Gravel-E-Bike mit 13 Kilo: Das kann der Carbon-Italiener

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C.B.T. Italia ist in Deutschland nicht ganz so bekannt, doch haben die Italiener eine ganze Reihe interessanter E-Bikes im Angebot. Eines ist das Blade 99, ein federleichtes Gravel-E-Bike, mit SRAM Apex 1 HRD Schaltung und Carbonrahmen. Doch kann es im Test überzeugen?
C.B.T. Italia Blade 99
C.B.T. Italia Blade 99Bildquelle:

Gravel-Bikes sind neben E-Antrieben der dominierende Trend im Fahrrad-Segment. Bringt man beides zusammen, kommen für die einen viel zu schwere und unnötig breit bereifte Rennräder heraus. Andere schwören auf die Vielseitigkeit der Rennmaschienen für Straße und Gelände. Doch was passiert, wenn man einen ultraleichten Rahmen, einen kompakten Antrieb und grobstollige, aber schmale Reifen in einem Bike verbaut? Dann kommt das C.B.T. Italia Blade 99 heraus. Doch ist es nun die Eierlegende Wollmilchsau auf Rädern oder ein Generalist, der in keiner Disziplin wirklich gut ist?

C.B.T. Italia Blade 99: Die Daten des Gravel-Bikes

Einige der Daten des C.B.T. Italia Blade 99 sind schon vom UB77 bekannt. Der E-Antrieb ist der gleiche und auch der Rahmen hört auf dasselbe Zahlenwerk wie beim Pendler-E-Bike. Beim Pedalantrieb kommt jedoch eine SRAM APEX 1 HRD 1×11 DISC zum Einsatz. Damit bekommst du sauber schaltende elf Gänge. Ohne E-Antrieb sind mehr Übersetzungsstufen zu empfehlen. Mit kommt man jedoch im Alltag gut mit der begrenzten Auswahl klar. Auch bei den gut zupackenden Scheibenbremsen bauen die Italiener auf SRAM als Zulieferer.

Die Räder kommen dagegen von NIX und hören auf den Namen 27.27 alloy DISC. Die aufgezogenen Gummis sind laut C.B.T. Italia die Vittoria Terreno TLR 700×32. Beim Testrad sind jedoch grobstollige und schmale Schwalbe-Reifen aufgezogen. Sie bringen bei Weitem mehr Geländegängigkeit ins Rad als die Straßenbereifung, die eigentlich vorgesehen ist. Gelenkt wird mit dem Gravel 100 von Deda. Von diesem Zulieferer kommt auch die Sattelstütze auf der ein Selle San Marco Sattel thront.

Kassette des C.B.T. Italia Blade 99
Antrieb des C.B.T. Italia Blade 99

All das kommt auf ein Gewicht von gut 13,2 Kilogramm und damit befindest du dich in der Spitzenklasse im Bereich der elektrisch angetriebenen Gravel-Bikes.

Der erste Eindruck des Gravel-E-Bikes

Der E-Motor versteckt sich gekonnt zwischen der Kassette und der Bremsscheibe, wodurch das „E“ im Bike noch mehr versteckt wird. Die Steuerung des E-Antriebs kannst du per Hand in fünf Stufen über eine Schalteinheit am Lenker regeln. Im angeflanschten Display wird dir neben der Unterstützungsstufe und die Geschwindigkeit, der Akkustand und die momentane Unterstützungsleistung angezeigt. Der Clou am C.B.T.-Italia-Antrieb ist die Herzfrequenzsteuerung des Motors. Das funktioniert ähnlich gut, wie beim UB77. Ohne die schon damals bemerkten Verbindungsprobleme, wäre es ein hervorragendes System. Hier musst du hoffen, dass C.B.T. Italia noch einmal mit einem Update nachregelt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Reifenfreiheit. Die Aufgezogenen 30mm-Reifchen sind für leichtes Gelände und Feldwege wunderbar geeignet, willst du aber ins Grobe, kommst du schnell an die Grenzen des Machbaren. Denn viel Platz bietet der Rahmen und auch die Gabel nicht. Somit sind Mountainbike-Artige Schlappen nicht nachrüstbar.

Reifenfreiheit des C.B.T. Italia Blade 99
Reifenfreiheit des C.B.T. Italia Blade 99

Die Qualität im Allgemeinen ist gut, auch wenn die Folierung des schicken Rahmens nicht sonderlich hochwertig wirkt. Dazu klappert das Display des Blade 99 wie schon das des UB44 am Lenker herum. Das kann schnell auf die Nerven gehen und bedarf immer wieder des Nachziehens der Schrauben.

Fahrgefühl des Gravel-E-Bikes: Pendeln

Doch kommen wir zum wichtigsten: Wie fährt sich das E-Gravel-Bike Blade 99 von C.B.T. Italia? Auf der Straße läuft es mit und ohne den Antrieb dynamisch. Klar, der Leichtbau macht den Antritt auf der Straße sehr einfach. Beim Ampelstart mit kleinem Gang und höchster Unterstützung kommt sofort sehr viel Freude auf. Auf der Test-Pendelroute erreichten wir mit dem Blade 99 noch einmal etwas bessere Zeiten als mit dem UB77 oder dem Canyon Roadlite:On 7.

Der Komfort bleibt dabei nicht auf der Strecke, jedoch müssen die schmalen Grobstöller schon kräftig aufgepumpt werden, um so schnell unterwegs zu sein. Hat man eher moderate Luftdrücke intus, weil es auch mal ins Gelände gehen soll, wird das Bike schnell langsamer. Doch dann hilft der Antrieb zumindest bis 25 km/h. Er ist etwas träge und verlangt zumindest ein wenig Unterstützung vom Fahrer. Trittst du nur halbherzig in die Pedale, passt sich der Motor an.

Wie viel Gelände ist möglich?

Doch, wie gravelt es sich im Gelände? Die schmalen Reifen verhindern den ganz groben Einsatz, was aber auch mit den schmalen Reifen sehr viel Spaß macht, ist im leichten Gelände umherzufetzen. Kurze steile Anstiege auf griffigem Untergrund werden plötzlich befahrbar und man wundert sich immer wieder, wie viel Power der kleine Motor hat. Dauerhaft sind solche Anstiege bauartbedingt nicht zu empfehlen. Das zeigte sich im Test schon nach wenigen hundert Metern in sehr steiler Bergauffahrt. Dabei wies das Display mit einem kleinen Symbol dezent darf hin, dass man es übertrieben hat. Willst du auf die Unterstützung nicht verzichten, musst du eine kurze Pause einlegen. Aber das Blade 99 ist sowieso im Gelände eher Sprinter als Dauerläufer. Denn der Komfort ist nicht gerade berauschend. Dennoch sind sanfte Trails und die Feldwege der Umgebung das richtige Revier des Italieners.

Vorbau und Lenker des C.B.T. Italia Blade 99
Vorbau und Lenker des C.B.T. Italia Blade 99

Ab und an wünscht man sich über den Lenker noch etwas mehr Kontrolle im Gelände. Der verbaute Lenker bietet nämlich nur einen moderaten Drop Flare, was zwar der Windschnittigkeit zugutekommt, im Gelände aber die Bremshebel schlechter erreichbar macht und die Kontrolle erschwert. Trotzdem fühlt sich das Blade 99 im leichten Gelände insgesamt am wohlsten.

Graveln und Pendeln: Reichweite, Laden, Akkuanzeige

Die deutsche „Reichweitenangst“ ist mittlerweile auch außerhalb der Meme-Welt zum festen Begriff avanciert. Doch hier solltest du beim C.B.T. Italia Blade 99 nicht zu viel davon haben. Denn das Gravel-Bike schafft im Alltag locker 100 km mit moderater bis hoher Unterstützung. Und auch harter Geländeeinsatz mit maximaler Unterstützung ist nicht schon nach 50 km vorbei. Benutzt du das Rad auf einer urbanen Pendelei unter 20 Kilometer einfache Strecke täglich, musst du innerhalb der Arbeitswoche nur einmal laden. Gehts am Wochenende dann noch auf den Trail, ist noch eine Ladung fällig.

Das Laden ist prinzipiell sehr komfortabel gelöst. DBT Italia verbaut nämlich einen herausnehmbaren Akku, der sich elegant um das Unterrohr schmiegt. Ein kleiner Sicherungsschlüssel entriegelt die Mechanik und schon ist der Block aus dem Rahmen gelöst und kann an die Steckdose. Der Anschluss ist jedoch etwas fummelig und muss umständlich eingeschraubt werden, bevor der Strom fließen kann. Nach drei Stunden ist der Akku wieder voll und es kann weitergehen. Dabei ist aber zu beachten, dass du dich nicht immer auf den Akkustand des Fahrrads verlassen kannst. Merke dir deine gefahrene Strecke oder achte auf den Kilometerzähler. Die Anzeige des Restakkustandes kann ab und an auch mal um 40 Prozent schwanken. Das muss einem keine Angst machen, da man das Blade 99 auch ohne Antrieb locker bewegen kann, ein unnötiges Ärgernis ist es dennoch.

Fazit zum C.B.T. Italia Blade 99

Mit der Bestzeit in die Arbeit und am Wochenende dennoch ins Gelände? Das kann das C.B.T. Italia Blade 99. Allerdings hat es einige kleine Schwächen, die beides zu Kompromissen machen. Doch was ist ein Gravel-Bike sonst, außer ein Kompromiss. Und ein solcher muss ja nicht schlecht sein. Wer einen guten Allrounder sucht, der beides mitmacht und eher zur Straße als zum harten Gelände tendiert, ist hier richtig. Beachten musst du aber, dass du dabei auch knapp 4.800 Euro los bist. Das ist ein stolzer, wenn auch marktüblicher Preis. Beispielsweise kostet das Rose Backroad+ ab 4.700 Euro. Das besitzt dabei aber einen Shimano EP8-Mittelmotor, wiegt jedoch auch fast vier Pfund mehr.

Pros des C.B.T. Italia Blade 99:

  • superleicht
  • gute Reichweite
  • Spaßmaschine im leichten Gelände

Contras des C.B.T. Italia Blade 99:

  • wirre Akkustandsanzeige
  • klapperndes Display
  • Motor nur wenig standhaft
  • straßenlastiger Lenker

Bildquellen

  • Kassette des C.B.T. Italia Blade 99: Michael Büttner
  • Reifenfreiheit des C.B.T. Italia Blade 99: Michael Büttner
  • Vorbau und Lenker des C.B.T. Italia Blade 99: Michael Büttner
  • C.B.T. Italia Blade 99: Michael Büttner
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