Chaos an Flughäfen: Kabinenpersonal von Eurowings im Streik

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Wer am Freitag von Nordrhein-Westfalen aus mit Eurowings abheben möchte, muss sich auf Einschränkungen einstellen. Das Kabinenpersonal befindet sich in einem Warnstreik – mit starken Auswirkungen auch auf andere Flughäfen.
Flugbegleiterin von Eurowings macht eine Durchsage in der Kabine eines Flugzeugs.
Das Kabinenpersonal von Eurowings streikt.Bildquelle: Eurowings

Verzweifelte Blicke auf die Anzeigetafeln, Hektik in den Terminals: An vielen großen Flughäfen läuft es am Freitagmorgen in Deutschland alles andere als rund. Grund ist eine zu diesem Zeitpunkt überraschende Arbeitsniederlegung. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat das Kabinenpersonal von Eurowings zu einem kurzfristigen Warnstreik aufgerufen. Und das hat Konsequenzen.

Warnstreik bei Eurowings endet um 10 Uhr

Aufgrund bislang erfolgloser Tarifverhandlungen über einen neuen Vergütungstarifvertrag hat ver.di Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter an den Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn und Dortmund zum Arbeitskampf aufgerufen. Los ging es am Freitagmorgen um 4:30 Uhr, enden soll der Warnstreik um 10 Uhr. Das hat Auswirkungen auf den Flugplan von Eurowings. Zahlreiche Flüge sind bereits gestrichen, andere stark verspätet. Vor allem für Personen im Ausland ist das mit Unannehmlichkeiten verbunden, da sie an den Flughäfen festsitzen. Problematisch ist auch, dass Eurowings schon jetzt zusätzlich einzelne Flüge streicht, die am Nachmittag starten sollten.

Insbesondere die Arbeitsniederlegungen in Düsseldorf und Köln/Bonn dürften Eurowings hart treffen. Der Düsseldorfer Flughafen ist gemessen am Passagieraufkommen der viertgrößte in Deutschland, der Flughafen Köln/Bonn steht auf Platz 6. Beide Airports sind zentrale Hubs von Eurowings, von denen Ziele in ganz Europa angesteuert werden. Betroffene Passagiere berichten vor Ort von chaotischen Zuständen. „Es gibt hier keine Informationen“, sagte ein Betroffener am Morgen gegenüber inside digital.

Ver.di-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky begründet den Warnstreik so: „Eurowings ist gestärkt aus der Krise gekommen und erwirtschaftet Gewinne. Die Kabinenbeschäftigten erarbeiten diese unter erschwerten Arbeitsbedingungen mit momentan bis zu 40 Überstunden im Monat. Dafür erwarten sie zurecht eine finanzielle Anerkennung bei aktuellen Preissteigerungen für Benzin, Mieten und Lebensunterhalt.“

Einmalzahlung steht im Raum – aber erst 2023

Denkbar sei zum Beispiel die Einführung von Zulagen für die stark zugenommenen Belastungen und Überstunden. Trotz mehrerer Verhandlungen sei das Management von Eurowings bisher aber nicht bereit gewesen, ein entsprechendes Angebot zu unterbreiten. Stattdessen fordere das Unternehmen eine unentgeltliche Arbeitsverdichtung. Im Raum steht bisher nur eine Einmalzahlung im Jahr 2023. Das lehnt ver.di ab, da eine Einmalzahlung bei aktuell stark steigender Inflation und bereits vorhandenen 21 Monaten ohne Tarifsteigerungen für die Kabinenbeschäftigten finanziell nicht zu verkraften sei.

Schon jetzt ist klar, dass ver.di bereit ist, auch in den nahenden Herbstferien zu streiken – sollte das notwendig sein. Nur ein angemessenes Angebot des Arbeitgebers könne das verhindern.

Insgesamt sind bei der Lufthansa-Tochter Eurowings 1.300 Kabinenbeschäftigte angestellt – 800 davon in Nordrhein-Westfalen. Durch die Übernahme von Strecken der Konkurrenz befindet sich Eurowings derzeit auf Wachstumskurs. Entsprechend stellt die Airline viel neues Personal für die Kabine ein. Aktuell finden nach Angaben von ver.di 300 bis 400 Neueinstellungen statt. Die Gesamtvergütung eines Eurowings-Flugbegleiters beträgt im Einstieg dem Vernehmen nach 1.805 Euro.

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