Ein Rückruf nach dem anderen – in den letzten Wochen haben beinahe alle Supermärkte und Discounter nacheinander ein bestimmtes Produkt aus der Tiefkühlabteilung zurückgerufen. Denn es besteht der Verdacht, dass dieses mit krankmachenden Viren belastet sein könnte. Das Risiko besteht allerdings nicht erst seit gestern. Die Verbraucherzentrale, das Bundesinstut für Risikobewertung und weitere Einrichtungen warnen bereits seit Jahren davor. Dennoch wissen viele weder um die Gefahr noch um den richtigen Umgang mit dem betroffenen Lebensmittel.
Kontaminierte Lebensmittel bei Aldi, Lidl & Co.
Bei routinemäßigen Untersuchungen werden immer wieder kontaminierte Lebensmittel entdeckt. Doch zuletzt haben sich die Fälle bei Tiefkühlbeeren gehäuft. Gerade erst Mitte August gab es einen Rückruf bei Kaufland und noch weitere im Juli bei Rewe, Lidl, Aldi und Netto. Befund: Noroviren und Hepatitis-A-Viren. Hättest du gewusst, das tiefgefrorene Beeren krank machen können?
Davor warnt das Bundesinstitut für Risokobewertung (BfR) bereits seit 13 (!) Jahren. Wer sich die Früchte einfach so in den Mixer, die Eis- oder Slush-Maschine wirft, geht ein großes gesundheitliches Risiko ein. Wie das BfR erklärt, können die Beeren bei der Bewässerung, Düngung, bei der Ernte oder auch im Gefrierprozess mit kontaminiertem Wasser, Boden oder erkrankten Menschen in Kontakt kommen. Da das Tiefgefrieren die Viren nicht abtötet und sie auch sonst sehr widerstandsfähig sind (sie können mehrere Tage auf den Lebensmitteln überleben), besteht ein Infektionsrisiko. Jedes Jahr werden in Deutschland über 70.000 Tonnen Tiefkühlobst verkauft (Statista, Stand 2025). Und immer wieder kommt es vor, dass bei Proben Viren nachgewiesen und Produkte zurückgerufen werden müssen.
welche Produkte bei Aldi, Lidl & Co. sind betroffen?
Hier haben wir dir alle betroffenen Produkte inklusive Mindesthaltbarkeitsdaten und weiteren Kennzeichnungen aufgelistet:

- Produkt: „K Classic Erntefrische Erdbeeren tiefgefroren“
- Menge: 300 Gramm
- Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD): 10.02.2028, 01.04.2028 und 22.04.2028
- Global Trade Item Number (GTIN): 4337185826788
- Befund: Noroviren
- Verkauft durch: Kaufland

- Produkt: „ja! Beerenmischung tiefgefroren“
- Menge: 750 Gramm
- Charge: L-26085
- MHD: 15.03.2028
- GTIN: 4337256908795
- Befund: Hepatitis-A-Viren
- Verkauft durch: Rewe

- Produkt: „Freshona Bio Beerenmischung tiefgefroren“
- Menge: 300 Gramm
- Charge: L180426H3, L180426L3, L190426L3 und L190426N3
- MHD: 17.04.2028 und 18.04.2028
- Befund: Noroviren
- Verkauft durch: Lidl

- Produkt: „Bio Beerenmischung tiefgefroren“
- Menge: 300 Gramm
- MHD: 21.03.2028, 22.03.2028 und 23.03.2028
- Befund: Noroviren
- Verkauft durch: Aldi Süd und Aldi Nord

- Produkt: „BioBio Beerenmischung tiefgefroren“
- Menge: 300 Gramm
- Charge: L270326B3
- MHD: 26.03.2028
- Befund: Noroviren
- Verkauft durch: Netto
Im Mai war es der tiefgefrorene Beeren-Mix von Globus (300 Gramm, MHD 29.09.2027, EAN: 4304218430861). Auch im vergangenen Jahr gab es Rückrufe bei Kaufland und Lidl, laut „produktwarnung.eu„. Laut Verbraucherzentrale werden jährlich 100.000 Erkrankungen durch Erreger in Lebensmitteln gemeldet.
Wie gefährlich ist eine Infektion?
Eine Infektion mit dem Norovirus zeigt sich bereits nach ein bis zwei Tagen in Form von Brechdurchfall und einem damit verbundenen starken Flüssigkeitsverlust. Auch Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen können auftreten. Die Symptome ebben oft nach zwei Tagen wieder ab, doch scheidet man noch wochenlang weiter Viren aus. Besonders gefährlich sind Noroviren für Säuglinge und Kleinkinder, aber auch für kranke Menschen. Sie können im Ernstfall daran sterben, wie das BfR warnt. Allerdings liegt die Sterberate hierbei bei unter 0,1 Prozent. Die Erkrankung ist laut Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.
Bei Hepatitis A dauert es hingegen mehrere Wochen, bis die ersten Symptome wie Übelkeit und Oberbauchschmerzen auftreten. Auch Gelbsucht gehört zu den gängigen Merkmalen. Dabei färben sich Haut und Augen gelb, der Urin braun und Betroffene klagen über einen starken Juckreiz. In der Folge erleiden Erkrankte eine Leberentzündung, die aber meist wieder vollständig abklingt. Hier sind vor allem immunschwache Personen gefährdet. Gegen Hepatitis A kannst du dich im Gegensatz zum Norovirus impfen lassen. Darum ist ein Blick in den Impfausweis wichtig, damit du weißt, ob du bald eine Auffrischung brauchst.
Die Impfung ist aber nicht die einzige Variante, wie du Tiefkühlbeeren risikofrei verzehren kannst.
Wie kann ich Tiefkühlbeeren sicher verwenden?
Simples Abwaschen reicht bei Tiefkühlerdbeeren nicht aus. Aus dem Merkblatt „Verbrauchertipps: Schutz vor viralen Lebensmittelinfektionen“ hat das BfR daher folgende Anweisung:
„Ein gleichmäßiges und vollständiges Durcherhitzen der Lebensmittel vor dem Verzehr durch Kochen oder Braten scheint (…) geeignet, das Risiko einer viralen Lebensmittelinfektion deutlich zu reduzieren.“ (Änderung d. Red.)
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Genauer: Wenn du deine Tiefkühlbeeren auf mindestens 90 Grad Kerntemperatur zwei Minuten lang erhitzt, kannst du damit etwaige Viren abtöten. Wichtig: Ein teilweises Erhitzten reicht nicht aus, auch nicht in der Mikrowelle. Du musst die Beeren richtig aufkochen. Erst im abgekühlten Zustand sollten sie dann in den Mixer oder auch in die Slush- oder Eismaschine.
Welche Alternative zu Tiefkühlbeeren gibt es?
Wie kannst du dir dann jetzt einen kalten Smoothie zubereiten, wenn du die Beeren vorher erst mal kochen musst? Natürlich kannst du die Beeren nach dem Abkochen abkühlen lassen und dann wieder einfrieren, zum Beispiel in Eiswürfelformen. Die gefrorenen Würfel kannst du dann wie gewohnt für Eis, Slushies oder Smoothies verwenden. Sie kommen übrigens auch gut in kühlen Getränken.
Eine sinnvolle Alternative wären frische Beeren. Diese kannst du zum Beispiel:
- vorher einfrieren
- mit Eiswürfeln mixen (wenn dein Mixer dafür geeignet ist)
- zu einem Smoothie verarbeiten und diesen dann einfrieren
Wichtig ist natürlich auch hier, die Früchte vorher immer abzuwaschen und so von möglichen Verschmutzungen zu befreien.
Fazit
Es ist nicht auszuschließen, dass Tiefkühlbeeren aus dem Supermarkt oder Discounter mit Noroviren oder Hepatitis A kontaminiert sind. Eine Erkrankung kann schwer verlaufen und vor allem immunschwache, kranke, alte, aber auch sehr junge Menschen wie Kleinkinder schwer treffen. Um ganz sicherzugehen, solltest du Tiefkühlbeeren daher vor dem Verzehr aufkochen und somit eventuell vorhandene Viren abtöten. Danach sind die Früchte sicher für den Verzehr. Eine gute Alternative bleiben nach wie vor frische Beeren.

