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MG4 EV Urban Test: Der verrückt-günstige Vernunftstromer ist da

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Die vollelektrischen Kleinwagen kommen. Nicht nur der VW ID. Polo, der Škoda Epiq und der Cupra Raval werden in Kürze das Feld von hinten aufrollen. Auch MG schickt ein kleines E-Auto an den Start: den MG4 EV Urban. Und der ist fast schon aberwitzig günstig zu haben.
Hayo Lücke hinter dem MG4 EV Urban am Flughafen München.
Ein Stadtauto (fast) ohne Kompromisse: der MG4 EV Urban im Test von inside digital.Bildquelle: Marcus Werner / MG

Der Markt für kompakte Elektroautos wächst stetig. Hersteller überbieten sich mit immer höheren Reichweiten, größeren Bildschirmen und neuen Assistenzsystemen. Der MG4 EV Urban verfolgt dabei einen etwas anderen Ansatz. Statt mit spektakulären Leistungsdaten aufzufallen, setzt das Modell auf Alltagstauglichkeit, ein großzügiges Raumangebot und einen attraktiven Preis. Nach meiner Probefahrt rund um München bleibt vorwiegend ein Eindruck hängen: Der MG4 EV Urban möchte kein elektrischer Sportler sein, sondern ein unkomplizierter Begleiter für den täglichen Einsatz. Aber lohnt sich das auch? Steigen wir ein.

Typisch Kleinwagen: der MG4 EV Urban in der Seitenansicht.

MG4 EV Urban Fahrbericht: Kompaktere Maße …

Bereits beim ersten Kontakt mit der Premium-Ausführung des knapp 4,40 Meter kurzen und nur knapp 1,6 Tonnen schweren E-Autos fällt auf, dass der Urban als Nachfolger des klassischen MG4 trotz seiner kompakten Außenmaße erstaunlich erwachsen wirkt. Das Design verzichtet trotz eines dezenten Dachkantenspoilers am Heck auf übertriebene Experimente und wirkt insgesamt modern, ohne aufdringlich zu sein. Mit schlanken LED-Scheinwerfern und einem aktiven Luftleitsystem an der Front sowie einem durchgehenden Lichtband am Heck. Die Karosserie mit kurzen Überhängen ist klar gezeichnet und vermittelt eher Funktionalität als Showeffekte. Das dürfte vorwiegend Käufer ansprechen, die ein Auto suchen und kein rollendes Statement.

Im Innenraum setzt sich dieser Eindruck fort. Das Cockpit wirkt aufgeräumt und modern. Das zentrale Touchdisplay (12,8 Zoll, horizontal ausgerichtet) dominiert die Mittelkonsole und bündelt zahlreiche Funktionen. Die Bedienung gelingt grundsätzlich intuitiv, allerdings zeigt sich hier auch einer der Kritikpunkte des Fahrzeugs. Wie bei vielen modernen Elektroautos sind einige Funktionen in Untermenüs versteckt. Wer beispielsweise während der Fahrt schnell eine Einstellung verändern möchte, muss teilweise häufig tippen. Das kann vom Fahren ablenken. Immerhin: Physische Tasten und Walzen für die wichtigsten Klimaeinstellungen sind vorhanden.

Blick ins Cockpit des MG4 EV Urban – in der Premium-Ausführung.

Ergänzend dazu steht ein Fahrer-Info-Display (7 Zoll) hinter dem Lenkrad zur Verfügung, das alle wichtigen Fahrinformationen anzeigt. Ein Head-up-Display gibt es – wenig überraschend in dieser Fahrzeugklasse – nicht. Vorn stehen zwei USB-C-Anschlüsse zur Verfügung, hinten immerhin noch ein weiterer. Apple CarPlay und Android Auto sind in kabelloser Form nutzbar. Stark: Auch Vehicle-to-Load (V2L), also die Versorgung von Stromgeräten über den Ladeanschluss des Autos, steht zur Verfügung.

… aber überraschend viel Platz

Positiv überrascht dagegen das Platzangebot. Besonders in der zweiten Reihe bietet der MG4 EV Urban, der auf der neuen Plattform E3 steht, mit seinen 2,75 Metern Radstand mehr Raum, als man auf den ersten Blick erwarten würde. Auch größere Mitfahrer finden ausreichend Knie- und Kopffreiheit. Und das sogar dann, wenn Fahrer und / oder Beifahrer mit ihren Sitzen weit nach hinten rücken. Beeindruckend, was in diesem Auto möglich ist. Selbst dann, wenn im Fond ein 2-Meter-Mann seinen Platz einnimmt.

Im Alltag dürfte das Fahrzeug daher problemlos auch als Familienauto funktionieren. Hinzu kommt ein Kofferraum, der für diese Fahrzeugklasse großzügig ausfällt. Standardmäßig lassen sich 436 Liter Gepäckraumvolumen nutzen, mit umgeklappten Rücksitzen bis zu 1.107 Liter. Für den Wocheneinkauf, Urlaubsgepäck oder den Kinderwagen steht genügend Stauraum zur Verfügung. Und: In einem riesigen, tiefen Unterboden kannst du problemlos Ladekabel und anderes Zubehör verstauen.

Teil der Wahrheit ist aber auch: An anderer Stelle musste MG sparen. Der MG4 EV Urban ist nicht mit einer elektrischen Heckklappe ausgestattet, er verzichtet auf einen Frunk unter der Motorhaube, kann aber mit rund 30 zusätzlichen Ablagefächern im Innenraum punkten.

Gute Fahreigenschaften

Auf der Straße präsentiert sich der MG4 EV Urban mit seinem Frontantrieb – das Schwestermodell MG4 EV verfügt über einen Heckantrieb – angenehm unkompliziert. Der Elektromotor, ausgestattet mit 110 kW / 149 PS Leistung in Verbindung mit der 43-kWh-Batterie und 118 kW / 160 PS mit der 54-kWh-Batterie, sorgt für die typische spontane Leistungsentfaltung eines Stromers.

Blick in den Motorraum des MG4 EV Urban - ohne Frunk.

Bereits beim Anfahren steht das Drehmoment unmittelbar zur Verfügung, wodurch das Fahrzeug im Stadtverkehr lebendig wirkt. Ampelsprints gehören aber nicht zu seinen Kernkompetenzen. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert knapp zehn Sekunden, was für ein E-Auto gerade bei dem geringen Gewicht dieses Fabrikats sehr behäbig ist. Dennoch fühlt sich der Urban ausreichend flott an. Gerade im urbanen Umfeld passt die Leistungscharakteristik hervorragend zum Fahrzeugkonzept.

Das Fahrwerk verfolgt einen ausgewogenen Ansatz. Schlaglöcher und Unebenheiten werden ordentlich gefiltert, ohne dass das Auto schwammig wirkt. Gleichzeitig bleibt die Karosserie in Kurven ausreichend stabil. Wer ein besonders dynamisches Fahrerlebnis sucht, wird vermutlich andere Modelle bevorzugen. Für den täglichen Arbeitsweg, Einkäufe oder längere Überlandfahrten bietet der MG jedoch genau die richtige Balance zwischen Komfort und Kontrolle.

Auch die Lenkung passt ins Gesamtbild. Sie arbeitet leichtgängig und macht das Rangieren in engen Parkhäusern oder Innenstädten angenehm einfach. Rückmeldungen von der Fahrbahn könnten zwar etwas präziser ausfallen, für die Zielgruppe des Fahrzeugs dürfte dies jedoch kaum eine entscheidende Rolle spielen. Die Gänge legst du im MG4 EV Urban über einen Hebel hinter dem Lenkrad ein und kannst für deine Fahrt zum nächsten Ziel zwischen vier Fahrmodi auswählen – inklusive eines speziellen Schneemodus. Bequemes 1-Pedal-Fahren, das eine Betätigung des Bremspedals in vielen Fällen überflüssig macht, ist möglich. Die Rekuperation kannst du in vier Stufen deinem persönlichen Fahrstil anpassen.

Wärmepumpe ist serienmäßig an Bord

Ein wichtiger Aspekt bei jedem Elektroauto ist die Reichweite. Laut Hersteller sind bis zu über 416 Kilometer nach WLTP-Norm mit dem großen und bis zu 325 Kilometer mit dem kleineren LFP-Akku möglich. In der Praxis hängt das Ergebnis natürlich stark von Fahrweise, Außentemperatur und Streckenprofil ab. Auf der Autobahn solltest du bei gemäßigter Fahrweise aber eher mit 300 bis 350 Kilometern mit der großen und maximal 200 bis 250 Kilometern mit der kleineren Batterie kalkulieren.

Vor allem das Heck des MG4 EV Urban bietet einen hohen Wiedererkennungswert.

Während meiner Probefahrt hinterließ der Energieverbrauch einen positiven Eindruck. Auf der Autobahn haben wir bei weitgehend eingehaltenem Tempo von 130 km/h – in der Spitze sind 160 km/h möglich – einen Verbrauch von rund 21 kWh pro 100 Kilometer ermittelt. Auf der Landstraße sinkt der Strombedarf auf gleicher Strecke auf 17 bis 18 kWh, innerstädtisch kannst du mit 13 bis 14 kWh rechnen. Positiv fällt auf, dass serienmäßig eine Wärmepumpe verbaut ist, was insbesondere in den Wintermonaten Vorteile bringen kann.

Beim Laden zeigt sich der Urban eher unterdurchschnittlich. Das Schnellladen ermöglicht zwar kurze Zwischenstopps, um den Energiespeicher unter optimalen Bedingungen in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent zu bringen, in der Spitze ist aber schon bei 82 kW (43 kWh) respektive 87 kW (54 kWh) Schluss. Wer regelmäßig Langstrecken fährt, wird daran wenig Gefallen finden. Für typische Pendler oder Nutzer mit heimischer Lademöglichkeit fällt dies dagegen kaum ins Gewicht. Sie können an einer Wallbox oder an einer Normalladesäule per Wechselstrom mit bis zu 11 kW neuen Strom in den Akku fließen lassen. Ein kostenpflichtiges Upgrade auf 22 kW gibt es nicht.

Assistenzsysteme für Sicherheit an Bord

Einen guten Eindruck hinterließen während der Fahrt die Assistenzsysteme. Spurhalteassistent, Notbremsfunktion und weitere Helfer arbeiten überwiegend unauffällig im Hintergrund. Das ist ein Kompliment, denn viele Systeme fallen erst dann auf, wenn sie zu häufig oder zu aggressiv eingreifen. Der MG schafft hier einen vernünftigen Kompromiss zwischen Unterstützung und Zurückhaltung. Auch die umfangreiche Sicherheitsausstattung trägt dazu bei, dass man sich schnell wohlfühlt.

Praktisch ist der MG Pilot. Er gestattet es, bedeutende Assistenz-Funktionen und Warntöne nach den persönlichen Vorlieben zu speichern und über den Touchscreen zu aktivieren. Da auf Basis von EU-Recht verpflichtend ist, dass etwa der Aufmerksamkeitsassistent oder der Warnton beim Überschreiten der örtlich zulässigen Höchstgeschwindigkeit nach jedem Motorstart neu aktiviert sind, ist diese zentralisierte Steuermöglichkeit eine echte Erleichterung.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Neben der teils verschachtelten Bedienung über den Touchscreen fällt auf, dass die Materialqualität zwar ordentlich, aber nicht sonderlich hochwertig ausfällt. Einige Hartplastikoberflächen erinnern stark daran, dass der MG4 EV Urban primär über sein Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen möchte. Auch bei der Geräuschdämmung gibt es Fahrzeuge, die auf der Autobahn noch etwas souveräner auftreten. Das sind keine gravierenden Schwächen, aber Punkte, die im direkten Vergleich mit teureren Wettbewerbern sichtbar werden.

Geschlossene Front mit einem aktiven Luftleitsystem am MG4 EV Urban.

Was kostet der MG4 EV Urban?

Der eigentliche Knaller ist aber der Preis. Zwar startet er auf dem Papier bei 24.990 Euro für das Basismodell 43 kWh Active, doch davon kannst du noch bis zu 6.000 Euro staatliche Förderung abziehen. Und mindestens bis Ende Juni 2026 gibt es von MG noch 6.000 Euro MG-EV-Bonus dazu. Heißt: Im günstigsten Fall kannst du dir diesen Elektro-Kleinwagen aktuell bereits ab 12.990 Euro sichern. Ein echter Preiskracher!

Und wenn du dir eine bessere Ausstattung wünschst, kannst du noch zu drei anderen Modellvarianten des MG4 EV Urban greifen (Preise vor Rabatten):

  • 43 kWh Comfort ab 27.190 Euro
    • u. a. zus. ausgestattet mit beheizbaren Vordersitzen, beheizbarem Lenkrad,
  • 54 kWh Comfort ab 28.490 Euro
  • 54 kWh Premium ab 31.490 Euro
    • u. a. zus. ausgestattet mit 360-Grad-Kamera, Audio-System mit sechs Lautsprechern, Live-Datendiensten und elektrisch verstellbarem Fahrersitz, 17-Zoll- statt 16-Zoll-Leichtmetallfelgen

Sieben Lackierungen stehen zur Wahl. Wer sich für die Comfort- oder Premium-Ausführung entscheidet, kann ohne Aufpreis zwischen allen verfügbaren Farben wählen. Das Basismodell gibt es hingegen nur im Farbton Dynamic Red. Der Hersteller gewährt übrigens sieben Jahre Garantie bis 150.000 Kilometer. Auf den Akku gibt es sogar acht Jahre Garantie. Zur Inspektion erwartet MG das Auto einmal pro Jahr, spätestens aber alle 24.000 Kilometern.

Fazit: Das vernünftige E-Auto

Was bleibt? Der MG4 EV Urban ist kein Auto, das mit spektakulären Innovationen beeindrucken möchte. Stattdessen konzentriert er sich auf die Dinge, die im Alltag wirklich zählen: ausreichend Platz, vernünftige Reichweiten, eine gute Serienausstattung und ein sehr konkurrenzfähiger Preis. Die wenigen Schwächen sind angesichts der gebotenen Gesamtleistung zu verschmerzen.

Wer einen bezahlbaren Elektro-Kompakten mit fünf Sitzen sucht und dabei auf ein ausgewogenes Gesamtpaket Wert legt, sollte den MG4 EV Urban definitiv auf die Probefahrt-Liste setzen. Er mag nicht der emotionalste Vertreter seiner Klasse sein, doch genau diese nüchterne Vernunft könnte sich für viele Käufer als seine größte Stärke erweisen.

Klein, kompakt, gut: der MG4 EV Urban im Test von inside digital.

Zwar musst du auf so manche Komfortfunktion wie einen automatisch abblendenden Rückspiegel verzichten, mit einer eher durchwachsen arbeitenden Sprachsteuerung leben und es steht auch nur eine 1-Zonen-Klimaautomatik zur Verfügung. Doch das Gesamtpaket ist trotzdem stimmig für die angesprochene Zielgruppe. Denn unter anderem eine Alarmanlage, eine Berganfahrhilfe und umfangreiche Fahrassistenzsysteme wie eine adaptive Tempo- und Abstandsregelung (ACC), ein Querverkehrswarner (RCTA) oder ein Spurhalteassistent (LDW) sind Teil der Serienausstattung.

Der MG4 EV Urban ist tief in seiner Seele eher ein Stadtauto als ein echter Allrounder. In vielen Haushalten vielleicht auch der perfekte Zweitwagen. Ausprobieren!

Vorteile MG4 EV Urban

  • mit Förderungen und Rabatten fast schon unschlagbar günstig
  • viel Platz auch in der zweiten Sitzreihe
  • gute Verbrauchswerte
  • Farbwahl ohne Aufpreis

Nachteile MG4 EV Urban

  • maue Ladeleistung am Schnelllader
  • wenig hochwertige Verarbeitung
  • diverse Komfort-Features fehlen
  • kein Frunk nutzbar

Kommentar

Von Hayo Lücke

Der MG4 EV Urban macht vieles richtig: Er bietet überraschend viel Platz, eine alltagstaugliche Reichweite und ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das derzeit nur wenige Wettbewerber erreichen. Gleichzeitig zeigt er aber auch klar, wo gespart wurde. Die Ladeleistung ist bestenfalls Durchschnitt, die Materialqualität eher zweckmäßig und einige Komfortmerkmale fehlen. Wer einen günstigen Stromer für Stadt und Pendelstrecken sucht, erhält ein überzeugendes Gesamtpaket – Langstreckenfahrer eher nicht.

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