Nur 2 Prozent: Warum 5G deinen Festnetzanschluss nicht ersetzt

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Wozu Straßen aufreißen, wenn 5G doch überall verfügbar ist? Die Zahlen der Bundesnetzagentur geben eine unbequeme Antwort. Damit der Mobilfunk übernehmen könnte, was heute durch die Festnetze rauscht, müsste er das 16-Fache seines aktuellen Datenvolumens tragen. Und das ist nur der Stand von heute.
Eine Mobilfunkantenne
Ohne Glasfaser geht's nicht: 5G kann das Festnetz nicht ersetzenBildquelle: Vyacheslav Shatskiy via Unsplash

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) hat die Frage in seiner Marktanalyse 2026 mit Zahlen beantwortet. Die stammen nicht aus der eigenen Umfrage unter Mitgliedsunternehmen, sondern aus dem Jahresbericht Telekommunikation der Bundesnetzagentur. Pro Anschluss und Monat flossen 2025 im Festnetz 376 Gigabyte. Im Mobilfunk waren es 8,4 Gigabyte je aktivem SIM-Profil. Der BREKO leitet daraus einen Mobilfunkanteil von 2,2 Prozent ab.

Was ein Umzug ins Funknetz bedeuten würde

Das ist allerdings zu schön gerechnet. Denn hinter den 8,4 Gigabyte stehen rund 108 Millionen SIM-Profile, hinter den 376 Gigabyte nur 38,8 Millionen Breitbandanschlüsse. Schaut man auf die Gesamtmengen, sieht es so aus: 175 Milliarden Gigabyte im Festnetz, 10,9 Milliarden im Mobilfunk. Macht knapp 6 Prozent für den Funk. Auch das ist ein klares Verhältnis, nur eben nicht ganz so klar wie beim Verband.

Jetzt das Gedankenspiel. Um die 175 Milliarden Gigabyte aus dem Festnetz zusätzlich zu schultern, müssten die Mobilfunknetze rund das 16-Fache ihres heutigen Volumens abführen.

Zum Tempo: 2024 waren es 9,6 Milliarden Gigabyte per Mobilfunk, 2025 dann 10,9. Ein Plus von etwa 13 Prozent. Bleibt es bei diesem Wachstum, braucht der Mobilfunk gut zwei Jahrzehnte, um allein das heutige Festnetzvolumen zu erreichen. Bis dahin ist das Festnetz längst weitergewachsen: Für 2030 rechnet der BREKO mit 747 bis 907 Gigabyte pro Anschluss und Monat, also etwa dem Doppelten von heute.

Dazu kommt ein physikalischer Unterschied, den kein Ausbauprogramm wegräumt. Eine Glasfaser gehört im Zweifel dir allein – jedenfalls fast. Maximal 64, meist eher maximal 32 Nutzer teilen sich eine Leitung, die mehrere Gigabit liefert. Eine Funkzelle teilst du mit der Nachbarschaft, und das nutzbare Frequenzspektrum ist endlich. Mehrere hundert Nutzer, in Stoßzeiten sogar Tausende, sind in einer Zelle, die weniger Kapazität hat als eine Glasfaser. Mehr Kapazität heißt bei Mobilfunk vor allem: mehr Standorte, kleinere Zellen. Und die brauchen Standorte und Anbindung.

Warum dein Handy heimlich am Festnetz hängt

Der zweite Grund liegt näher, als man denkt: Zu Hause hängt dein Smartphone am WLAN. Und damit am Festnetz. BREKO-Präsident Norbert Westfal, im Hauptberuf Geschäftsführer der EWE TEL, verwies bei der Vorstellung der Zahlen auf einen weiteren Punkt: „Der Mobilfunk ist im Haus oftmals durch Maßnahmen der Gebäudesanierung erschwert.“ Moderne Wärmeschutzverglasung und gedämmte Fassaden dämpfen das Funksignal zuverlässig.

Bleiben die Argumente, die Westfal für den Festnetzanschluss nennt: Geschwindigkeit, Stabilität und eine niedrige Latenz, also kurze Reaktionszeiten etwa beim Zocken oder in der Videokonferenz.

Fairerweise: Der Mobilfunk wächst schneller

Eine Zahl gehört zur Ehrlichkeit dazu. Relativ betrachtet legt der Mobilfunk kräftiger zu als das Festnetz. Von 0,5 auf 8,4 Gigabyte pro Monat und Karte – das ist knapp das 17-Fache in zehn Jahren. Das Festnetz kam im selben Zeitraum nur auf gut das Achtfache.

Nur nützt dem Mobilfunk das wenig. Absolut sind es 7,9 Gigabyte mehr pro Monat, im Festnetz 330 Gigabyte. Wer von einem kleinen Sockel aus wächst, wächst schnell in Prozent und langsam in Gigabyte.

Der Datenhunger wächst weiter

Auch bei den gebuchten Bandbreiten kippt es. Die Zahl der Festnetzanschlüsse mit weniger als 100 Mbit/s sank binnen eines Jahres von 17,1 auf 15,2 Millionen, die der schnelleren stieg von 21,5 auf 23,6 Millionen. Rund drei Millionen Anschlüsse liefern inzwischen mindestens ein Gigabit.

Dazu kommt die künstliche Intelligenz. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft formuliert es so: „Künstliche Intelligenz lässt den Bedarf an Netzkapazität weiter stark wachsen.“ Die Marktanalyse 2026 wurde erstmals von IW Consult durchgeführt, einer Tochter des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Wenn du zwischen einem 5G-Router und einem Festnetzanschluss wählen kannst, spricht die Statistik ziemlich klar für das Glasfaserkabel. Als Übergangslösung oder dort, wo schlicht nichts anderes liegt, bleibt der Mobilfunk sinnvoll. Nur eben nicht als Dauerlösung für einen Haushalt, in dem drei Leute gleichzeitig streamen. Die Datenmengen, die im Festnetz fließen, könnte ein Mobilfunknetz nicht transportieren – heute schon nicht.

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