"Fragwürdiges Verhalten": Diese Stromanbieter stehen in der Kritik

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Seit Januar kommt es zu Beschwerden gegen einen bestimmten Stromanbieter. Seinerzeit hatten Verbraucherschützer aus Brandenburg bereits Klage gegen den Anbieter eingereicht. Doch die Beschwerden reißen nicht ab.
Stromzähler
StromzählerBildquelle: Shutterstock / Jochen Netzker

Gleich zweimal mahnte die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) die Voxenergie GmbH im Januar 2022 ab. Das Resultat laut Verbraucherzentrale im März: „Der Anbieter zeigt sich bis heute unnachgiebig.“ Die VZB hatte daraufhin nach eigenen Angaben Klage vor dem Landgericht Berlin erhoben.

Worum geht es? Voxenergie hatte nach Darstellung der Verbraucherschützer seinen Kunden mit einem Schreiben – datiert auf den 28. Dezember 2021 – höhere Preise angekündigt. Bemerkenswert daran war, dass die neuen Preise bereits vier Tage später, also zum 1. Januar 2022, gelten sollten.

„Energieanbieter müssen Preiserhöhungen gegenüber Verbrauchern einen Monat im Voraus ankündigen. Voxenergie hat den Betroffenen hier komplett die Möglichkeit abgeschnitten, sich rechtzeitig auf dem Energiemarkt umzuschauen und zu entscheiden, ob sie zu den geänderten Preisen weiter beliefert werden wollen oder nicht“, so Stefanie Kahnert, Juristin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg im März.

primastrom und voxenergie: Beschwerden bundesweit

Das Problem scheint aber nicht exklusiv in Brandenburg zu liegen. In den vergangenen Tagen haben sich zahlreiche Verbraucherzentralen zu Wort gemeldet. Aus Niedersachsen heißt es, die Beschwerden bei den Verbraucherzentralen „zum fragwürdigen Verhalten von voxenergie und primastrom“ seien sprunghaft angestiegen. Meist gehe es um zwei Dinge. Zum einen erhöhen die Anbieter den vereinbarten Verbrauchspreis trotz Preisgarantie. Oder sie heben die monatliche Abschlagszahlung auf ein exorbitantes Niveau an. „Auch das gesetzlich bestehende Sonderkündigungsrecht, das Kundinnen und Kunden bei Vertrags- oder Preisänderung zusteht, wird immer wieder ignoriert.“ Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät Betroffenen, unzulässig überhöhte Forderungen nicht zu bezahlen.

Eingreifen der Bundesnetzagentur

„Die Vielzahl der festgestellten Vertragsbrüche erfordert ein schnelles und wirkungsvolles Eingreifen der Bundesnetzagentur als zuständige Aufsichtsbehörde.“ Das sagt Tiana Schönbohm, Energierechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Allein bei den Verbraucherzentralen dürfte die Zahl der gemeldeten Fälle bei mehreren tausend liegen.“

Ihr Kollege Jan Bornemann von der Verbraucherzentrale in Hamburg ergänzt das. „Ein plötzlicher Anstieg der Energiekosten kann Verbraucherinnen und Verbraucher in große finanzielle Bedrängnis bringen. Wenn dann obendrein noch das Kündigungsrecht nicht anerkannt wird, sollten Kundinnen und Kunden sich zur Wehr setzen.“

Die Verbraucherzentralen hätten die Bundesnetzagentur über ihren Bundesverband frühzeitig über die Missstände unterrichtet und um aufsichtsrechtliches Einschreiten gebeten. Aktuell prüfe die Behörde das von den Verbraucherverbänden kritisierte Marktgebaren der Anbieter.

Das können Verbraucher tun

Verbraucher fragen die Verbraucherzentralen nach deren Angaben immer wieder, ob es sich bei diesen Vorgängen um Betrug handelt oder ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt. Die Beantwortung dieser Frage liegt jedoch nicht in der Zuständigkeit der Verbraucherzentralen. Wie diese mitteilen, müssten die Strafermittlungsbehörden das beurteilen. Dazu ist eine Strafanzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft nötig, die nur die Betroffenen selbst erstatten können.

Bei der Wahl des Stromanbieters gilt es zudem, den richtigen Anbieter sorgfältig auszuwählen. Wenn man sich das selbst nicht zutraut, sollte man einen Dienstleister damit beauftragen. Im Zusammenhang mit Betrugsvorwürfen bei anderen Stromanbietern sagte uns Daniel Engelbarts, Verbraucherexperte und Mitgründer des Wechselservice-Anbieters remind.me, dass viele Kunden durch eigene Wechsel in eine Billigstromfalle geraten seien. „Das wäre nicht passiert, wenn sie bei einem Vergleich ihres Strom- oder Gasanbieters nicht gleich den erstbesten, weil billigsten Anbieter ausgewählt hätten. Auf bekannten Vergleichsportalen werden aber leider auch diese Anbieter beworben.“ Das unterscheide einen Wechselservice wie seinen von einem reinen Vergleichsportal. „Wir von remind.me verzichten komplett auf diese ‚schwarzen Schafe‘ und wechseln unsere Kunden nur zu seriösen Energieversorgern, die unter anderem Boni auszahlen und nicht kurz vor der Insolvenz stehen.“ Der Dienst ist für Verbraucher komplett kostenlos.

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