Hast du Lust, 4 Euro für ein Müsli zu bezahlen, welches du dir noch selber im Airfryer zubereiten musst? Wohl kaum. Doch genau diese Idee hatte Dr. Oetker jetzt und hat ein neues Produkt herausgebracht: Granola, das du noch selbst mit Öl und Süße in der Heißluftfritteuse backen musst. Wie kommt man auf so eine Idee? Und was sollen eigentlich die ganzen Airfryer-Produkte im Supermarkt? Ich habe mir das Phänomen mal genauer angeschaut und bin auf die große Airfryer-Lüge gestoßen – ein Kommentar.
Die Airfryer-Lüge: Warum zahlen wir dafür noch drauf?
Der Airfryer-Wahnsinn ist vollends im Supermarkt angekommen: Überall in den Regalen finden sich Produkte und Lebensmittel, die speziell auf Heißluftfritteusen zugeschnitten sind. Das Angebot reicht von vorfrittierten Snacks aus der Tiefkühle bis hin zu Airfryer-Kartoffeln oder -Backpulver. Der Erfolg mit dem Gericht in der Heißluftfritteuse ist damit scheinbar garantiert. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Viele Produkte versprechen mehr, als sie halten können und sind dann auch noch verhältnismäßig teuer.
Das neueste Beispiel: die „DIY Airfryer Granola“ von Dr. Oetker – das Vitalis-Müsli zum Selbermachen. Statt ein vollständiges Produkt anzubieten, steigt man hier auf den Airfryer-Hype-Zug auf und bringt die Kunden auch noch dazu, für 3,99 Euro (UVP) pro 400-Gramm-Packung die restliche Arbeit zu übernehmen. Was drinsteckt: Vollkorn-Hafer- und Dinkelflocken, Weizenvollkorn- und Reismehl sowie Salz und je nach Sorte Schokolade oder Nüsse. Das bekommt man alles auch ohne Probleme selber im Supermarkt gekauft. Also wozu viel Geld ausgeben, um dann noch mehr Geld auszugeben und sich dann noch Arbeit zu machen?

Doch das ist längst nicht das einzige Beispiel für die unseriöse Vermarktung von Airfryer-Produkten.
Airfryer-Produkte: Nur eine Marketingstrategie?
Die Produkte für den Airfryer sind mannigfaltig: Nehmen wir das Beispiel Backpulver. Einige Firmen, darunter auch wieder Dr. Oetker, versprechen mittels eines Zusatzstoffes, der schneller auf Hitze reagiert, ein schnelleres Backen in der Heißluftfritteuse. Doch Pustekuchen! Nicht nur ist das Backin dreimal so teuer wie die herkömmliche Variante, es funktioniert auch noch schlechter. Das hat unter anderem das ARD-Format „Buy Better“ festgestellt. Hier ging der Muffinteig mit Airfryer-Backin deutlich weniger auf. Bei der Stiftung Warentest war das Ergebnis zwar vergleichbar, aber je nach verwendetem Airfryer unterschiedlich. Unterm Strich gab es also keine Verbesserung und keinen messbaren Grund dafür, das teurere Produkt zu kaufen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat deshalb Dr. Oetkers Airfryer Backpulver für den Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge nominiert.


Oder nehmen wir die Airfryer-Kartoffeln. Die gibt es zum Beispiel bei Rewe von der Eigenmarke Beste Wahl. Schon auf der Verpackung steht eindeutig, um welche Sorte es sich handelt und dass es ganz normale festkochende Speisekartoffeln sind. Für den Preis von 2,49 Euro für 1,5 Kilogramm bekommst du im selben Geschäft gleich 2,5 Kilogramm vorwiegend festkochende Kartoffeln ohne Werbeclaim. Und die kannst du genauso gut im Airfryer zubereiten – oder gleich zu fertigen Tiefkühlpommes greifen. Wieder mehr Schein als Sein.
Hersteller nutzen die Unsicherheit der Verbraucher aus
Ich könnte noch zig weitere Beispiele nennen. Letztendlich spielen die Hersteller mit dem Unwissen der Verbraucher, die noch gar nicht wissen, was sie alles im Airfryer sicher und lecker zubereiten können. Sobald irgendwo „für den Airfryer“ draufsteht, gehen sie erst einmal davon aus, dass das schon stimmen wird. Sie hinterfragen nicht, was dieses Produkt jetzt besser für den Einsatz macht oder was drin ist. Und so tappen sie in die Falle, kaufen unnötige Produkte und geben dabei noch mehr Geld aus. Gleichzeitig wirken die Firmen up to date, weil sie etwas Passendes zum Airfryer-Hype anbieten können.
Was kann in den Airfryer?
Ich muss zugeben, dass auch ich einmal der Airfryer-Produktlüge verfallen bin. Gesehen, nicht genau draufgeschaut und gekauft. Doch dann habe ich noch einmal nachgedacht, was ein Airfryer eigentlich ist: nichts anderes als ein kleiner Umluftofen. Warum also sollte ich dafür andere Produkte brauchen? Alles Vorfrittierte wie Pommes, Nuggets oder Fischstäbchen, Aufbackbrötchen, Gemüse, Hähnchen und auch frische Kartoffeln lassen sich ohne Probleme in der Heißluftfritteuse zubereiten. Da braucht es auch keinen speziellen Airfryer-Blumenkohl oder dergleichen.
Was darf nicht in den Airfryer?
Wo es aber tatsächlich problematisch werden kann, ist bei Lebensmitteln mit hohem Wasser- oder Fettanteil. Flüssigkeiten, nasser Teig oder stark wasserhaltige Lebensmittel wie Tomaten verdrecken die Heißluftfritteuse. Die Flüssigkeit läuft durch Ritzen davon, die Tomaten werden matschig und auch eine zu feuchte Panade wird pampig statt knusprig. Zu viel Fett hingegen kann zu Rauchbildung führen.
Bei allem, was schnell schmilzt – wie zum Beispiel Mozzarella – sollte eine Form oder Backpapier untergelegt werden. Sonst brennt der Käse im Airfryer an. Beim Backpapier nur immer darauf achten, es zu beschweren. Sonst kann es hochfliegen an den Heißstab und ankokeln. Gleiches gilt auch für leichte Lebensmittel wie Salat. Bei großen Braten solltest du auf die richtige Kerntemperatur achten, weil die kleine Heißluftfritteuse nicht so leistungsstark ist wie der Backofen. Bei Fisch hingegen kommt es auf die Dicke an, dass er an dünnen Stellen nicht austrocknet.
Noch ein Tipp: Den Korb nicht zu voll machen und die Maschine immer sauber halten. Dann wird auch alles schön knusprig.
Fazit: Augen auf und draufgeschaut
Was solltest du jetzt konkret tun, wenn du im Supermarkt stehst und Lebensmittel für die Heißluftfritteuse zu Hause suchst? Wenn du auf einer Verpackung „für den Airfryer“ liest, solltest du dir die Inhaltsstoffe genauer anschauen und das Produkt nach Möglichkeit mit einer herkömmlichen Variante vergleichen. Sind die Inhaltsstoffe gleich oder der Preis deutlich höher – dann Finger weg! Oder informier dich zumindest vorher einmal über das Produkt. Vielleicht haben die Stiftung Warentest oder andere seriöse Quellen es bereits unter die Lupe genommen.
Und ansonsten gilt: Übung macht den Meister. Das Netz ist voll mit Airfryer-Rezepten. Probiere eins aus und passe es deiner Erfahrung nach an. Dann bist du bestimmt im Nu sicher im Umgang mit deinem neuen Küchengerät.
