Ein Nutzer kauft bei Kleinanzeigen eine FRITZ!Box 6690 Cable. Angeblich frei, angeblich neu. 150 Euro statt 300 Euro. Er schließt sie an. Und dann passiert etwas, das ihn stutzig macht. Die Box ist sofort online. Mit 1 Gbit/s. Über einen Vodafone-Kabelanschluss, den er nie bestellt hat. Im Telefonie-Menü stehen fremde Rufnummern. So schildert es der Käufer im FRITZ!Box-Forum auf Reddit. Vodafone habe am Telefon wenig helfen wollen und das Gerät auch nicht zurückverlangt. Ein einzelner Erfahrungsbericht. Nicht überprüfbar, aber technisch plausibel. Gerade beim Kauf von gebrauchten FRITZ!Boxen fürs Kabelnetz solltest du vorsichtig sein. Denn was dem Nutzer vermeintlich passiert ist, ist die logische Folge davon, wie Kabelnetze Geräte verwalten.
Warum eine fremde Box plötzlich telefoniert
Der Kern liegt in der sogenannten Provisionierung. Das ist der Vorgang, mit dem der Kabelanbieter ein Gerät in seinem Netz freischaltet und ihm Bandbreite und Dienste zuweist. Wie die Verknüpfung entsteht, erklärt Vodafone auf Anfrage von inside digital: „Über die CM-MAC-Adresse wird das Gerät in unseren Provisionierungssystemen registriert und eindeutig identifiziert.“ Die CM-MAC ist eine feste Kennung des Kabelmodems. Bei der ersten Aktivierung kommt die Kundennummer dazu. Erst beide Angaben zusammen verknüpfen Vertrag und Gerät.
Und jetzt der entscheidende Punkt: Ist eine Box noch einem aktiven Vertrag zugeordnet, passiert laut Vodafone Folgendes: „Sollte das Gerät tatsächlich noch einem aktiven Vertrag zugeordnet sein, würde es regulär starten und auf Basis dieses Vertrags funktionieren. Auch nach einem Werksreset würde das Gerät aufgrund der bestehenden Zuordnung seine Konfiguration erneut erhalten.“
Genau das erklärt den oben geschilderten Fall. Die Box war offenbar nie sauber vom alten Vertrag getrennt. Also lief sie beim neuen Besitzer weiter, als gehöre sie noch dem Vorbesitzer. Inklusive dessen Anschluss und dessen Telefonnummern.
Erst wenn der alte Vertrag gekündigt ist oder der frühere Kunde ein neues Gerät angemeldet hat, verfällt die Zuordnung. Dann, und erst dann, greift der reguläre Aktivierungsweg für kundeneigene Geräte. Dass solche Fälle kein Einzelfall sind, räumt Vodafone offen ein: „Ja, solche Fälle kommen vor.“ Die häufigsten Ursachen sind laut Konzern ein Vodafone-Mietgerät oder eine Zuordnung, die noch geprüft und geklärt werden muss.
Retail- oder Mietgerät: die wichtigste Unterscheidung
Bevor du überhaupt eine gebrauchte Kabel-FRITZ!Box kaufst, musst du eine Sache klären. Ist es eine frei verkaufte Box oder ein Providergerät? Denn Vodafone vermietet Kabelrouter grundsätzlich nur, verkauft sie nicht. Nach Vertragsende muss das Mietgerät zurück. Selbst, wenn eine Gebühr fällig wird, weil niemand es zurückschickt, bleibt die Box Eigentum von Vodafone. Das dürfte kaum jemand auf dem Schirm haben. Hast du so eine Box aber gebraucht gekauft, dann geht am eigenen Anschluss gar nichts. „Da die FRITZ!Box Eigentum von Vodafone ist, kann sie nicht als kundeneigenes Gerät aktiviert und genutzt werden“, schreibt uns der Konzern. „Die Systeme lassen eine entsprechende Aktivierung nicht zu. Auch über die Hotline wird ein solches Gerät nicht aktiviert.“
FRITZ! bestätigt die Linie gegenüber inside digital: „Solche Geräte sind netzseitig an den ursprünglichen Anbieter gebunden und lassen sich in der Regel nicht von einem anderen Kunden aktivieren.“ Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft nur ein Retail-Gerät aus dem Handel. Auch Vodafone formuliert es als klare Empfehlung: „Kunden sollten nach Möglichkeit ausschließlich Retail-Geräte erwerben.“
Denn zwischen einer Box aus dem Handel und einer Provider-Box gibt es noch einen Unterschied, der im Alltag nervt. „Eine FRITZ!Box aus dem Handel läuft mit dem vollständigen FRITZ!OS und bietet damit den kompletten Funktionsumfang“, erklärt FRITZ!. Die kostenlosen Updates kommen dort direkt vom Hersteller, und du installierst sie selbst. Bei Providergeräten liefert dagegen nur der Anbieter die Updates, oft erst nach eigenen Freigabeprozessen. Neue Software gibt es dort also später.
So erkennst du eine echte Retail-Box
Um eine Box aus dem Handel zu erkennen, gibt es ein hartes Kriterium: die Artikelnummer. Nur diese Cable-Modelle sind offiziell für den freien Handel bestimmt. Die Artikelnummer steht auf dem Karton – den dürften allerdings viele, die ihren Router verkaufen, nicht mehr haben. Aber: Die Nummer steht auch auf der Unterseite des Routers. FRITZ! nennt uns auf Anfrage folgende Artikelnummer für Retail-Geräte.
- FRITZ!Box 6690 Cable: 20002965
- FRITZ!Box 6670 Cable: 20003047
- FRITZ!Box 6660 Cable: 20002910
- FRITZ!Box 6591 Cable: 20002857
- FRITZ!Box 6590 Cable: 20002781
- FRITZ!Box 6490 Cable: 20002778
- FRITZ!Box 6430 Cable: 20002779
Lass dir die Nummer vom Verkäufer nennen oder auf einem Foto des Typenschilds zeigen. Steht sie nicht in dieser Liste, ist Vorsicht angebracht.
Ein Detail für Sparfüchse: Für jede FRITZ!Box gewährt der Hersteller fünf Jahre Garantie. „Wer eine gebrauchte FRITZ!Box erwirbt, die jünger als fünf Jahre ist, sollte beim Kauf unbedingt die Originalrechnung anfordern“, rät der Hersteller. Nur damit weist du die Restgarantie nach.
Reicht ein Werksreset? Jein
Wer übrigens denkt, ein Werksreset könnte das Problem der Provider-Zuordnung lösen, der irrt. Der Werksreset löscht die persönlichen Daten, Passwörter und Konfigurationen auf dem Gerät. Das ist wichtig und richtig. Aber er löst nicht die Verknüpfung im Netz des Anbieters. Solange die alte Zuordnung besteht, holt sich die Box ihre Einstellungen wieder.
Zwei Dinge müssen also zusammenkommen. Erstens: der Reset. Zweitens: die Abmeldung beim alten Provider. Und diese Abmeldung ist Aufgabe des Verkäufers, nicht des Käufers.
Was du vor dem Kauf tun solltest
- Frag den Verkäufer nach der Artikelnummer und gleiche sie mit der Liste oben ab.
- Frag, ob es ein Retail-Gerät aus dem Handel ist oder ein Router, den er einst vom Anbieter bekommen hat. Im zweiten Fall: Finger weg.
- Frag, ob er seinen alten Vertrag gekündigt oder bereits ein anderes Gerät angemeldet hat. Nur dann ist die Box im Netz wirklich frei.
- Bestehe auf der Originalrechnung, wenn das Gerät jünger als fünf Jahre ist.
Und wenn die Box trotz allem noch einem fremden Vertrag zugeordnet ist? Dann lässt sich das laut Vodafone lösen, aber nicht durch dich. Der Anbieter muss die Aktivierung übernehmen und prüft dabei, ob der Wechsel berechtigt ist. „Sollte es erforderlich sein, werden wir den bisherigen Nutzer, auf den die FRITZ!Box registriert ist, kontaktieren und die Berechtigung des Wechsels prüfen“, so Vodafone. Aber: Bei einem Providergerät wird das wie geschildert nicht geschehen.

