Es gibt Werkzeuge, die man benutzt. Und dann gibt es Werkzeuge, denen man erst einmal misstraut, wie einem zwielichtigen Typen in einer Kneipe um drei Uhr morgens. Das XTape 1 gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Als das Ding bei mir ankam, dachte ich zuerst: „Ja klar. Noch ein Gadget für Menschen, die ihre Wasserwaage per Bluetooth mit dem Handy verbinden wollen.“ Ein Maßband mit Laser, Winkelmessung, App-Anbindung und das alles in einem futuristischen Design.
Dass es sich hier um ein Maßband handeln soll, wird einem auf den ersten Blick gar nicht klar. Dieses Teil sieht erst mal aus, als hätte jemand ein normales Maßband, einen Laser und ein paar halb verrückte Ideen in einen Schraubstock gezwängt und gesagt: „Mach daraus ein Werkzeug.“ Und genau so fühlt es sich mit seinem Gewicht von einem halben Kilo auch an. Schaltet man es ein, wirft es mit roten und grünen Laserstrahlen um sich. „Und das soll mein Maßband ersetzen?“
XTape 1: Ein Maßband auf Steroiden
Aber dann dachte ich: Komm, ich probier das Ding jetzt aus und gab dem Mileseey XTape 1 eine Chance. Die Idee: Ein Beistelltisch aus Palettenholz für den Garten. Sollte beim Messen etwas schiefgehen, ist es halb so wild. Also: Ein paar Bretter, ein Bleistift und eine Kreissäge. Statt meines treuen Begleiters, eines 3-Meter-Maßbands von Bahco, jetzt also dieses Maßband auf Steroiden. Rund 3,5 Meter Stahlband sitzen darin, vorne ein Magnet, der sich an Metall festkrallt wie ein Betrunkener an der Theke. Aber der eigentliche Wahnsinn steckt im Laser.

Du drückst auf den Knopf, ein grüner Strahl schießt durchs Halbdunkel der Garage, und plötzlich misst das Ding Entfernungen schneller, als dein Gehirn überhaupt hinterherkommt. Kein Hin-und-her-Gefummel. Kein „Kannst du mal eben das Ende festhalten?“ Kein Fluchen, weil das Band wieder einknickt.
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Nach einem Knopfdruck erscheinen die Maße auf dem Handy
Ich begann also mit den Seitenteilen für den Tisch. Vier identische Bretter, exakt gleich lang. Zumindest theoretisch. Früher hätte ich dreimal gemessen, den Anschlagwinkel zweimal neu angesetzt und am Ende trotzdem Unterschiede gehabt, die man erst beim Zusammenbau bemerkt. Dieses Mal schalte ich das XTape 1 ein, ziehe das Stahlband heraus und schiebe das Ding langsam über das Brett. Die Zahlen auf dem Display aktualisieren sich in Echtzeit, der grüne Laserstrahl zeigt mir an, wo ich mit dem Bleistift den Strich setzen soll. Und ich stand da wie ein Idiot und misstraute dem Ding.

Wirklich: Ich habe jedes Maß noch einmal mit meinem alten Maßband kontrolliert. Immer wieder. Wie ein paranoider Ermittler in einem schlechten Drogenfilm. Das Problem war nur: Das XTape 1 hatte jedes Mal recht. Irgendwann hörte ich auf, gegenzuprüfen. Vertrauen entsteht langsam, besonders wenn Elektronik meint, Dinge besser zu können, als jahrzehntealte Werkzeuge. Aber genau das passiert hier. Und verbunden mit der App genügt beim Messen ein Knopfdruck auf dem XTape 1 und die Maße landen auf dem Handy. So kann man im Baumarkt nochmal nachsehen, ob die Zahl, die man im Kopf hat, die richtige ist.

Im Arbeitsalltag integriert
Andere Baustelle, weitere Absurdität. Ich schraube das XTape 1 auf mein Stativ, auf dem normalerweise nur meine Kamera Platz nimmt. 180 Grad, der Laser ist an drei von vier Wänden zu sehen. Das Mileseey XTape 1 zeigt im Display permanent den Winkel an. Du kippst das Gerät leicht und siehst sofort an, wie weit du danebenliegst. Kein Rätselraten mehr, kein Augenmaß.

Was mich wirklich überrascht hat, war allerdings nicht der Laser oder die Mathematik im Hintergrund. Es war die Ruhe, die das Ding in die Arbeit bringt. Klingt vielleicht bescheuert, aber normalerweise bedeuten präzise Messungen Stress, Konzentration und mehrfaches Nachmessen. Vor allem, wenn es dabei um größere Summen Geld geht, die man ausgeben muss oder will. Mit dem XTape 1 verschwindet ein Teil dieses ewigen Hinterfragens. Du misst, markierst, besorgst die entsprechende Menge Material und arbeitest weiter.

Dabei fühlt sich das Ganze nie zu technisch an. Das Gerät integriert sich ziemlich schnell in den Arbeitsalltag. Hat man einmal Vertrauen in die Technik gefasst, funktioniert das XTape 1 einfach still vor sich hin, während man Bretter zusägt und Schrauben versenkt. Während ich mein normales Maßband nie aufladen muss, hat der digitale Allemesser aber einen Akku. Doch einmal aufgeladen lässt sich das digitale Maßband ziemlich lange benutzen. Rund 7 Stunden, sagt Mileseey. Schade, dass es keine Akkuanzeige gibt, die mich vorwarnt, das Gerät vor der nächsten Nutzung aufzuladen, sollte der Akku schwach sein. Zur Not lässt es sich aber per USB auch auf der Baustelle an einer Powerbank aufladen. Im Zweifel, wenn der Laser mal nicht mehr lasert, ziehe ich das Maßband einfach klassisch aus. Das Display bleibt dann zwar aus, messen kann ich aber trotzdem.
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Für wen ist das Mileseey XTape 1 gedacht?
Natürlich ist das XTape 1 kein Werkzeug für Menschen, die ausschließlich einen Nagel in die Wand schlagen wollen. Wer nur einmal im Jahr ein Regal aufhängt, braucht diesen Wahnsinn wahrscheinlich nicht. Zumal das Teil mit rund 200 Euro nicht gerade ein Schnäppchen ist. Aber sobald man regelmäßig baut, zuschneidet oder Räume plant, beginnt das Ding plötzlich Sinn zu ergeben.

Das XTape 1 von Mileseey kann noch viel mehr, als ich in diesen Projekten brauchte. Es kann Laufmessungen verfolgen, Flächen und Volumen berechnen, Winkel anzeigen und Entfernungen ausrechnen, die man direkt gar nicht sauber messen kann. Man kann es in zwei Teile splitten und hat dann ein handliches Laser-Messgerät und ein Maßband. Aber ehrlich gesagt: Im echten Leben interessiert mich nicht zuerst die Liste der Funktionen. Mich interessiert, ob das Ding mich im entscheidenden Moment nicht im Stich lässt. Und genau da liefert es.
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