Experten sind sich sicher: Darum reicht dein Internet-Anschluss nicht aus

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An funktionierenden Internet-Anschlüssen führt kein Weg vorbei. Das weiß spätestens seit März jeder, der im Home-Office arbeitet. Doch reicht der klassische Internet-Anschluss auf Dauer aus? Nein, sagen Experten und liefern direkt Zukunftsprognosen mit.
Mann an einem Laptop mit Kaffeetasse
Bildquelle: Pixabay

Heute liegt die Breitband-Nachfrage von Privatkunden, die sich um einen neuen Anschluss kümmern, bei im Schnitt etwa 148 Mbit/s. Diese Zahl liefert der Breitbandverband Breko in seiner aktuellen Marktanalyse 2020. Basis dieser Erkenntnis ist eine Befragung von 208 Netzbetreibern in Deutschland. Diese scheinbar schon sehr hohe Zahl ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn schon in etwa drei Jahren erwarten die Netzbetreiber eine durchschnittliche Nachfrage von 279 Mbit/s, in fünf Jahren 513 Mbit/s.

Hoher Upstream nur mit Glasfaser

Diese Datenraten sind mit den meisten Anschlüssen, die es heute in Deutschland gibt, nicht machbar. Jenseits der 250 Mbit/s sind aktuell nur Kabel-Anschlüsse und echte Glasfaser-Leitungen in der Lage, einen entsprechenden Downstream zu liefern. Da aber auch die Upstream-Erwartung für 2025 bei durchschnittlich 229 Mbit/s liegt, dürfte am Ende die Glasfaserleitung der große Gewinner sein. Nur die Kabelnetze könnten hier mit DOCSIS 4 noch mithalten.

Die Studie basiert allerdings auf einer Befragung unter Unternehmen, die Glasfaserleitungen ausbauen. Und das machen sie mittlerweile mit zunehmender Geschwindigkeit. Während 2016 gerade einmal 2,4 Millionen Haushalte einen Anschluss der alternativen Anbieter bekommen, waren es 2019 schon 4,9 Millionen. Doch der Blick in die Zukunft verspricht ein gewaltiges Wachstum. Denn schon 2023 sollen 14,1 Millionen Haushalte die Möglichkeit haben, eine echte Glasfaserleitung zu bekommen. Hinzu kommen die Kunden, die die Deutsche Telekom anschließen kann. Hier erwartet man demnach etwa 8 Millionen Haushalte.

Dass in Deutschland keine echten Glasfaser-Anschlüsse gebaut würden, sei Vergangenheit. In Europa liege man inzwischen an Platz 5 der am schnellsten wachsenden Glasfasernetze. Das sagt Norbert Westfal, Präsident des Breko und gleichzeitig Geschäftsführer der EWE Tel, einem der größten regionalen alternativen Glasfaser-Netzbetreiber.

Massives Datenwachstum erwartet

Dass du langfristig aufrüsten musst, wenn du heute noch einen langsamen DSL-Anschluss hast, zeigt auch eine weitere Analyse. So hat der Breko auch analysiert, wie sich die Nutzung entwickelt. Während 2014 im Schnitt noch magere 34 GB über eine Internetleitung geschaufelt wurden, waren es 2019 schon 132 GB im Schnitt. Dass es dabei nicht bleibt, ist angesichts von Netflix & Co, UHD-Inhalten und dem Büro im eigenen Wohnzimmer kein großes Geheimnis. Schon für 2023 rechnen die Netztreiber mit einem durchschnittlichen Übertragungsvolumen von 440 GB, nur zwei Jahre später mit 677 GB.

Der Trend zu schnelleren Anschlüssen lasse sich übrigens auch schon in der Praxis nachvollziehen. 2014 seien 43 Prozent aller Anschlüsse nur bis zu 10 Mbit/s schnell gewesen, 2019 waren es nur noch 8 Prozent. Im Gegenzug hatten Anschlüsse mit einer Datenrate von mehr als 100 Mbit/s einen Anteil von 26 Prozent, 2014 gerade einmal 5 Prozent.

Corona lastet die Netze besser aus

Die Corona-Krise hat übrigens nach Ansicht der Experten nicht dazu geführt, dass zu bestimmten Uhrzeiten gar nichts mehr im Internet ging. „Früher hatten wir zwei Peaks pro Tag, einen um 10 Uhr und einen ab 19 Uhr“, sagt Jens Böcker, der als Professor die Studie verantwortet. Durch Corona hätten die Spitzen sich jedoch abgeflacht und über den ganzen Tag verteilt. Für die Anbieter ist das erfreulich, denn die Infrastruktur kann so über den Tag verteilt besser ausgenutzt werden und muss nicht auf die Spitzen am Tag optimiert sein.

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13 KOMMENTARE

  1. Es wäre schön, wenn nicht nur die Großstädte und Ballungsgebiete vom schnellen Internet profitieren würden.
    Ich wohne auf dem Land, bezahle für eine 16k Leitung (weil es keine kleineren Tarife mehr gibt), bekomme aber nur maximal die Hälfte.
    Oder anders ausgedrückt -> für ein Update mit einer Größe von 1 GB benötige ich 20-25 Minuten im Download, würde ich eine Datei dieser Größe hochladen wollen, würden 3 Stunden sicherlich nicht reichen…
    YouTube Videos gucke ich in 480p, also nicht Mal HD, die nächstgrößere Auflösung ist mittlerweile 720p bei 60 Frames, das schafft die Leitung einfach nicht.

  2. Was ein Unsinn. Also nichts gegen den Artikel, angenehm geschrieben, aber woher soll denn bitte so ein massiver Sprung im Bandbreitenbedarf kommen? Nichts deutet aktuell darauf hin, wirklich garnichts. Und angesichts der extrem langsamen Senkung von Preisen bei non-volatile Speicher sollte es auch keine Grund für eine plötzliche Explosion von Dateigrößen geben. Wäre Mal interessant zu erfahren wie man auf die Zahlen kam.
    Vielleicht hat da jemand wieder eine Glaskugel bemüht.

  3. Lächerlich, was Deutschland seinen Kunden zu bieten hat. Abzocke ist ganz normal geworden. Internetgeschwindigkeit fast Schlusslichtganz in Europa… und das in einem führenden Wirtschaftsland,.. beschämend.

  4. Das stimmt, absolut überzogen. Netflix und Co schaffen Möglichkeiten die Bandbreite zu reduzieren und viel mehr als im Moment schon genutzt wird ist von vielen nicht gewünscht. Der demografische Wandel noch ein bißchen mehr TV, Video und Radio, das wars dann auch. 2025 werden 100/40 MBit/s im Haushalt ganz sicher immer noch dicke ausreichen und vermutlich auch nur mit einem Speedtest ausgelastet werden.

  5. Mal ein anderer Vorschlag, wie wäre es, wenn man sich erstmal um flächendeckende Anschlüsse und die zahllosen Funklöcher kümmert?

    Hier in meiner Stadt bekomme ich eine sagenhafte 2k Leitung zum Preis einer 16er…

    Ein Hoch auf 40 Jahre verpennten Breitbandausbau aber das Internet ist ja für uns alle noch Neuland – –

  6. Wahrscheinlich will man so schön vorsorgen, dass sich jeder ein smart Bett ins Zimmer holt was speichert und übermittelt wie man, mit wem und wie lange man schläft, der Kühlschrank der nachhaltig für einen einkauft auch wenn man nicht das Geld dafür hat, bzw gesundheitliche verstösse an die Krankenkasse meldet, natürlich nur wegen der Statistik und weitere neue Alexa Systeme welche einen rund um die Uhr ausspionieren, und das dann hoffentlich explosions und brandsichere teslamobil, was dann hoffentlich auch Lkws von werbetafeln unterscheiden kann und das man sich nachhaltig mit der ganzen strasse teilt… Was, alle haben unterschiedliche Arbeitszeiten und Müllabfuhr, Wasserwerke und produktionsmaschienen kann man nicht im home office erledigen????

  7. Wenn ich hier schon wieder lese, was angeblich in 5 Jahren allen zu reichen hat. Ich habe kein Problem, dass jemand mit 100/40 zufrieden ist. Das aber als allgemeingültig zu postulieren ist frech.
    Ich habe heute 1gb /50mbit und betreibe sowohl eine nextcloud als auch einen Blog zuhause. Wenn ich könnte würde ich heute noch auf 200mbit upload umstellen.

    Und: soweit die entsprechende Gegenstelle es zulässt nutze ich den Download mehrmals im Monat komplett aus.
    – Updates für Betriebssystem runter laden
    – neue Spiele runter laden
    – Updates für Spiele runter laden
    – installations medien runter laden

    Was ich mangels upload nicht machen kann : mein Backup verschlüsselt in der cloud Speicher. Der upload von 2tb an Daten dauert einfach zu lange.

    Bloß weil manche leute außer Email und lowres Youtube nix machen ist das noch lange nicht für alle zutreffend.

    Martin

  8. Das ist doch alles Glaskugelleserei.
    Ich glaube nicht, dass der Bedarf nach noch mehr Vertragsleistung so schnell wächst.
    Gewachsen ist der Bedarf an realer Leistung, die so ankommt, wie man sie gebucht hat. Die Verbraucher wollen nicht mehr für 500 MBit/s bezahlen und dann nur 200 kriegen. Und das auch nur, wenn mal keine Störung vorliegt. Sie wollen nicht mehr mit allen möglichen Winkelzügen gezwungen sein, das hinzunehmen, bis die mehrjährige Vertragslaufzeit endet.
    Da ist noch sehr viel Luft nach oben.

  9. Schniedemeister und Raschi kann ich nur Lachhaft beipflichten.
    Diskussionen über 100mbits 200…300 sind Lachhaft….was die deutsche Regierung in Bezug auf Netzausbau macht ist ein drecks witz.
    Mir geht es auch so…16000kbits Leitung bezahlen 8000kbits maximal bekommen…direkt von der Telekom.
    Der Netzausbau ländlicher Seite aus ist Lachhaft.
    Und nein ich wohne nicht in einem 5 Häuser Dorf hinterm Wald und Berg ….die Leute haben nur eine 1000kbits Leitung *lach*
    Ich komme aus Rheinland Pfalz…. Nähe Kaiserslautern… Genau genommen Donnersbergkreis.
    Die einzigste Möglichkeit hier Mal was in Richtung 25000kbits zu bekommen ( und nochmal in dem Artikel geht es um 200MBITS , muss man sich an irgendwelche Drittanbieter wenden uns 60…70 Euro im Monat dafür hinlegen… Klingt das ok im Vergleich zu kA 20 Euro im Monat dafür?
    Wir zahlen hier sehr oft Datenraten sie wir nichtmal bekommen…alleine das ist schon eine Sauerei… Stellt euch Mal vor ihr bestellt ein Steak..bezahlt es…und auf dem Teller liegt nur ein halbes oder weniger….

    Bei solchen scheiß Sachen kann ich nur kotzen….
    Wenn bei uns 2 Leute im Haus Netflix etc schauen kann ein 3. Nichtmal im Internet surfen zum lesen….
    Aber herzlich willkommen in der Digitalisierung #vollpfostendslabzocke

  10. Unser Haushalt (4 Personen) hat einen durchschnittlichen Verbrauch von ca 650GB pro Monat. Ich weiß nicht wo alle die Glaskugelleserei hernehmen wollen. 😀

  11. Wenn jemand schon irgendwo wohnt und mit der Situation umgehen muss ist das natürlich doof. Aber wieso glotzen mich Leute immernoch doof an wenn ich sage, dass die verfügbare Internet Geschwindigkeit für mich einer der drei wichtigsten Punkte bei der Wohnung suche ist?
    Sich erst nich drum kümmern und dann jammern geht halt auch nicht.

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