Internet auf dem Land: Hier ist das Netz besonders teuer

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Dass der Ausbau von Internetleitungen teuer ist, ist eine Binsenweisheit. Oft ist das Verlegen von Glasfaserleitungen aber so unwirtschaftlich, dass der Staat Fördermittel einsetzen muss. Dabei ist der Ausbau in einigen Regionen besonders teuer.
Leerrohre im ländlichen Raum dienen als Grundlage für den Glasfaserausbau
Bildquelle: E.ON

Insgesamt hat der deutsche Staat bislang 6,6 Milliarden Euro Fördermittel bewilligt. Das Geld fließt an die hiesigen Netzbetreiber, die damit das Internet auf Vordermann bringen sollen. Insbesondere da, wo es heute noch gar kein schnelles Internet oder nur vergleichsweise langsames Internet gibt, soll das Geld eingesetzt werden.

So wundert es kaum, dass Netzbetreiber für den Ausbau in Berlin gerade einmal 670.000 Euro Fördermittel vom Staat bekommen. Zwar gibt es in der Hauptstadt keinen Glasfaser-Anbieter, der die Stadt erschließt, mit Kabel-Internet und VDSL mit bis zu 250 Mbit/s aber deutlich schnelleres Internet als an anderen Orten in Deutschland. Die 670.000 Euro machen im Durchschnitt pro Einwohner gerade einmal 18 Cent aus.

Mecklenburg-Vorpommern: 652 Euro pro Einwohner

Ganz andere Zahlen kommen aus Mecklenburg-Vorpommern. Dort, so berichtet der Breitband-Verband Breko in seiner Marktanalyse 2020, nimmt der Staat pro Einwohner stolze 652,90 Euro in die Hand. Bedenkt man, dass viele Einwohner schon einen ausreichend schnellen Anschluss haben, so lässt sich erahnen, wie teuer es ist, einzelne Haushalte an Highspeed-Internet anzuschließen. Derzeit läuft dort beispielsweise im Landkreis Wismar ein flächendeckender FTTH-Ausbau bislang unterversorgter Orte wie beispielsweise der Insel Poel. Auffällig: 80 Prozent der Zuwendungsbescheide gehen hier an alternative Anbieter.

Mit 1,05 Milliarden Euro Gesamtfördersumme ist Mecklenburg-Vorpommern aber nicht das Bundesland, das die meisten Fördermittel in Summe bekommt. Das meiste Geld fließt mit etwas mehr als 1,1 Milliarden Euro an Netzbetreiber, die in Nordrhein-Westfalen ausbauen. Dort dürfte weniger das Ruhrgebiet einen Bedarf beim Breitband haben als vielmehr die Mittelgebirgs-Regionen von der Eifel über das Sauerland hin zum Teutoburger Wald. Auch ländliche Gebiete wie das Münsterland stehen bei Anbietern wie Deutsche Glasfaser beim Ausbau hoch im Kurs. Durch die hohe Einwohnerdichte liegt die Pro-Kopf-Förderung aber bei „nur“ 61,67 Euro.

Erst 500 Millionen Euro tatsächlich geflossen

Weiterhin hohe Fördersummen pro Einwohner und somit letztlich auch pro Anschluss fließen in die Netze von Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Zwischen etwa 134 Euro (Sachsen-Anhalt & Thüringen) und 234 Euro (Sachen) liegt hier der bewilligte Förderbetrag pro Einwohner. Das meiste Geld in diesen Bundesländern bekommt die Telekom. Der Wettbewerbsanteil liegt jeweils etwa bei einem Drittel.

Übrigens: Tatsächlich geflossen sind erst 500 Millionen Euro. Das liegt daran, dass das Geld erst dann vom Staat an die Netzbetreiber fließt, wenn der Ausbau abgeschlossen ist. Sofern alle bewilligten Projekte abgeschlossen sind, bekommen die Wettbewerber 2,6 Milliarden Euro und somit 60 Prozent der Mittel.

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