Flut-Katastrophe: Darum dauert der Aufbau der Handynetze so lange

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Fast eine Woche ist die Flutkatastrophe in der Eifel nun her. Doch Mobilfunknetze gibt es oftmals noch nicht. Warum dauert das so lange – und wie behelfen sich Telekom, Vodafone und O2 vor Ort? Ein kleiner Blick hinter die Kulissen.
Mobile Sendemasten sind ein Mittel, um den Empfang wieder zu ermöglichen (Archivbild)
Mobile Sendemasten sind ein Mittel, um den Empfang wieder zu ermöglichen (Archivbild)Bildquelle: Vodafone

Eigentlich ist man es gewohnt, das Handy anzuschalten und Netz zu haben. Doch nachdem die Flutwelle durch die Eifel und weitere Teile Westdeutschlands gerollt war, blieben die Handys tagelang ohne Empfang. Warum eigentlich? Und was haben die Netzbetreiber dagegen getan?

Die Probleme bei den gestörten Mobilfunksendern waren vielfältig und einige sind bis heute offline. Im besten Fall fehlt ihnen nur der Strom. Sobald der Strom wieder fließt, kommt auch das Netz zurück. Doch so einfach ist es auf nicht. Mit Wasser vollgelaufene Betriebsräume, weggebrochene Häuser mit Mobilfunkstandorten oder fehlende Glasfaser-Strecken sind nur einige der Gründe.

Richtfunk statt Glasfaser

So berichtet beispielsweise die Telekom von einem Standort in Altenahr, der vollkommen unversehrt blieb. Sogar Strom war noch vorhanden. Was aber fehlte, war die Anbindung per Glasfaser. Was sonst als Vorteil für die Telekom gewertet wird, entpuppte sich nun als Nachteil. Die Glasfaserleitung zum Sender war zerstört. Die Telekom entschied sich, eine Richtfunkstrecke aufzubauen und einzurichten. Das aber dauert seine Zeit. Inzwischen ist der Standort wieder am Netz und versorgt Teile der betroffenen Region wieder. Richtfunk funktioniert allerdings nur, wenn der fragliche Sender eine Sichtverbindung zu seinem Gegenüber hat. Das ist in der Eifel aufgrund der Tallagen nur möglich, wenn die Sender in erhöhter Lage stehen.

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Alle drei Netzbetreiber betrifft das Problem, dass sie die Standorte nicht wie gewohnt erreichen können. Oftmals sind Straßen weggespült oder Wege liegen voll Geröll. Muss an der Station gearbeitet werden, verzögert das die Wiederherstellung des Netzes. Vor Ort berichten die Techniker davon, dass ihnen erst einmal Bagger oder Bundeswehr den Weg freiräumen müssen. In evakuierten Gebieten kommt das Problem der Plünderer hinzu – hier können auch die Mobilfunktechniker nicht einfach durchfahren.

Mit mobilen Sendemasten, wie sie sonst zur Verstärkung des Netzes auf Festivals zum Einsatz kommen, versuchen die Netzbetreiber die größten Lücken im Netz zu schließen. Doch diese mobilen Sender benötigen auch Strom – oder zumindest ein Notstrom-Aggregat. Zudem müssen auch für diese mobilen Masten Zuführungen wie Richtfunk eingerichtet werden. Unter idealen Bedingungen kann ein solcher Sender in wenigen Stunden in Betrieb genommen werden. Doch ideale Bedingungen lassen sich im Flutgebiet nicht vorfinden. O2 berichtete uns zuletzt, man habe bisher vier der mobilen Sender in Betrieb genommen, zehn weitere stünden bereit. Telekom und Vodafone nannten auf Nachfrage keine Zahlen. Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter twitterte lediglich, Vodafone ziehe die mobilen Sender aus ganz Deutschland zusammen.

Mehr Leistung bei entfernten Sendern

Vodafone hat nach eigener Darstellung als erste Maßnahme noch einen weiteren Weg gewählt, um möglichst schnell möglichst vielen Kunden zumindest wieder eine rudimentäre Versorgung zu bieten. Man hat die Sendeleistung der noch intakten Standorte erhöht und so die Reichweite vergrößert. 200 Standorte, die nicht ausgefallen waren, habe man so neu justiert, damit sie die Versorgung ausgefallener Sender in Teilen übernehmen können. Außerdem hat man Spezialisten aus dem Ausland geholt. Sie haben mittels Satelliten-Anlage ein temporäres Mobilfunknetz errichtet. So habe man zumindest für einige Stunden einen Kontakt zur Außenwelt ermöglichen und auch die Zahl der Vermissten reduzieren können.

Manchmal fallen Standorte auch aus, obwohl sie Kilometerweit vom eigentlichen Hochwassergebiet entfernt stehen. Hier handelt es sich dann um eine Folgestörung. So kann es sein, dass der Sendemast selbst sendefähig ist, aber per Richtfunk oder Glasfaser über eine Betriebsstelle geführt, die nicht mehr funktionsfähig ist, dann reißt das auch die eigentlich unbeteiligten Sender mit.

Es ist übrigens nicht so, dass sich die drei Wettbewerber Telekom, Vodafone und O2 vor Ort spinnefeind sind. Schon im Alltag arbeiten die Anbieter auf vielen Eben zusammen. Auch im Flutgebiet teilt man sich die Standorte für die Antennen. Insider berichten, dass beispielsweise bei einer fehlenden Stromversorgung ein Notstrom-Aggregat, das einer der Anbieter auftreibt, auch von den anderen mitgenutzt wird. National Roaming im Flutgebiet wird es dennoch nicht geben.

Festnetz: Telekom setzt auf Vermittlungsstellen im Container

Auch das Festnetz ist bei der Telekom in Mitleidenschaft gezogen worden. Das hat auch Auswirkungen auf den Mobilfunk. Im Rahmen ihres sogenannten Desaster Revovery Managements hat die Telekom in Göttingen mehrere vorkonfigurierte Container stehen, die als praktisch fertige Vermittlungsstelle eingesetzt werden können. Kommt es zu einem Notfall wie jetzt im Westen des Landes, so fahren Telekom-Mitarbeiter diese Container in die betroffenen Orte und passen die Technik dann final auf die Bedürfnisse vor Ort an. So kann zumindest die Vermittlung vor Ort wieder schnell arbeiten. Sind indes auch Multifunktionsgehäuse im Ort zerstört, so wird der Aufbau der Netze für die dort angeschlossenen Kunden etwas länger dauern.

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