Seit dem 27. September greift ein neues Gesetz, das den Verkauf bestimmter Produkte in Deutschland verbietet. Dabei geht es allerdings weniger darum, was in der Verpackung steckt, als darum, was auf ihr draufsteht und wie das Produkt beworben wird. Bestimmte Begriffe wie „klimafreundlich“, „biologisch abbaubar“ oder „grün“ dürfen nun nur noch unter strengen Bedingungen verwendet werden. Ansonsten darf das Produkt nicht länger bei Aldi, Lidl, dm und Co. verkauft werden. Ich erkläre dir, was dahintersteckt und warum ich diesen Schritt für allerhöchste Eisenbahn halte.
Aldi, Lidl & Co: Das ändert sich jetzt in Supermärkten und Drogerien
Klimaneutral, nachhaltig, umweltfreundlich: Wenn das auf der Verpackung steht, greifst du dann eher zu? Wenn du bei deinem Wocheneinkauf bei Aldi oder Lidl besonderen Wert darauf legst, dann vermutlich ja. Doch wirklich überprüfen kannst du meist nicht, ob das Produkt, was du dir da in den Einkaufswagen legst, wirklich weniger umweltschädlich produziert wird als andere. Denn fast jeder Hersteller hat sein eigenes Label und verspricht damit eine verantwortungsvolle Produktion – allerdings oft ohne offizielle Kontrolle und so intransparent, dass du die Richtigkeit der Werbeaussagen kaum überprüfen kannst.
Das soll sich jetzt jedoch ändern. Nur noch offizielle Siegel, keine irreführende Werbung mit scheinbar klimafreundlichen Produkten mehr, sonst fliegt das Produkt aus dem Regal. Seit dem 27. September greift ein Verbot in Supermärkten und Discountern wie Aldi, Lidl und Co. sowie auch in Drogerien. Demnach dürfen Hersteller Produkte nur noch dann mit Labeln wie „nachhaltig“, „klimaneutral“ usw. bewerben, wenn dies tatsächlich nachprüfbar ist. Garantiert werden soll das über offizielle Siegel. Diese vergibt der Staat oder ein unabhängiges Drittzertifizierungssystem nach festen Kriterien.
Die gesetzliche Grundlage
Grundlage des Verbots ist eine EU-Richtlinie, deren Umsetzung ins deutsche Recht nun greift. Eines der neuen Gesetze gegen „unlauteren Wettbewerb“ sieht vor: Bewirbt ein Unternehmen ein Produkt als nachhaltig oder ähnlich und kann dies nicht konkret nachweisen, macht es sich jetzt strafbar. Die EU-Richtlinie sieht etwa folgende allgemeine Umweltaussagen als problematisch an:
„umweltfreundlich“, „umweltschonend“, „grün“, „naturfreundlich“, „ökologisch“, „umweltgerecht“, „klimafreundlich“, „umweltverträglich“, „CO2-freundlich“, „energieeffizient“, „biologisch abbaubar“ oder „biobasiert“.
„Diese allgemeinen Umweltaussagen sollten verboten werden, wenn eine anerkannte hervorragende Umweltleistung nicht nachgewiesen werden kann.“ Im Umkehrschluss ist die Verwendung nur noch erlaubt, „wenn die Spezifizierung der Umweltaussage auf demselben Medium klar und in hervorgehobener Weise angegeben ist.“ (Zitate aus der EU-Richtlinie 2024/825)
So nutzen Hersteller dein blindes Vertrauen aus
Damit geht Deutschland gegen unlautere Praktiken von Firmen vor, die sich mit verallgemeinernden, irreführenden, unbelegten oder schlichtweg falschen Aussagen über die vermeintliche Klimafreundlichkeit ihrer Produkte einen Vorteil auf dem Markt verschaffen wollen.
Hier einige Praxisbeispiele:
- Informationen zu den Werbeaussagen fehlen auf dem Produkt oder der Webseite und du kannst daher nicht nachvollziehen oder prüfen, ob sie stimmen.
- Hersteller bewerben Produkte als klimaneutral, dabei werden ausgestoßene Treibhausgase während der Produktion lediglich durch ein Aufforstungsprojekt in einem ganz anderen Land kompensiert. Der Klimaschaden entsteht trotzdem.
- Ein Produkt besteht aus Recyclingmaterial, aber die genaue Zusammensetzung ist nicht bekannt. Dadurch kann der Eindruck entstehen, das Produkt bestünde zu 100 Prozent aus Rezyklat. Der Anteil kann aber viel geringer sein. Ohne konkrete Prozentangabe ist das für dich nicht nachvollziehbar.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) etwa geht bereits seit Jahren gegen Firmen wie Netto oder Danone vor. Der Vorwurf: Sie würden mit Umweltversprechen Verbraucher täuschen und wettbewerbswidrig handeln. Auch gibt es Studien, die zeigen, dass weltweit die größten Firmen oft schwindeln, wenn es um die eigene Nachhaltigkeit geht. So fand etwa 2022 das New Climate Institute zusammen mit Carbon Market Watch heraus, dass diese anhand ihrer vorgelegten Pläne nur 40 statt 100 Prozent ihrer Treibhausgase einsparen könnten. Beworben wurde jedoch eine vollständige Klimaneutralität (dpa).
Warum das Ganze?
Begriffe wie „grün“ oder „öko“ dürfen ab sofort nur noch mit einer Begründung oder Spezifizierung verwendet werden, auf welchen Teil des Produktes oder der Produktkette sich die Aussage bezieht. Die Folge: Mehr Klarheit und Transparenz für dich als Kunden und Verbraucher. Du bist dadurch besser informiert und kannst eine fundierte Kaufentscheidung treffen.
Gleichzeitig erhoffen sich die EU und Deutschland dadurch den Wettbewerb anzukurbeln, wenn wahrlich umweltfreundliche Produkte mehr an Bedeutung und Qualität gewinnen. Dafür stehen Handelsmarken mit ihren eigenen Siegeln nun unter dem Druck, Nachweise zu liefern und die Anforderungen zu erfüllen. Sonst müssen sie ihre Labels von den Verpackungen entfernen oder sie dürfen die Produkte nicht mehr verkaufen.
Kommentar: Wieso erst jetzt?
Ich kann dazu nur sagen: endlich! Es wurde auch langsam Zeit, dass etwas gegen diesen Nachhaltigkeitsschwindel getan wird. Doch warum hat das so lange gedauert? Bei Bio haben wir in Deutschland bereits seit 25 (!) Jahren ein staatliches Bio-Siegel, das den EU-Mindestanforderungen an landwirtschaftliche Betriebe entspricht. Und dann gibt es sogar noch die Siegel der deutschen Bioverbände. Diese gehen weit über diese Standards hinaus, bis hin zu einer komplett ökologischen Betriebsarbeit ohne jede Ausnahme.
Klar, daraus entstehen auch wieder viele Siegel und Labels mit unterschiedlichen Bedeutungen. Doch sobald das EU-Siegel oder das deutsche Öko-Label mit auf der Verpackung prangen, sind die Mindestanforderungen zumindest klar gesetzt. Und die müssen auf jedes in der EU verkaufte vorverpackte Lebensmittel mit darauf. Alles andere ist ein freiwilliger Zusatz und eben kein Ersatz.
Ich bin allerdings gespannt, wie stark die Umsetzung des neuen Gesetzes in Zukunft kontrolliert wird und von wem. Die DUH etwa hat bereits angekündigt, den Markt streng zu kontrollieren, kann aber nicht überall gleichzeitig sein. Was du als Kunde und Verbraucher daher tun kannst: Nur noch Produkte mit unabhängigen Nachhaltigkeitssiegeln oder vertrauensvollen Bio-Labels kaufen und Hersteller, die sich nicht an das neue Gesetz halten, melden. Ich werde beim nächsten Einkauf auf jeden Fall ganz genau in die Regale schauen – und ich hoffe, du auch.

