrer bisherigen Form nicht mehr lange beibehalten kann. Deswegen soll es demnächst möglich sein, basierend auf dem Personalausweis eine digitale ID zu erstellen, die einen digitalen Impfausweis und gegebenenfalls sogar eine erfolgte Reservierung in einer App abdeckt. Vorstellbar wäre (auch) hier zum Beispiel ein passender QR-Code.

Eine gute Idee? Von der Hand zu weisen ist das nicht. Ich finde das sogar recht charmant. Denn jeder von uns wird das Problem kennen, erst den Impfnachweis, dann den Personalausweis und dann vielleicht auch noch ein Ticket vorzeigen zu müssen. Aber es bleibt noch ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Aspekt: der Datenschutz. Und hier ist die Luca-App nicht nur einmal heftig von Branchenexperten kritisiert worden. Unzureichend und lückenhaft soll der Schutz persönlicher Daten in der App sein. Schlimme Vorwürfe.

Luca-App und der Datenschutz – ein nicht enden wollendes Problem

Und spätestens nach den fragwürdigen Datenzugriffen durch Polizei und Staatsanwaltschaften ist für viele Menschen klar: die Luca-App hat keine Zukunft mehr. Und dann bleibt am Ende des Tages nur eine Konsequenz: App löschen. Wenn sie ohnehin niemand mehr nutzt, sollte das für jeden auch sorgenfrei möglich sein. Erst Recht, wenn die Bundesregierung für die Nachverfolgung und Unterbrechung von Infektionsketten vorrangig die Corona-Warnt-App des Robert Koch-Instituts empfiehlt. Good bye, Luca-App. Es war schön mit dir, aber jetzt ist Schluss.

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1 KOMMENTAR

  1. Paul

    „Made in Germany“ im Jahr 2022.

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