Neue Supermarkt-Steuern auf fast alles: So teuer wird der Einkauf 2027

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2027 kommt die nächste Preiserhöhung im Supermarkt. Und diesmal trifft es fast jeden Einkauf. Neue Plastik- und Zuckersteuern sowie höhere Abgaben auf Schnaps und Zigaretten machen den Wocheneinkauf teurer. Wie viel mehr wir wirklich zahlen müssen, zeigt unsere Rechnung.
Neue Supermarkt-Steuern auf fast alles: So teuer wird der Einkauf 2027
Neue Supermarkt-Steuern auf fast alles: So teuer wird der Einkauf 2027Bildquelle: Montage inside digital

Betrachtet man die vergangenen fünf Jahre, dann sind Lebensmittel im Supermarkt im Durchschnitt um rund ein Drittel teurer geworden. Besonders stark sind die Preise für Schokolade, Kaffee und Eier gestiegen. Gleichzeitig können manche landwirtschaftlichen Produkte wie Milch, Butter oder Schweinefleisch derzeit wieder günstiger hergestellt werden. Die für Sommer und Herbst 2026 befürchtete Preiswelle im Regal ist bislang ausgeblieben: Nahrungsmittel kosteten im September laut Statistischem Bundesamt nur 0,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Teurer wurde vor allem Energie, mit einem Plus von 14,9 Prozent, getrieben von den geopolitischen Spannungen rund um den Iran. Und weil Öl und Kraftstoffe Transport, Logistik und Verpackungen verteuern, haben große Konzerne wie Unilever oder Henkel bereits angekündigt, ihre Preise im zweiten Halbjahr 2026 um durchschnittlich zwei bis zehn Prozent anzuheben.

Und ab 2027 wird der Einkauf im Supermarkt erneut teurer, diesmal nicht durch Ernten oder Ölpreise, sondern per Gesetz. Geplant sind eine Plastiksteuer, eine Zuckersteuer sowie höhere Steuern auf Schnaps und Zigaretten. Was das für den Wocheneinkauf bedeutet? Wir haben nachgerechnet.

Was wird 2027 zur Teuerung beitragen?

Dem Staat fehlt Geld, und Finanzminister Lars Klingbeil sucht es dort, wo es jeden Tag über den Kassenscanner läuft. Ab Juli 2027 soll eine Steuer auf Plastikverpackungen greifen, zeitgleich eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Schon im Januar sollen Spirituosen, Sekt und Alkopops um 20 Prozent höher besteuert werden, und Zigaretten werden ab dann vier Jahre in Folge teurer. Bier bleibt verschont.

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Endgültig beschlossen ist davon noch nichts. Tabak- und Alkoholsteuer liegen dem Bundestag vor, Plastik- und Zuckersteuer existieren bislang nur als Entwürfe.

Was im typischen Supermarkt-Einkaufswagen landet

Verbraucherschutzorganisationen arbeiten regelmäßig mit sogenannten Muster-Warenkörben. Darin stecken ganz normale Alltagsprodukte, wie sie Millionen Menschen jede Woche kaufen. Gerade deshalb zeigen diese Warenkörbe ziemlich genau, wie stark sich das Leben verteuert. Zu den 50 bis 60 Basisprodukten in einem Muster-Warenkorb gehören Lebensmittel wie:

  • Brot
  • Nudeln
  • Milch
  • Käse
  • Joghurt
  • Salami
  • Eier
  • Hackfleisch
  • Kartoffeln
  • Gurken
  • Salat
  • Äpfel
  • Bananen
  • Schokolade
  • Chips
  • Kaffee
  • Mineralwasser
  • Limonade
  • Bier

Die geplante Plastiksteuer richtet sich direkt gegen Verpackungen. Für nicht recycelte Kunststoffabfälle zahlt Deutschland schon seit 2021 an die EU, bislang aus dem Haushalt. Künftig sollen Hersteller und Importeure zahlen: 550 Euro pro Tonne, also 55 Cent pro Kilogramm Kunststoff in Verpackungen, Folien, Deckeln und Kapseln. Wer recyceltes Plastik einsetzt, kann sich befreien lassen.

Dass die Kosten an der Kasse landen, muss niemand vermuten. Die Steuer sei „darauf angelegt, dass die Steuerschuldner die Belastung auf den Endkunden überwälzen“, heißt es laut Handelsblatt im Gesetzentwurf. Der Bund rechnet 2027 mit 805 Millionen Euro Einnahmen, ab 2028 mit gut 1,4 Milliarden jährlich. Dem stehen ab 2029 rund 150 Millionen Euro Verwaltungsaufwand pro Jahr gegenüber, beim Zoll ebenso wie in den Unternehmen. Gemessen an den Einnahmen ist das gut jeder zehnte Euro.

Weil Verpackungen oft nur wenige Gramm wiegen, wirken die Preissteigerungen pro Produkt zunächst harmlos. Erst beim gesamten Einkauf zeigt sich die eigentliche Summe.

Wie viel Plastik in einem Wocheneinkauf steckt

Nicht jedes der 55 Produkte ist in Plastik gehüllt. Eier und Mehl stecken in Karton oder Papier, Bananen und Blumenkohl kommen ohne Hülle aus. Dennoch bleibt eine beachtliche Menge übrig. Teilen wir die verpackten Produkte logisch auf:

  • Schwere Kunststoffverpackungen und Flaschen (ca. 15 bis 35 g pro Produkt): Hierzu zählen PET-Flaschen (Wasser, Cola, Speiseöl), Squeeze-Flaschen (Ketchup), feste Kunststoffschalen (Hackfleisch, Hähnchen, Käse- und Schinkenscheiben) sowie Becher mit Deckel (Joghurt, Quark, Frischkäse). Gewicht für diesen Anteil: ca. 310 Gramm.
  • Dünne Folien, Tüten und Netze (ca. 2 bis 12 g pro Produkt): Dazu gehören Nudeltüten, der Toastbrotbeutel, Kartoffel-, Zwiebel- und Orangennetze, die Einschweißfolie der Gurke, die Schale der Weintrauben und TK‑Gemüsetüten. Gewicht für diesen Anteil: ca. 80 Gramm.

Zusammengerechnet wiegen die Kunststoffverpackungen eines einmaligen Basiseinkaufs rund 390 Gramm Plastik. Nimmt man das ermittelte Gesamtgewicht der Verpackungen und rechnet die 55 Cent pro Kilo (0,00055 Euro pro Gramm) dagegen, ergibt sich: 390 Gramm × 0,00055 Euro = 0,21 Euro

So viel teurer macht die Plastiksteuer den Einkauf im Supermarkt

21 Cent wirken an der Kasse zunächst überschaubar. Doch ein einzelner Wocheneinkauf deckt natürlich nicht den gesamten Monatsbedarf ab. Wasser, Brot, Milch, Gemüse oder Fleisch werden mehrfach gekauft, Produkte wie Ketchup oder Salz dagegen nur selten.

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Wie stark sich die Kosten tatsächlich summieren, zeigen Daten des Umweltbundesamts. Demnach verursacht ein Verbraucher in Deutschland pro Jahr durchschnittlich etwa 32 bis 38 Kilogramm Plastikverpackungsmüll im privaten Bereich. Der größte Teil entfällt auf Lebensmittel und Drogerieprodukte. Auf den Monat heruntergebrochen bedeutet das:

  • Plastikmüll pro Person/Monat: ca. 2,7 bis 3,1 kg Kunststoffverpackungen
  • Die Monatsrechnung: 2,7 bis 3,1 kg Plastik × 0,55 Euro = ca. 1,50 bis 1,70 Euro zusätzliche Kosten pro Monat und Person

Hochgerechnet aufs Jahr zahlt eine Einzelperson damit rund 18 bis 21 Euro mehr, eine vierköpfige Familie 70 bis 85 Euro, die Mehrwertsteuer noch nicht eingerechnet. 2027 ist es etwa die Hälfte, weil die Steuer erst im Juli startet.

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Hinzu kommt ein Effekt, den viele Kunden aus dem Supermarkt längst kennen: Händler und Hersteller runden Preissteigerungen oft großzügig auf. Aus wenigen Cent zusätzlicher Belastung werden im Regal schnell fünf oder zehn Cent mehr.

Zuckersteuer macht Getränke teurer

Ab Juli 2027 soll auch eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke kommen. Der Entwurf aus dem Finanzministerium staffelt sie nach Zuckergehalt: 26 Cent pro Liter ab fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter, 32 Cent ab sieben Gramm, 38 Cent ab zehn Gramm. Cola landet ganz oben. Zero-Getränke mit Süßstoff bleiben steuerfrei, nachdem Klingbeil eine Abgabe auf Süßungsmittel nach öffentlichem Aufschrei wieder einkassiert hat.

Aus einer Dose Cola für 75 Cent würden so rund 90 Cent. Die 1,5-Liter-Flasche aus dem Muster-Warenkorb wird inklusive Mehrwertsteuer knapp 70 Cent teurer, und die PET-Flasche drumherum fällt, sofern sie nicht aus Recyclingkunststoff besteht, zusätzlich unter die Plastiksteuer. Ganz durch ist die Zuckersteuer allerdings noch nicht, Widerstand kommt vor allem aus der Unionsfraktion und aus mehreren Bundesländern.

Laut Gesetzentwurf trinken Menschen in Deutschland im Schnitt 90 bis 100 Liter gezuckerte Getränke im Jahr. Bei 32 bis 38 Cent Steuer pro Liter plus Mehrwertsteuer kommen so rund 35 bis 45 Euro zusammen, etwa drei bis vier Euro im Monat. Eine vierköpfige Familie liegt bei 140 bis 180 Euro, allerdings erst ab 2028. 2027 greift die Steuer nur ein halbes Jahr.

Alkohol und Zigaretten: Steuern lassen Preise explodieren

Die Tabaksteuer ist zuletzt Anfang 2026 gestiegen. Pro Zigarette gehen derzeit im Schnitt gut 20 Cent Tabaksteuer an den Staat, die Mehrwertsteuer nicht mitgerechnet. Ab Januar 2027 soll sie vier Jahre in Folge steigen. Nach dem Entwurf der Bundesregierung kostet eine durchschnittliche Schachtel dann 8,77 statt 8,05 Euro, 2030 rund 11,36 Euro.

Union und SPD wollen im Bundestag noch nachlegen. Mit ihrem Änderungsantrag läge die Schachtel 2027 bei etwa 9,20 Euro und 2030 bei 11,92 Euro. Wer 15 Zigaretten am Tag raucht, zahlt 2027 je nach Variante rund 200 bis 315 Euro mehr im Jahr, also 16 bis 26 Euro im Monat.

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Beim Alkohol trifft es die harten Sachen. Ab Januar 2027 soll die Steuer auf Spirituosen um 20 Prozent steigen, von 13,03 auf gut 15,60 Euro pro Liter reinen Alkohols. Auch Sekt, Likörwein und Alkopops werden teurer. Für eine 0,7-Liter-Flasche Wodka oder Korn mit 40 Prozent bedeutet das inklusive Mehrwertsteuer knapp 90 Cent Aufschlag, für eine Flasche Sekt rund 24 Cent.

Bier bleibt außen vor, Wein kennt in Deutschland ohnehin keine eigene Steuer. Die Finanzkommission Gesundheit hatte deutlich mehr verlangt: 5,50 Euro pro Liter reinen Alkohols allein im Jahr 2027. Die Regierung bleibt mit gut 2,60 Euro darunter.

Der Supermarkt wird nur der Anfang sein

Lassen wir Zigaretten und Schabau aus der Rechnung heraus, verteuern Plastik- und Zuckersteuer den Einkauf ab 2028 um rund 55 bis 65 Euro pro Person und Jahr. Eine vierköpfige Familie zahlt gut 200 bis 260 Euro mehr, mit einem Raucher im Haushalt 400 bis knapp 600 Euro. Keine dieser Steuern ist für sich groß genug, um sich darüber aufzuregen. Genau darin liegt ihr Konstruktionsprinzip: Jede kommt als Cent-Betrag, keine kommt allein.

Und die Preissteigerungen enden nicht im Supermarkt. Ab 2027 steigen die Zuzahlungen für Medikamente von fünf bis zehn auf 7,50 bis 15 Euro pro Packung. Sprit und Gas bleiben teuer, viele Dienstleistungen ziehen nach. Die Deutsche Bahn hat zwar angekündigt, die Preise im Fernverkehr bis Mai 2027 stabil zu halten. Danach rechnen Branchenbeobachter allerdings wieder mit Erhöhungen.

Das Deutschlandticket kostet ab Januar 66,80 statt 63 Euro. Den Preis bestimmt erstmals kein Ministerbeschluss mehr, sondern ein Kostenindex aus Personal-, Energie- und Betriebskosten: Steigen die Kosten, steigt der Preis automatisch mit. Und selbst zu Hause wird Sparen schwieriger. Streamingdienste wie Netflix erhöhen ihre Preise bereits regelmäßig, und vieles spricht dafür, dass sich daran auch 2027 nichts ändern wird.

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